Betriebsrat der Weber-Hydraulik GmbH

Arbeitssystem Gruppenarbeit

Motiv
Am Standort Güglingen des Maschinenbau-Unternehmens Weber Hydraulik GmbH sind ca. 580 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt produziert das Unternehmen weltweit an 11 Standorten mit 1.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Im Jahr 2006 wurde ein erster Standort- sowie Arbeitsplatzsicherungsvertrag für das Stammwerk in der Nähe von Heilbronn geschlossen. Dieser beinhaltete u.a., dass durch Teilverlagerung eines Fertigungsbereichs und Lohnverzicht 120 Arbeitsplätze gesichert werden konnten. Um für die Zukunft eine nachhaltige Sicherung des Standortes zu erzielen, erfolgte dann eine Umstellung des Arbeitssystems von Einzelakkord auf Gruppenarbeit. Der Betriebsrat setzte sich intensiv für diese Umstellung ein, um weiteren einschneidenden Restrukturierungsmaßnahmen und einem vom Arbeitgeber vorgeschlagenen „selbstschärfenden Entlohnungsmodell“ vorzubeugen.

Vorgehen
Nachdem die Einführung der Gruppenarbeit 2009 abgeschlossen war, konzentrierte sich das Gremium dann darauf, dieses System weiter voranzutreiben, um den Ausbau des Standortes zum Leitwerk innerhalb der Unternehmensgruppe zu forcieren und damit langfristig Arbeitsplätze zu sichern.
Dazu arbeitete das Gremium bereits während der Entwicklungs- und Einführungsphase intensiv mit externen Beratern der Firma Lee Hecht Harrison aus Speyer sowie der Produktionsleitung des Standortes zusammen. Die Entwicklung in den Jahren 2009-2011, die zur intensiven Datensammlung über die Umstellung des Arbeitssystems genutzt wurde, zeigte, dass die Produktivität am Standort signifikant zunahm. Um eine weiterhin positive Entwicklung der Produktivität zu sichern, wurde dann für das Jahr 2012 das Projekt „Verbesserung der Gruppenarbeit“ aufgelegt.
Dazu erfolgte eine umfangreiche Analyse des Ist-Zustands, um Probleme in einzelnen Produktionsbereichen aufzuzeigen und gezielt Maßnahmen zur Verbesserung der Gruppenarbeit zu entwickeln. Dazu zählte eine Befragung der Mitarbeiter in den einzelnen Fertigungsbereichen und die Durchführung von Tiefeninterviews mit Kleingruppen, um die aus der Befragung erzielten Ergebnisse abzusichern und zu verfeinern. Die Auswertung zeigte dann, dass es zahlreiche Problemfelder gab, mit denen sich der Betriebsrat dann intensiv auseinandersetzte. Dazu zählten, dass sich Mitarbeiter überfordert fühlten, mangelnde Kommunikation in und zwischen den Gruppen sowie mit den Führungskräften herrschte und ein autoritärer Führungsstil zum Teil immer noch stark ausgeprägt war.

Ergebnisse
Auf der Grundlage der Analyse erstellte das Gremium dann einen umfangreichen Maßnahmenkatalog und Projektzeitplan, um sukzessive die Weiterentwicklung der Gruppenarbeit voranzutreiben. Zu verzeichnen ist seitdem eine deutliche Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Gruppen sowie mit den Führungskräften. Die Motivation der Mitarbeiter und deren Bereitschaft zur Veränderung wurden gesteigert. Außerdem führte auch die begleitende Kommunikation zu dem Projekt zur Verbesserung des Arbeitsklimas. Weitere positive Auswirkungen sind bei der Mitarbeiterentwicklung und einem Wandel der Unternehmenskultur zu verzeichnen.
Seit Einführung der Gruppenarbeit wurde eine deutliche Produktivitätssteigerung von fast 20% erzielt. Damit konnte wesentlich dazu beigetragen werden, dass keine weiteren Arbeitsplätze am Standort abgebaut wurden.


 

Eine Initiative der Zeitschrift

AIB

Aus der Jury

Petra Kronen »Der Deutsche Betriebsräte-Preis honoriert die hervorragende und unverzichtbare Arbeit, die Betriebsräte in ihren jeweiligen Unternehmen leisten. Die ausgezeichneten Projekte machen deutlich, mit wie viel Engagement, Kreativität und Verantwortung Betriebsräte agieren.«

Petra Kronen, Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Covestro AG, Betriebsratsvorsitzende der Covestro in Uerdingen und Mitglied im ehrenamtlichen Hauptvorstand der IG BCE.