Betriebsrat der Northrop Grumman LITEF GmbH

„Vom Konflikt zur betrieblichen Partnerschaft“

Motiv
Die Northrop Grumman LITEF GmbH ist 100%-ige Tochter der Northrop Grumman-Cooperation. An ihrem Sitz in Freiburg sind derzeit ca. 550 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt sind.
Das Verhältnis der Geschäftsführung zu Belegschaft und Betriebsrat war sehr distanziert und die Unternehmenskultur von Zukunftsängsten und Misstrauen geprägt, was die Zusammenarbeit zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat sehr schwierig gestaltete. Um das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats durchzusetzen, reichte der Betriebsrat schließlich eine Klage wegen Behinderung vor Gericht ein, dem noch viele weitere Gerichtsverfahren folgten. Von 2008 bis 2010 gab es bis zu sechs Verfahren. Auch in den Medien wurde ausführlich über die „schlechte Beziehung zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat“ berichtet. Für eine vertrauensvollere Zusammenarbeit suchte der Betriebsrat nach Wegen zur Verbesserung der Unternehmenskultur.

Vorgehen
Die Betriebsratsmitglieder ermittelten ihre Ziele und Strategien, wie das Verhältnis zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat verbessert werden könnte. Sie begannen mit einem ausführlichen Schreiben an die Geschäftsführung, in dem sie die aktuelle Situation im Unternehmen schilderten und führten u.a. an, welche Kosten dem Unternehmen durch das fehlende Miteinander entstehen. Um die aktuelle Stimmung unter den Mitarbeitern aufzufangen, fragte der Betriebsrat die Belegschaft, wie viel Vertrauen diese in die Entscheidungen der Geschäftsführung setze. Dabei bescheinigte die Belegschaft unter hoher Beteiligung der Geschäftsführung gegenüber früheren Befragungen ein signifikant verschlechtertes Vertrauen. In einer Betriebsversammlung konfrontierte der Betriebsrat die Geschäftsführung mit dem Wunsch der Belegschaft, die Unternehmenskultur zu verbessern. Aufgrund der mittlerweile umfassenden Berichterstattung in der Presse und der Rückmeldungen durch die Belegschaft setzte sich die Geschäftsführung mit den Problemen auseinander. Intensiv bemühte sich der Betriebsrat auch um einen Kontakt zur Konzernmutter, was zu einem persönlichen Gespräch mit den amerikanischen Vorgesetzten der Geschäftsführung führte. Während dieser ganzen Zeit unterstützten die IG Metall und das IMU-Institut (Stuttgart) den Betriebsrat bei seinem Vorhaben.

Ergebnisse
Im März 2011 fand ein externer, von MALIK moderierter Workshop zum Thema „Wirksame Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und dem Management von NG LITEF“ statt, in dessen Folge es zu regelmäßigen Treffen (wöchentlich, monatlich) zwischen den Betriebsparteien kam. Seit November 2011 gibt es auch regelmäßige Gespräche mit den amerikanischen Vorgesetzten der Geschäftsführung, im Juni 2012 konstituierte sich der vom Betriebsrat geforderte Aufsichtsrat mit dem Betriebsratsvorsitzenden als Mitglied. Im Juli 2012 schließlich unterschrieben die Geschäftsführung und der Betriebsrat einen Leitfaden für die Zusammenarbeit. Hierin einigten sich die Parteien darauf, eine Betriebspartnerschaft auf Basis der Berliner Thesen der Humboldt-Viadrina School of Governance anzustreben, die auf gegenseitiger Wertschätzung beruht.
Mittlerweile sind die Betriebsversammlungen, Monatsgespräche und Verhandlungen von gegenseitigem Vertrauen und einem respektvollen Miteinander geprägt. Das Betriebsklima hat sich deutlich entspannt und die Konfliktkosten sind stark gesunken. Seit der Betriebsratswahl 2010 musste der Betriebsrat keine neuen Gerichtsverfahren mehr anstrengen, um seine Rechte durchzusetzen. Der Betriebsrat erreichte durch sein gezieltes Vorgehen eine hohe Akzeptanz in der Belegschaft. Der gewerkschaftliche Organisationsgrad hat sich erheblich gesteigert.

Zusatzmaterialien
Leitfaden Zusammenarbeit


 

Eine Initiative der Zeitschrift

AIB

Aus der Jury

Reiner Hoffmann » Mit dem Deutschen Betriebsrätepreis haben wir ein Forum, in dem die Erfolge der Betriebsrätearbeit ganzheitlich und öffentlichkeitswirksam dargestellt werden. «

Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, zuständig für Grundsatzangelegenheiten und Gesellschaftspolitik, Mitbestimmung, Internationale und europäische Gewerkschaftspolitik, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Personal, Europäische Akademie der Arbeit