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Chemische Industrie: 4,5 % mehr Lohn und verbesserte Altersteilzeit

[25.05.2012]Eine Entgelterhöhung um 4,5 Prozent können die Verhandlungsführer der IG BCE als Ergebnis des Tarifabschlusses in der Chemischen Industrie vermelden. Darüber hinaus werden Arbeitszeiten altersgerechter, beispielsweise durch mehr Erholzeiten für Ältere und eine Vier-Tage-Woche in der Übergangsphase zum Ruhestand.

Eine Entgelterhöhung um 4,5 Prozent können die Verhandlungsführer der IG BCE als Ergebnis des Tarifabschlusses in der Chemischen Industrie vermelden. Darüber hinaus werden Arbeitszeiten altersgerechter, beispielsweise durch mehr Erholzeiten für Ältere und eine Vier-Tage-Woche in der Übergangsphase zum Ruhestand.

»Wir haben für eine kräftige Entgelterhöhung und für eine zeitliche Entlastung insbesondere der älteren Beschäftigten gesorgt. Das ist ein gutes Ergebnis für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der chemischen Industrie. Unsere IG BCE gestaltet den demografischen Wandel so, dass sich die Arbeits- und Lebensbedingungen für alle verbessern.« sagte der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis.

IG-BCE-Verhandlungsführer Peter Hausmann begrüßte neben der Entgelterhöhung die erzielten Vereinbarungen als »neuen tarifpolitischen Meilenstein auf dem Weg zu einer altersgerechten Arbeitswelt.« Der neue Demo-Vertrag wirke über den Tag hinaus und biete viele Anknüpfungspunkte und eröffne neue tarifpolitische Spielräume.

Diese Regelungen wurden erzielt:

  • Entgelte und Ausbildungsvergütungen steigen nach einem Leermonat um 4,5 Prozent, die Laufzeit beträgt insgesamt 19 Monate. Die Ausbildungsvergütungen werden einheitlich um 50 Euro angehoben.

  • In Betrieben, die sich in einer sehr guten wirtschaftlichen Lage befinden, werden die Entgelterhöhungen um einen Monat vorgezogen. In Betrieben, die sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befinden ist es möglich, die Anhebung der Entgelte um zwei Monate zu verschieben. Eine Verschiebung ist nur mit Zustimmung der Betriebsräte möglich.

  • Die Laufzeiten der Chemie-Verträge beginnen regional unterschiedlich: In den Tarifbezirken Nordrhein, Rheinland-Pfalz und Hessen zum 1. Juni, in Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen/Bremen, Schleswig-Holstein/Hamburg und Berlin zum 1. Juli und im Saarland und in Nordost zum 1. August.

  • Der 2008 geschlossene Tarifvertrag  »Lebensarbeitzeit und Demografie« wurde in zentralen Punkten weiterentwickelt. Wurde das das Abkommen in den Betrieben bisher vor allem genutzt, um eine solide Altersvorsorge zu schaffen , steht jetzt die schrittweise die Reduzierung der Arbeitszeit im Mittelpunkt.

  • Um älteren Beschäftigten, z. B. über eine Vier-Tage.Woche, einen gleitenden Übergang in den Ruhestand zu ermöglichen, wird der bestehende Demografie-Fonds mit frischem Geld gespeist. Die Arbeitgeber zahlen von 2013 bis 2015 jährlich noch einmal 200 Euro pro Beschäftigten – insgesamt also 600 Euro - ein.

  • Die Mittel können für drei Modelle verwendet werden:

    1. Für Schichtarbeiter ab dem 60. Lebensjahr wird die 4-Tage-Woche eingeführt, für Beschäftigte in Normalschicht ab dem 62. Lebensjahr. Der Eintritt in die 4-Tage-Woche kann betrieblich variabel festgelegt werden. Die Mittel aus dem Fonds stellen sicher, dass die Einkommen stabil bleiben und keine Abschläge bei der Rente entstehen.

    2. Die Fondsmittel werden in ein Langzeitkonto eingebracht. Später kann das Konto genutzt werden, um beispielsweise vorzeitig in Rente zu gehen.

    3. Der Fonds wird zur besseren Nutzung der Altersteilzeit eingesetzt. Bisher können nur rund fünf Prozent einer Belegschaft in Altersteilzeit gehen, der Kreis der Berechtigten wird nun größer.

  • Über die Nutzung eines oder mehrerer Modelle schließen Betriebsrat und Geschäftsführung eine Betriebsvereinbarung ab. In Kleinbetrieben können die Fondsmittel in die zusätzliche Altersvorsorge gehen.

  • Für Beschäftigte, die sich nicht an einem betrieblich gefundenen Modell beteiligen wollen, gelten weiter die bisherigen Regelungen zur Altersfreizeit.

  • Auch die Chancen von jungen Berufseinsteigern in der chemischen Industrie sollen verbessert und zugleich dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel entgegen gewirkt werden: Dazu haben IG BCE und BAVC ein Maßnahmebündel verabredet. Dazu gehören Programme zur Förderung der Ausbildungsreife, die Einführung eines „Berufskompass Chemie“ und verbesserte Übernahmemöglichkeiten. Die Tarifvertragsparteien sind sich einig, dass das hohe Ausbildungsplatzniveau gehalten werden soll.


Eine detaillierte Übersicht über die neuen Tarifabschlüsse und alle sich ändernden oder gleich bleibenden Rahmenbedingungen finden Sie auf den Internetseiten der IG BCE unter www.igbce.de.

Lesetipp der AiB-Redaktion:
»Alternsgerechte Betriebspolitik - Sicherheit und Entwicklungsperspektiven älterer Beschäftigter« von Dr. Wilhelm Adamy in »Arbeitsrecht im Betrieb«, Ausgabe 5/2012, S. 313-319.