Überreichung des Sonderpreises "Fair statt prekär" durch Jurymitglied Petra Kronen
Überreichung des Sonderpreises "Fair statt prekär" durch Jurymitglied Petra Kronen

Betriebsrat der Meyer Werft GmbH

Angeschoben - Tarifvertrag zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Werkvertragsbeschäftigten


Stichworte zum Projekt:

  • Task Force analysiert Lebens- und Arbeitsbedingungen von atypisch Beschäftigten
  • Haustarifvertrag sichert Mindeststandards und definiert Maßnahmen zur langfristigen Verbesserung für Werkvertragsbeschäftigte

  • Unternehmen/Betrieb: Meyer Werft GmbH, Papenburg
  • Branche: Schiffbau
  • Zahl der Mitarbeiter: rund 3100
  • Gewerkschaften: IG Metall

Motiv
Im Juli 2013 kamen zwei Werkvertragsbeschäftigte des Unternehmens bei einem Brand in ihren Gemeinschaftsunterkünften ums Leben. Dies lenkte die interne und öffentliche Aufmerksamkeit auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen dieser Beschäftigtengruppe.

Vorgehen
Der Betriebsrat initiierte, gemeinsam mit Akteuren aus Politik und Wirtschaft, die Einsetzung einer Task Force. Diese untersuchte über mehrere Monate hinweg die Arbeitssituation der Werkvertragsbeschäftigten. Es wurde dabei deutlich, dass diese Beschäftigten unter zum Teil sehr problematischen Lebens- und Arbeitsbedingungen ihrer Tätigkeit nachgegangen sind. Die Analyse ergab, dass hier zum Teil erhebliche Defizite hinsichtlich Arbeitsschutz, Arbeitszeit, Entlohnung und Unterbringung herrschten. Der Betriebsrat nahm daher mit dem Arbeitgeber Verhandlungen über einen Haustarifvertrag auf, um diese Mängel nachhaltig abzustellen.

Ergebnisse
Die Betriebsräte vereinbarten gemeinsam mit dem niedersächischen Wirtschaftministerium, der Geschäftsleitung der MEYER WERFT und der IG Metall einen Tarifvertrag zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Werksvertragsbeschäftigten, die nicht nur vorübergehend auf der Werft tätig sind. Die vereinbarten Mindeststandards betreffen die Arbeitszeiten, den Arbeits- und Gesundheitsschutz, eine angemessene Unterbringung und die Entlohnung. Der Einsatz der Beschäftigten und die Geltung der festgelegten Bedingungen werden durch eine eigens dafür geschaffene Arbeitsgruppe überprüft. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse werden dann verschiedene Maßnahmen angestoßen, um die Benachteiligungen für diese atypisch Beschäftigten sukzessive zu verringern.



 

Eine Initiative der Zeitschrift

AIB

Aus der Jury

Thorsten Halm »Wir müssen das Rad nicht immer wieder neu erfinden, wohl aber dem jeweiligen Gelände anpassen. Darum leisten die teilnehmenden Gremien mit ihren eingereichten Projekten einen so wertvollen Beitrag zum Wissenstransfer unter den Betriebsräten.«

Thorsten Halm, [m]5-consulting, Berater von Betriebsräten und Gewerkschaften, Veranstalter des Deutschen BetriebsräteTags in Bonn und Studienleiter des Betriebsräte-Studiums »Veränderungs-Management« in Bochum