Arbeitszeit
Arbeitszeit noch flexibler und souveräner gestalten

Arbeitszeit Uhr Spielfigur

Das Bundesarbeitsministerium möchte das Arbeitszeitgesetz ändern und die Arbeitszeitsouveränität der Beschäftigten stärken. Eigentlich ein guter Ansatz. Die Zeitschrift »Computer und Arbeit« (CuA) hat beim DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach nachgefragt. Sie sieht »Segen und Fluch«.

Wie können Beschäftigte ihre tägliche Arbeitszeit souveräner mitbestimmen?

Befragungen unter Beschäftigten – nicht nur die des DGB-Index Gute Arbeit – zeigen ein großes Bedürfnis nach Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit. Das hat vor allem damit zu tun, dass Flexibilität bislang dazu geführt hat, dass de facto länger gearbeitet werden muss – und auch öfter zu atypischen Zeiten, wie zum Beispiel abends oder am Wochenende. Arbeitszeitsouveränität erreichen wir am besten durch mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten und bessere Rechte der Beschäftigten, um sich die Arbeitszeit selbstbestimmter einteilen zu können. Wir wollen auch, dass besondere Lebensphasen besser berücksichtigt werden.

Wie zieht man in digitalen Zeiten der Arbeitszeit Grenzen?

Die digitalen Möglichkeiten zur Erreichbarkeit sind Segen und Fluch zugleich. Wichtig ist, dass für mobile Arbeit und Home Office faire Regeln vereinbart werden. Dazu gehört, dass die vereinbarten Arbeitszeiten eingehalten werden und die Arbeitgeber keine permanente Verfügbarkeit erwarten. Hier hilft ein Recht auf Log-Off für die Beschäftigten. Außerdem muss die Arbeitszeit erfasst und auch vergütet werden. Das Problem ist heute, dass im Home Office viele Überstunden anfallen, aber nicht bezahlt werden. Grenzen braucht es auch bei der Arbeitsmenge: Wir wollen, dass die Zielvorgaben erreichbar sind und die Beschäftigten ihre Arbeit in der vereinbarten Arbeitszeit auch schaffen können.

Wie kann die Zunahme psychischer Erkrankungen aufgrund der Durchdigitalisierung unseres Arbeitsalltags gebremst werden?

 Die Zunahme psychischer Erkrankungen hat nicht nur etwas mit der Digitalisierung zu tun. Quer durch alle Branchen muss mehr dafür getan werden, dass die Gesundheit der Beschäftigten geschützt wird. Deshalb fordern wir ein verbindliches Regelwerk gegen Arbeitsstress. Es geht hier auch um die Handlungs- und Entscheidungsspielräume für die Beschäftigten – also um mitbestimmte Arbeit. Klar ist auch: Überlange und atypische Arbeitszeiten, verkürzte Ruhezeiten oder permanente Erreichbarkeit steigern das Risiko gesundheitlicher Beeinträchtigungen. Deshalb sollten wir sehr sorgsam mit dem Arbeitszeitgesetz umgehen. Es ist ein Schutzgesetz, das auch in der digitalen Arbeitswelt wichtiger ist denn je. Das Arbeitszeitgesetz ermöglicht – entgegen den Behauptungen der Arbeitgeber – ein Höchstmaß an Flexibilität, die ja auch genutzt wird. Es lässt auch mal bis zu zehn Stunden Arbeit am Stück zu – so lange die Mehrarbeit in absehbarer Zeit ausgeglichen wird. Das darf aber nicht die Regel werden.

Die Interviewpartnerin:

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DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach

 

 

Quelle:

»Computer und Arbeit« (CuA), Ausgabe 7-8/2016, Magazin

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