Gesamtbetriebsrat der MAN Truck & Bus AG

90%-Aufzahlung statt betriebsbedingter Kündigungen

Motiv
Bereits bei der Euro-Krise 2008/2009 wurden die ersten negativen Folgen frühzeitig auf dem Nutzfahrzeugmarkt bemerkbar. Massive Auftragseinbrüche führten zu einer Vielzahl von Kündigungen. Der Betriebsrat von MAN reagierte damals sehr frühzeitig und vereinbarte mit dem Unternehmen, dass Ausfallzeiten aufgrund einbrechender Auftragslage systematisch zur Qualifizierung der Mitarbeiter genutzt wurden. Statt betriebsbedingter Kündigungen wurde so nach intensiven Verhandlungen die so genannte „Größte Schule Bayern“ auf die Beine gestellt.
Seit dem Jahr 2012 ist das Unternehmen erneut mit rückläufigen Auftragszahlen konfrontiert, erneut standen betriebsbedingte Kündigungen auf der Agenda. Aus Sicht des Betriebsrates sollten dagegen die guten Erfahrungen aus der Krise der Vorjahre genutzt werden, um genau diese Kurzschlusshandlung des Unternehmens zu vermeiden.

Vorgehen
Der Betriebsrat entschloss sich daher, auf Grundlage der Erfahrungen aus den Jahren 2008/2009 in Verhandlungen mit dem Arbeitgeber zu treten, um frühzeitig Regelungen für die von Kurzarbeit betroffenen Kollegen zu finden. Wie bereits bei den Gesprächen zum Ausbruch der Euro-Krise stellte sich das Gremium auf Marathon-Verhandlungen ein. Das Motto: „Sich so lange einsperren, bis über Eckpunkte Einigkeit herrscht und dann Detailverhandlungen in kleinen Gruppen von Praktikern führen.“

Ergebnisse
Die Ergebnisse können sich erneut sehen lassen. In einer Phase mit geringer Auslastung beantragte das Unternehmen Kurzarbeitergeld. Im Rahmen einer Gesamtbetriebsvereinbarung konnte das Gremium erreichen, dass die MAN Truck & Bus AG das Kurzarbeitergeld deutlich aufstockt.
Die Beschäftigten erhalten 90 % vom Nettolohn, zusätzlich wurden pauschale Schichtprämien vereinbart. Im Gegenzug räumte der Betriebsrat ein, dass die fällige Auszahlung der Ergebnisbeteiligung gestundet wurde, gleichzeitig einigen sich beide Seiten dann darauf, dass diese Zahlung zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt wird.
Trotz des katastrophalen Markteinbruchs verzichtet das Unternehmen auf betriebsbedingte Kündigungen.

 

Eine Initiative der Zeitschrift

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Aus der Jury

Reiner Hoffmann » Mit dem Deutschen Betriebsrätepreis haben wir ein Forum, in dem die Erfolge der Betriebsrätearbeit ganzheitlich und öffentlichkeitswirksam dargestellt werden. «

Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, zuständig für Grundsatzangelegenheiten und Gesellschaftspolitik, Mitbestimmung, Internationale und europäische Gewerkschaftspolitik, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Personal, Europäische Akademie der Arbeit