Betriebsrat der Imtech Deutschland GmbH & Co. KG, Berlin

Erfolgreiche Kampagnen für bessere Arbeitsbedingungen

Motiv
Die Arbeitsbedingungen bei dem auf Energie- und Gebäudetechnik spezialisierten Unternehmen Imtech waren seit langem nicht mehr zeitgemäß und entsprachen den Standards der 90er Jahre: 40-Stundenwoche, schlechte Bezahlung, keine Sicherheit bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Es existierten lediglich nachwirkende Tarifverträge an den Standorten in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt.
Mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern und so auch die Attraktivität des Fachkräftemangels zu erhöhen, initiierte der Betriebsrat eine umfassende Kampagne – in Zusammenarbeit mit der im Betrieb vertretenen IG Metall.

Vorgehen
Der Betriebsrat informierte die Belegschaft über die aktuellen Bedingungen und die Herausforderungen für Unternehmen und Beschäftigte. Es bildete sich eine Tarifkommission, die auf den Abschluss eines Tarifvertrags abzielte. Die Kommission formulierte konkrete Verhandlungsziele und legte der Arbeitgeberseite Terminschienen für Gespräche vor. Um die Mitarbeiter in den Prozess intensiv einzubinden, wurden diese direkt durch die Tarifkommission und in verschiedenen Betriebsversammlungen laufend informiert.

Ergebnisse
Nachdem erste Verhandlungen im November 2011 bereits im Folgemonat erfolglos abgebrochen wurden, konnten die Gespräche im März 2012 wieder aufgenommen werden.
Die Kampagnen führten letztlich dazu, dass Arbeitgeber und die zuständige Gewerkschaft IG Metall sich auf einen Anerkennungstarifvertrag einigen konnten, der das Ende einer fast 20-jährigen Tariflosigkeit markierte.

Damit gelten nun für das Unternehmen deutlich bessere Arbeitsbedingungen: 

  • Ab 1. Juli 2012 wird die Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich um eine Stunde auf 39 Stunden pro Woche verkürzt.
  • Die tariflichen Löhne und Gehälter werden innerhalb der nächsten zwei Kalenderjahre tabellenwirksam um insgesamt 6,5 Prozent erhöht. Eine Anrechnung auf freiwillige Zulagen oder Besitzstandszulagen erfolgt nur bis 2015.
  • Die Ausbildungsvergütungen erhöhen sich innerhalb der nächsten zweieinhalb Jahre überdurchschnittlich. In einem Ausbildungsjahr sogar um bis zu € 74.
  • In 2012 gibt es zum ersten Mal für alle tariflich beschäftigten Arbeitnehmer ein zusätzliches Urlaubs- und Weihnachtsgeld im Rahmen eines Stufenplans.
  • Ebenfalls gibt es im Rahmen eines Stufenplans mehr Urlaubstage.
  • Alle Arbeitnehmer werden entsprechend ihrer Tätigkeiten neu in Entgeltgruppen eingruppiert. Für viele Beschäftigte bedeutet das bereits eine Entgelterhöhung, wobei die letzte Stufe bis zum 1. Januar 2015 erreicht werden muss.
  • Vermögenswirksame Leistungen werden tarifvertraglich festgeschrieben.
  • Die Montagebedingungen sind erheblich verbessert worden.
  • Es gelten höhere Mehr-, Nacht-, Feiertags-, und Samstagszuschläge.
  • 100 % Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall ist tarifvertraglich festgeschrieben.
 

Eine Initiative der Zeitschrift

AIB

Aus der Jury

Thorsten Halm »Wir müssen das Rad nicht immer wieder neu erfinden, wohl aber dem jeweiligen Gelände anpassen. Darum leisten die teilnehmenden Gremien mit ihren eingereichten Projekten einen so wertvollen Beitrag zum Wissenstransfer unter den Betriebsräten.«

Thorsten Halm, [m]5-consulting, Berater von Betriebsräten und Gewerkschaften, Veranstalter des Deutschen BetriebsräteTags in Bonn und Studienleiter des Betriebsräte-Studiums »Veränderungs-Management« in Bochum