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Betriebsklima Mit Fehlern im Job offen umgehen

[26.11.2015]Die Angst, im Job Fehler zu machen, sitzt oft tief. Dr. Kathrin Rosing will das ändern: Die Professorin von der Universität Kassel setzt sich für eine fehlerfreundlichere Kultur ein. Im Interview mit der Zeitschrift »Arbeitsrecht im Betrieb« erklärt sie, warum Fehler bei der Arbeit ein Segen sein können und wie Führungskräfte am besten damit umgehen.

1. AiB: Warum ist es gut, Fehler zu machen?

Dr. Kathrin Rosing:

Auch wenn es fast trivial klingt: aus Fehlern kann man viel lernen. Das weiß schon das Kind, das auf die heiße Herdplatte fasst. Und man kann nicht nur lernen, was man vielleicht im konkreten Fall falsch gemacht hat, sondern oft sind kleinere Fehler auch ein Hinweis darauf, dass etwas anderes falsch läuft. Einen Fehler kann man also oft als Feedback verstehen, dass etwas nicht so läuft wie es soll, dass bisher nicht hinterfragte Annahmen vielleicht gar nicht richtig sind. Aber Fehler können auch Grundlage dafür sein, dass es etwas Neues entsteht. Viele Innovationen sind aus Fehlern entstanden, zum Beispiel Teflon, Penicillin oder auch Eis am Stiel.

2. AiB: In der Arbeitswelt haben Fehler aber kein gutes Image. Wie lässt sich das ändern?

Dr. Kathrin Rosing:

Es ist wichtig, dass Führungskräfte verstehen, dass sie niemandem einen Gefallen tun, wenn sie Fehler verteufeln – weder sich noch ihren Mitarbeitern. Wenn Fehler als etwas »Böses« wahrgenommen werden, haben Mitarbeiter nicht nur Angst davor Fehler zu machen, sie werden sich auch nicht trauen, Fehler zuzugeben. Stattdessen werden Fehler vertuscht, was oft zu viel größeren Problemen führt als der Fehler selbst. Fehler sollten also erst einmal als ein neutrales Ereignis wahrgenommen werden, das potenziell zu negativen Konsequenzen führen kann – also etwa zu finanziellem Schaden oder Image-Verlusten – oder aber auch zu positiven Konsequenzen, also zu Lernerfahrungen oder im besten Falle Innovationen. Wichtig ist also, dass Mitarbeiter keine Angst vor Fehlern haben, sondern Fehler ernstnehmen und sich damit beschäftigen.

3. AiB: Wie können Menschen konkret lernen, Fehler zu machen?

Dr. Kathrin Rosing:

Es muss niemand lernen Fehler zu machen, das passiert von ganz alleine. Und zwar egal, wie sehr man sich anstrengt keine Fehler zu machen. Was man also lernen muss, ist die Einsicht, dass Fehler Teil des menschlichen Handelns sind. Das nimmt schon einmal eine ganz schöne Last von den Schultern. Und wer gelassen auf Fehler reagiert, hat eine viel bessere Chance gut und konstruktiv mit Fehlern umzugehen als jemand, der Fehler als Bedrohung wahrnimmt.

4. AiB: Wie sollte in Unternehmen mit Fehlern umgegangen werden?

Dr. Kathrin Rosing:

Ein offener Umgang mit Fehlern ist entscheidend. Mitarbeiter sollten keine Angst davor haben, darüber zu sprechen, wenn sie einen Fehler gemacht haben. Im Grunde sind es zwei Dinge, die wichtig im Umgang mit Fehlern sind. Zum einen müssen mögliche negative Konsequenzen verhindert werden. Solche negativen Konsequenzen haben eine große Bandbreite. Das reicht von einem Kunden, der verärgert ist, weil der Kunden-dienst einen Fehler gemacht hat, bis hin zu Katastrophen wie Flugzeugabstürzen. Wenn nach einem Fehler schnell eingegriffen wird, zum Beispiel auch dadurch, dass man einen Kollegen um Hilfe bittet, können negative Konsequenzen von Fehlern oft verhindert werden. Zum anderen ist ein offener Umgang mit Fehlern wichtig, um Kreativität von Mitarbeitern zu fördern. Wenn ich als Mitarbeiter ständig Angst vor Fehlern habe, werde ich nie etwas Neues ausprobieren oder mal nach rechts oder links schauen, sondern mich starr an althergebrachte Vorgehensweisen halten, um bloß keinen Fehler zu machen.

Mehr Informationen:

Dr. Kathrin Rosing forscht und lehrt seit Januar 2014 an der Universität Kassel zu den psychologischen Grundlagen von unterneh-merischem Handeln, unter anderem zu den Themen Fehlermanagement, Kreativität und Innovation sowie Führung von Mitarbeitern.
www.uni-kassel.de > Forschung > Aktuelles


Quelle:

Fachzeitschrift »Arbeitsrecht im Betrieb« 11/2015, Magazin.

 

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