Betriebsrat der Nestle Deutschland AG - Außendienst

Arbeitssicherheit im Vertrieb

Motiv
Der Betriebsrat der Vertriebsorganisation der Nestlé Deutschland AG beklagte das Fehlen fast jeglicher Arbeitssicherheitsstandards. Selbst die gesetzlichen Anforderungen erfüllte die Unternehmensleitung nicht. Bis Mitte 2010 existierte in Sachen Arbeitssicherheit lediglich ein Gesprächskreis, der sich in unregelmäßigen Abständen traf und sich fast ausschließlich mit Fragen der Kfz-Sicherheit befasste.
Daher entschied das Gremium, selbst aktiv zu werden. Den Interessenvertretern ging es dabei erstens darum, überhaupt Arbeitssicherheitsstrukturen zu schaffen. Zweitens sollten sowohl der Arbeitgeber als auch die Belegschaft für das Thema Gesundheits- und Arbeitsschutz sensibilisiert werden.

Vorgehen
Der Betriebsrat setzte sich das Ziel, die vom Gesetzgeber vorgesehenen Strukturen zu etablieren. Er dachte dabei insbesondere an einen Arbeitssicherheitsausschuss (ASA), Sicherheitsbeauftragte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Sifas) und Gefährdungsbeurteilungen für die verschiedenen Außendiensttätigkeiten. Um dies zu erreichen, ging das Gremium systematisch und mehrstufig vor:
Im Oktober 2010 überzeugte der Betriebsrat den Arbeitgeber von der Notwendigkeit, eine Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) einzusetzen.
Mit Verweis auf seine Mitbestimmungsrechte erreichte der Betriebsrat kurze Zeit später, dass eine externe Person für diesen Posten ausgewählt wurde.
Ende 2010 forderte der Betriebsrat erstmalig konkret die Einsetzung eines Arbeitssicherheitsausschusses (ASA), um mithilfe dieses Gremiums weitere Schritte in Richtung eines effektiven Arbeitsschutzes einzuleiten. Ab Anfang 2011 band der Betriebsrat einen Experten der Gewerkschaft mit ein.
Im Februar 2011 nahmen zwei Mitglieder des Betriebsrats erfolgreich am Seminar „Arbeitssicherheit 1“ des Bildungszentrums Oberjosbach (BZO) teil. Um sich weiteren Sachverstand ins Boot zu holen, lud man kurz darauf einen Fachmann für Arbeitssicherheit der zuständigen Berufsgenossenschaft zu einer Betriebsratssitzung ein.
Im Sommer 2011 setzte der Betriebsrat seinen Wunsch durch, im Interesse der Belegschaft eine externe Sifa und separate ASAs für Hauptverwaltung und Betrieb einzusetzen.
Nachdem diese personellen Strukturen etabliert waren, konnten in Sachen Arbeitsschutz rasch erste Erfolge erzielt werden. Dazu gehörten:

  • die Einführung von Gefährdungsbeurteilungen für alle Außendiensttätigkeiten
  • Schulungen aller Mitarbeiter zum Thema Arbeitssicherheit
  • Schulungen zur Ladungssicherheit, Erste Hilfe und Rückengesundheit
  • Fahrsicherheitstrainings

Ergebnisse
Der Betriebsrat erreichte durch sein Engagement eine erhebliche Verbesserung der Arbeitsschutzstandards. Dank seiner Initiative gibt es im Unternehmen jetzt auch Gefährdungsbeurteilungen, Sicherheitsbeauftragte und professionelle Schulungsmaßnahmen zugunsten aller Mitarbeiter.
Als nächstes Projekt hat sich der Betriebsrat die Messung psychischer Belastungen auf die Agenda gesetzt. Das Gremium wird zu diesem Zweck eine anonyme Mitarbeiterbefragung erarbeiten.


 

Eine Initiative der Zeitschrift

AIB

Aus der Jury

Eva-Maria Stoppkotte »Tue Gutes und sprich darüber. Ich möchte alle Betriebsräte dazu ermutigen, sich mit ihren Projekten und Initiativen am Deutschen Betriebsräte-Preis zu bewerben und der Öffentlichkeit zu zeigen, wie professionell und engagiert Betriebsratsarbeit aussieht.«

Eva-Maria Stoppkotte, Verantwortliche Redakteurin der Zeitschrift »Arbeitsrecht im Betrieb«. Juristin mit Schwerpunkt Arbeitsrecht und Mediatorin.