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Altersdiskriminierung Testbewerbungen können rechtsmissbräuchlich sein

[28.04.2014]Arbeitgeber atmen auf: Allein der Altersunterschied zwischen zwei unterschiedlich behandelten Bewerbern lässt noch keine Diskriminierung wegen des Alters vermuten. Außerdem kann eine fiktive Testbewerbung gegen Gesetze verstoßen. Die Richter des LAG Schleswig-Holstein nennen in ihrer Entscheidung auch die Voraussetzungen, die tatsächlich auf eine Altersdiskriminierung schließen lassen würden.

Der Fall:

Die Arbeitgeberin suchte Servicetechniker bzw. Serviceingenieure im Innendienst. Der 50-jährige Kläger bewarb sich. Er verfügte über die nach der Ausschreibung notwendigen Kenntnisse. Einige der geforderten Praxiserfahrungen lagen aber bereits mehrere Jahre zurück.

Der Kläger schickte zusätzlich eine Testbewerbung einer von ihm fingierten, 18 Jahre jüngeren Person ab, die auch über die nach der Ausschreibung notwendigen Kenntnisse und Erfahrungen verfügte. Dafür hatte er sich einen in Teilen ähnlichen Lebenslauf aber mit anderen Tätigkeiten ausgedacht, Briefkopfbögen von Schulen und teilweise existierenden, teilweise nicht existierenden Firmen genutzt bzw. kreiert und Zeugnisse erstellt sowie ein altes Foto von sich verwendet. 

10.500 Euro wegen Altersdiskriminierung?

Die gewünschten Praxiserfahrungen dieser Testperson waren allerdings wesentlich aktueller und teilweise auch spezieller. Die unbemerkt getestete Arbeitgeberin lud den fiktiven Bewerber umgehend zum Vorstellungsgespräch ein. Dieser sagte sofort ab. Dem Kläger schickte die Arbeitgeberin einige Zeit später eine allgemeine Absage. Daraufhin klagte er auf Zahlung einer Entschädigung von mindestens 10.500 Euro.

Das Arbeitsgericht Neumünster hatte dem Kläger 2.000 Euro zugesprochen.

Die Entscheidung:

In zweiter Instanz gab das Landesarbeitsgericht (LAG) der getesteten Arbeitgeberin Recht. Denn es liegen keine Indizien für die Vermutung vor, dass der Kläger „wegen“ seines Alters nicht zum Bewerbungsgespräch eingeladen, also benachteiligt worden ist.

Allein auf das Bestehen eines Altersunterschiedes kann nicht abgestellt werden. Andere Indizien hatte der Kläger nicht darlegen können. Inszenierte Testverfahren zur Klärung von Diskriminierungsfällen sind nach der Gesetzesbegründung zum Antidiskriminierungsgesetz zwar zulässig, müssen aber, so die Richter, einen Auslöser haben, die Strafgesetze beachten und dürfen nicht rechtsmissbräuchlich sein.

Ob all das beachtet wurde, war hier bedenklich, aber letztendlich nicht mehr entscheidend. Ist aufgrund konkreter Tatsachen, die im Arbeitsleben üblicherweise von Bedeutung sind, für den getesteten Arbeitgeber Raum für eine andere Auswahlentscheidung, besteht nämlich keine Vermutung für eine Altersdiskriminierung.

Das war hier der Fall. Aus Sicht der Richter hatte die Arbeitgeberin ihre Auswahlentscheidung auf die nach der Papierform aktuelleren Erfahrungen des fiktiven Bewerbers im Bereich der elektronischen Entwicklung und von diesem jahrelang durchgeführten Kundensupport gestützt.

Als Voraussetzungen für die Annahme von Altersdiskriminierung werden genannt:

  • größtmögliche Vergleichbarkeit der Personen,
  • größtmögliche Vergleichbarkeit der Bewerbungssituation
  • Fehlen anderer Aspekte


Die Revision gegen das Urteil wurde wegen der Besonderheiten des Einzelfalles nicht zugelassen.

Quelle:

LAG Schleswig-Holstein, Urteil vom 09.04.2014
Aktenzeichen: 3 Sa 401/13
PM des LAG Schleswig-Holstein Nr. 6/2014 vom 24.04.2014

© bund-verlag.de - (jes)

Lesetipp der Online-Redaktion:

»Nicht zum alten Eisen – So unterstützen Betriebsräte ältere Arbeitnehmer« von Maria Lück in »Arbeitsrecht im Betrieb (AiB)« Ausgabe 5/2012, S. 319 - 322