Betriebsrat der QVC Call-Center GmbH & Co. KG

„Einsatz für den Erhalt von Arbeitsplätzen lohnt sich, auch, wenn der Kampf aussichtslos erscheint…“

Motiv
Das Teleshopping-Unternehmen QVC betreibt seit dem Jahr 1996 in Bochum ein Call-Center. Die Geschäftsleitung teilte dem Betriebsrat Ende 2012 mit, dass aufgrund eines reduzierten Anrufauskommens von einer Millionen Anrufen im Jahr die Anzahl der Beschäftigten reduziert werden sollte.
Der Betriebsrat sah darin vor allem ein Argument, um verdeckt eine Umstrukturierung innerhalb des Konzerns umzusetzen. Betroffen von den Maßnahmen waren 91 Mitarbeiter mit befristeten Arbeitsverträgen. Diese Verträge liefen Anfang bzw. Ende Januar 2013 aus, so dass die Mitarbeiter sehr kurzfristig mit Arbeitslosigkeit konfrontiert waren. Unter ihnen waren zahlreiche Studierende und Beschäftigte mit einer niedrigen Teilzeit-Stundenbasis. Ein großer Teil legte Weiterbeschäftigungsklage ein.

Vorgehen
Der Betriebsrat ging sofort in die Offensive und führte folgende Schritte durch. Nach einer Information über Kurzarbeitergeldbeantragung erfolgten die Kontaktaufnahme mit ver.di und die juristische Überprüfung der bestehenden Betriebsvereinbarung zu Zeit- und Zweckbefristung. Demnach war das Unternehmen verpflichtet, rechtzeitig Lösungsmöglichkeiten und Gespräche mit betroffenen Mitarbeitern zu suchen, wenn z.B. die erwartete Leistung nicht erbracht wurde.
Darüber hinaus wurden Kontakte mit den QVC-Kollegen an den Standorten Kassel, Düsseldorf und Hückelhoven aufgenommen und es erfolgte eine standortübergreifende Unterstützung der anderen Gremien statt.
Das Gremium führte dann eine Betriebsversammlung durch und verfasste einen offenen Brief an die Geschäftsführung. Ergänzt wurden diese Maßnahmen um eine intensive Pressearbeit und Information der Öffentlichkeit. Gleichzeitig koordinierten und vernetzten sich die betroffenen Mitarbeiter über Facebook. Dadurch konnte jederzeit eine Informationsweitergabe erfolgen.
Auch durch die Vernetzung durch moderne Kommunikationsmittel konnten über 60 der betroffenen Kolleginnen und Kollegen dazu gebracht werden, eine Weiterbeschäftigungsklage einzureichen. Obwohl in den Güteterminen der Einzelklagen keine Einigung erzielt werden konnte, bewog die allgemeine Einschätzung der Prozessbeteiligten in den Gerichtsterminen, den Arbeitgeber vor den ersten Kammerterminen allen Mitarbeitern einen Weiterbeschäftigungsangebot zu unterbreiten.

Ergebnisse
Alle 91 von der Entlassung betroffenen Mitarbeiter erhielten ein Angebot, die Tätigkeit bei QVC wieder aufzunehmen. Bestandteil der Einigung ist die Möglichkeit, der weiteren Qualifizierung der Mitarbeiter in der Abteilung Kundenservice mit einer besseren Vergütung.
Über 70 betroffene Mitarbeiter haben sich für die Weiterbeschäftigung entschieden, sie erhielten eine Gehaltsnachzahlung und einen Durchschnittsbonus. Den Mitarbeitern, die nicht in das Unternehmen zurückkehren wollten, wurde eine Abfindung ausgezahlt.

 

Eine Initiative der Zeitschrift

AIB

Aus der Jury

Jochen Schroth » Die Verleihung des Deutschen Betriebs-rätepreises ist ein gelungenes Format, die hervorragende Arbeit vieler Betriebsrätinnen und Betriebsräte einmal in Jahr auszuzeichnen und zu würdigen. Und es ermöglicht Betriebsräten, von guten Ideen anderer zu profitieren und sich inspirieren zu lassen.«

Jochen Schroth, Ressortleiter Vertrauensleute und Betriebspolitik beim IG Metall-Vorstand