Betriebsrat der GEWOBA AG Bauen und Wohnen

Gesundheit! Arbeitsleben gestalten.

Motiv
Die Beschäftigten der GEWOBA AG – einem Dienstleistungsunternehmen der Wohnungswirtschaft – sind bei ihrer Arbeit psychischen Belastungen ausgesetzt. Nur wenige Mitarbeiter nutzen die Möglichkeit von Überlastungsanzeigen.
Der Betriebsrat wollte sich nicht damit abfinden, dass das Unternehmen in Sachen Analyse und Behebung bzw. Reduzierung psychischer Belastungen nichts unternehmen wollte. Für das Gremium ist die GEWOBA und ihre Belegschaft ein Beispiel für einen „gestressten Dienstleister“, wie ihn das Magazin „Mitbestimmung“ in seiner Ausgabe 5/2010 definiert hat.
Die Interessenvertreter beschlossen trotz Widerstände, selbst aktiv zu werden.

Vorgehen
Das Projekt gliedert sich in drei Phasen. In der ersten Phase nutzte der Betriebsrat alle Möglichkeiten des BetrVG und des ArbSchG, um Arbeitgeber und Beschäftigte für die Problematik des negativen Stresses zu sensibilisieren.
Die Interessenvertreter intensivieren ihren Einsatz im betrieblichen Arbeitsschutzausschuss (ASA) und erinnern die Unternehmensleitung nachdrücklich an die Pflicht, Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen. Der Betriebsrat informiert die Beschäftigten mit einem Betriebsrats-Newsletter über die Chancen und Risiken von Überlastungsanzeigen. m Herbst 2010 wurde mit den ganzheitlichen Gefährdungsbeurteilungen begonnen.
In der zweiten Phase startete ein Pilotprojekt mit der größten Mitarbeitergruppe, den Hauswarten, hinsichtlich der psychischen Belastungssituation. Als Instrument der Grobanalyse kam das Verfahren „Impulstest“ zum Einsatz.
Die Auswertung der Hauswarte-Befragung ergab, dass diese psychischen Belastungen ausgesetzt sind. Gemeinsam mit den Betroffenen werden erste Ideen erarbeitet, um die angespannte Lage der Hauswarte zu verbessern. Beispiel: Entlastung durch individuelle Sprechzeiten. Der Betriebsrat setzt in diesem Zusammenhang eine Referentenstelle für Personalentwicklung und Gesundheitsmanagement durch.
In der dritten Phase setzt sich das Gremium für die professionelle Strukturierung des Projekts „Gefährdungsbeurteilungen mit Hinblick auf psychische Belastungen“ und für eine angemessene Ressourcenausstattung ein. Das bei den Hauswarten erfolgreich getestete Vorgehen wird nun auf alle Beschäftigten ausgeweitet. Grundsätzlich gliedert es sich daher in drei Schritte:
1. Impulstest in Form eines angepassten Fragebogens
2. Moderierte Workshops der Betroffenen
3. Einleitung von Maßnahmen und Evaluation der Wirksamkeit
Der Betriebsrat möchte die geschaffenen Strukturen und Ressourcen so bald wie möglich in einer Betriebsvereinbarung verbindlich festhalten. Die größte Herausforderung sieht der Betriebsrat darin, die Belegschaft von dem Nutzen der Gefährdungsbeurteilungen zu überzeugen und zur Teilnahme zu motivieren. Um eine professionelle Kampagne zu entwickeln, nutzt der Betriebsrat die Möglichkeit einer Kooperation mit einer Studentischen PR-Modellagentur mit der Uni Bremen.

Ergebnisse
Herzstück des ambitionierten Projekts ist die Etablierung klar strukturierter ganzheitlicher Gefährdungsbeurteilungen, und zwar einschließlich der Erfassung psychischer Belastungen (negative Stressfaktoren). Nach dem erfolgreichen Abschluss eines Pilotprojekts werden jetzt alle Beschäftigten einbezogen.
Dabei bedient sich der Betriebsrat mit Unterstützung der Uni Bremen professioneller Kampagnenmethoden.

 

Eine Initiative der Zeitschrift

AIB

Aus der Jury

Reiner Hoffmann » Mit dem Deutschen Betriebsrätepreis haben wir ein Forum, in dem die Erfolge der Betriebsrätearbeit ganzheitlich und öffentlichkeitswirksam dargestellt werden. «

Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, zuständig für Grundsatzangelegenheiten und Gesellschaftspolitik, Mitbestimmung, Internationale und europäische Gewerkschaftspolitik, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Personal, Europäische Akademie der Arbeit