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Befristung Befristete Anstellung von Profifußballern bleibt erlaubt

[19.02.2016]Fußballvereine dürfen ihre Lizenzspieler weiterhin befristet anstellen. Die besondere Eigenart des Profisports rechtfertigt die Befristung auch dann, wenn der Spieler zuvor bereits bei dem Verein angestellt war. Ein anderslautendes Urteil des ArbG Mainz hob das Landesarbeitsgericht Mainz wieder auf.

Verein will den Vertrag nicht verlängern

Der Kläger ist Lizenzfußballspieler und bei dem beklagten Verein seit dem 01.07.2009 aufgrund befristeter Arbeitsverträge als Torhüter tätig. Zudem ist eine Punkteprämie vereinbart, die vom Punktestand der Mannschaft in der jeweiligen Fußballsaison und den Spieleinsätzen abhängt.

Von den ersten elf Bundesligaspielen der Saison 2013/14 bestritt der Kläger zehn und fiel krankheitsbedingt aus. Nach dem 11. Spieltag hatte er in der Hinrunde keine weiteren Einsätze. Nach dem 17. Spieltag wurde dem Kläger durch den beklagten Verein nur noch die Teilnahme am Trainings- und Spielbetrieb der 2. Mannschaft (Regionalliga) zugewiesen.

Die Bundesligamannschaft erspielte in der Rückrunde insgesamt 29 Punkte. In der Folge entschied der Verein, den bis zum 30.06.2014 befristeten Vertrag mit dem Kläger nicht mehr zu verlängern.

Überraschungstreffer vor dem Arbeitsgericht

Mit seiner Klage wollte der Kläger die Feststellung erreichen, dass das Arbeitsverhältnis der Parteien aufgrund der Befristung zum 30.06.2014 nicht beendet worden ist und fortbesteht. Darüber hinaus begehrt er die Zahlung der Prämie für die von der Erstliga-Mannschaft des beklagten Vereins in der Rückrunde 2014 erspielten Punkte.

Das Arbeitsgericht Mainz hatte der Klage teilweise stattgegeben. Es hatte festgestellt, dass das Arbeitsverhältnis der Parteien aufgrund der Befristung zum 30.06.2014 nicht beendet worden sei. Die weitergehende Klage (Punkteprämie) wies das Gericht dagegen ab (ArbG Mainz; Urteil vom 19.03.2015 – 3 Ca 1197/14).

Verein führt in der zweiten Instanz

In der zweiten Instanz liegt nun der beklagte Verein in Führung: Seine Berufung hatte vor dem LAG Rheinland-Pfalz Erfolg. Nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz (ist die (wiederkehrende) Befristung eines Arbeitsvertrags, erlaubt wenn sie durch einen sachlichen Grund gerechtfertigt ist (§ 14 Abs. 1 S. 1 TzBfG).

Nach § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 4 TzBfG liegt ein sachlicher Grund vor, wenn die »Eigenart der Arbeitsleistung« die Befristung rechtfertigt. Eine solche Eigenart nimmt das Gericht für die Praxis der Bundesliga-Vereine und insbesondere für die Beziehung zwischen einem Fußballverein der ersten Bundesliga und seinem Lizenzspieler an.

Versagt blieb dem Kläger auch die geforderte Punkteprämie: Die Entscheidung des Vereins, dem Kläger die Teilnahme am aktiven Spielbetrieb zu versagen und damit die Möglichkeit, die Punkteprämie in der Rückrunde noch zu erreichen, sei rechtlich nicht zu beanstanden. Es sei Sache des zuständigen Trainers zu entscheiden, wann ein Spieler auf dem Platz eingesetzt wird.

Aussicht auf Verlängerung vor dem BAG?

Aussichten auf eine dritte Halbzeit bestehen aber dennoch: Nach wie vor ist die Frage noch nicht höchstrichterlich geklärt, , ob die Eigenarten des Profifußballs eine Ausnahme vom Befristungsrecht rechtfertigen.

Deshalb hat die Kammer wegen der grundsätzlichen Bedeutung gegen ihr Urteil die Revision zum Bundesarbeitsgericht zugelassen. Obwohl also im Bundesliga-Fußball arbeitsrechtlich vorerst alles bleibt wie gehabt, liegt der Ball damit erneut beim Kläger.

Quelle:
LAG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 16.02.2016
Aktenzeichen 4 Sa 202/15
LAG Rheinland-Pfalz, Pressemitteilung vom 17.02.2016

Lesetipp der AiB-Redaktion:
»Befristung: Ein Fall für den Betriebsrat« von C. Czuratis, M. Schubert und R. Ulrich in AiB 1/2016, S. 49-53.

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