Betriebsrat der Görres-Druckerei und Verlag GmbH

Einheitliche Lohngestaltung durch Haustarif

Motiv
Am 1. April 2011 wurde der defizitäre Printbereich der Raiffeisendruckerei Neuwied mit ca. 65 Beschäftigten von der Görres-Druckerei, ca. 45 Beschäftigte, übernommen.
Laut Überleitungsvertrag wurde vereinbart, dass die Löhne und Gehälter der übergeleiteten Kollegen von der Raiffeisendruckerei bis einschließlich März 2013 bezuschusst werden.
Nach dem Betriebsteilübergang wurde nach Neuwahlen im November 2011 ein 7-köpfiges Betriebsratsgremium gewählt. Die größte Herausforderung bestand in der schnellstmöglichen Angleichung unterschiedlicher Arbeitsbedingungen und Bezahlung.
Die Beschäftigten der Raiffeisendruckerei sind mit dem Tarif der Druckindustrie übergeleitet worden. Die Kollegen der Görres-Druckerei unterlagen keiner Tarifbindung. Um diese Ungleichbehandlung möglichst rasch zu beenden, ist der neue Betriebsrat schon im Frühjahr 2011 mit dem Wunsch eines Haustarifes an die Geschäftsführung herangetreten.

Vorgehen
Nach ersten Vorgesprächen mit ver.di wurden im Juni 2012 eine 9-köpfige Tarifkommission und eine 3-köpfige Verhandlungskommission gewählt. Um eine Einigung zu erzielen, waren insgesamt sechs Verhandlungsrunden notwendig – die zwar immer auf Augenhöhe geführt wurden, aber zuletzt doch an den Nerven zerrten – bis endlich im März 2013 eine Tarifvereinbarung zum Haustarif bei der Görres-Druckerei unterschrieben wurde.
Vorausgegangen war eine geheime Verdi-Mitgliederabstimmung, welche zu 100% das vorgestellte Ergebnis bestätigte. Mit Aushängen und Infoschreiben während des "Verhandlungsjahres" hat der Betriebsrat die Mitarbeiter laufend auf dem aktuellen Stand gehalten. Unterzeichnende Parteien waren auf Arbeitnehmerseite ver.di und auf Arbeitgeberseite die Geschäftsführung der Görres-Druckerei.

Ergebnisse
Angelehnt an den Tarif der Druckindustrie wurde ein Vertrag mit einer Laufzeit von 24 Monaten ab 1. April 2013 unterschrieben. Betriebsbedingte Kündigungen während dieser Zeit sind ausgeschlossen. Alle Eingruppierungen wurden auf Basis des Lohn- und Gehaltstarifvertrages der Druckindustrie zwischen dem Betriebsrat und der Geschäftsführung festgelegt.
Die „Kröte“ die für die Arbeitnehmerseite zu schlucken war, sind der Verzicht auf zusätzliches Urlaubs- und Weihnachtsgeld und eine unbezahlte wöchentliche Mehrarbeit von 2,5 Stunden für die Dauer der Laufzeit (dies erlaubte § 4 Manteltarif bei sanierungsbedürftigen Betrieben).
Als möglichen Ausgleich für die erbrachte Mehrarbeit wurde eine Sonderzahlung in Abhängigkeit vom Betriebsergebnis ausgehandelt. Hierüber hat der Betriebsrat mit der Geschäftsführung eine Betriebsvereinbarung unterzeichnet.

 

Eine Initiative der Zeitschrift

AIB

Aus der Jury

Jochen Schroth » Die Verleihung des Deutschen Betriebs-rätepreises ist ein gelungenes Format, die hervorragende Arbeit vieler Betriebsrätinnen und Betriebsräte einmal in Jahr auszuzeichnen und zu würdigen. Und es ermöglicht Betriebsräten, von guten Ideen anderer zu profitieren und sich inspirieren zu lassen.«

Jochen Schroth, Ressortleiter Vertrauensleute und Betriebspolitik beim IG Metall-Vorstand