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Kündigung Kündigung noch lange nach sexuellem Übergriff zulässig

[18.02.2016]Belästigt ein Arbeitnehmer eine Kollegin sexuell, kann das auch dann eine fristlose Kündigung des langjährigen Arbeitsverhältnisses rechtfertigen, wenn der Vorfall schon über ein Jahr her ist. So das LAG Schleswig-Holstein in einem Fall, bei dem sich die Betroffene erst nach einem Jahr gegenüber dem Arbeitgeber offenbarte.

Erste Kündigung wegen Fleischverzehrs

Der Kläger war seit 1993 als Abteilungsleiter bei der Beklagten, einem Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels, beschäftigt. Die Beklagte kündigte das Arbeitsverhältnis am 20.01.2015 fristlos und begründete die Kündigung mit dem Verzehr eines Stückes Fleisches im Wert von 80 Cent. Der Kläger wehrte sich dagegen mit einer Kündigungsschutzklage. Es habe sich um eine erforderliche Probe gehandelt.

Arbeitgeber erfährt nachträglich von sexueller Belästigung

Nach Ausspruch erfuhr der Arbeitgeber von einem Vorfall aus dem Frühjahr 2014. Damals schloss der Kläger die Tür zu einem Raum, in dem sich nur er und eine Mitarbeiterin befanden. Er drängte sie an die Wand, umarmte sie und strich ihr mit den Armen den Rücken hinab bis zum Po. Die Mitarbeiterin erzählte den Vorfall zunächst ausschließlich der Marktleiterin.
Das Landesarbeitsgericht erachtete anders als das Arbeitsgericht (ArbG Elmshorn, Urteil vom 11.06.2015 3 Ca 120a/15) die fristlose Kündigung als rechtmäßig und wies die Kündigungsschutzklage ab.

Fleischverzehr rechtfertigt schon ordentliche Kündigung,

Nach durchgeführter Beweisaufnahme stand für das Gericht fest, dass die Einlassung des Klägers, es handele sich um eine zulässige Probe, eine Schutzbehauptung war und der Kläger ein Vermögensdelikt zu Lasten seines Arbeitgebers begangen hat. Dies hätte auch trotz langjährigen Arbeitsverhältnisses angesichts der Vorgesetztenstellung zumindest eine ordentliche Kündigung gerechtfertigt. Entscheidend wertet das Gericht den nach Beweisaufnahme feststehenden sexuellen Übergriff des Klägers als wichtigen, die fristlose Kündigung begründenden Grund.

Fristlose Kündigung wegen Belästigung auch nach einem Jahr

Da der Arbeitgeber erst nach Ausspruch der Kündigung davon erfuhr, musste er nicht die Zwei-Wochen-Frist einhalten. Der Vorfall lag zwar lange zurück, konnte die Kündigung aber dennoch begründen. Das Wissen der Marktleiterin ist dem Arbeitgeber nicht zuzurechnen. Sie hatte nicht die Erlaubnis des Opfers, den Vorfall an die Geschäftsführung weiterzumelden. Angesichts der Schwere des Vorfalls war es dem Arbeitgeber nicht zuzumuten, das Arbeitsverhältnis auch nur bis zum Ablauf der Kündigungsfrist fortzusetzen.

Das Urteil ist - noch - nicht rechtskräftig.

Quelle:
LAG Schleswig-Holstein, Urteil vom 10.11.2015
Aktenzeichen 2 Sa 235/15
LAG, Pressemitteilung 2/2016 vom 17.02.2016

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