Konzernbetriebsrat der Terex Material Handling und Port Solutions AG (vormals Demag Cranes AG) AG

Entwicklung eines Zukunftstarifvertrages

Motiv
Bei dem Maschinenbauunternehmen Demag Cranes & Components GmbH, mit verschiedenen Standorten in Deutschland, war die Situation der letzten Jahre durch zum Teil massive Belastungen für die Belegschaft geprägt. Um die Zukunft des Unternehmens sicherzustellen wurde im Rahmen der Wirtschaftskrise ein Kostenreduzierungsprogramm im Volumen von ca.70 Mio. € umgesetzt und eine neue strategische Ausrichtung definiert.
Aus Sicht des Betriebsrats konnte so wesentlich dazu beigetragen werden, das Unternehmen durch erhebliche Einbußen der Beschäftigten ohne größeren Schaden durch die Krise zu führen. Ein gemeinsames Interesse war durchgängig die Erhaltung der Selbstständigkeit des Unternehmens, um Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Ein Ziel, dass alle Betriebsräte des Unternehmens aktiv unterstützt haben.

Vorgehen
KBR und GBR des Unternehmens haben gemeinsam mit der IG Metall und den Betriebsräten den Vorstand aufgefordert, über einen Zukunftstarifvertrag zu verhandeln mit dem Ziel, Standorte und Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Durch vorangegangene Gespräche gingen die Arbeitnehmervertreter jedoch davon aus, dass der Vorstand nicht bereit sein würde, einen solchen Tarifvertrag zu vereinbaren.
Parallel dazu fand eine Übernahmeschlacht um die Demag Cranes AG statt. Es folgte dann eine Übernahme durch das US-Unternehmen Terex. Das Thema Zukunftstarifvertrag bekam damit neuen Rückenwind. Im Rahmen der Übernahmeverhandlungen konnte der Betriebsrat erreichen, dass zwischen beiden Firmen eine Vereinbarung abgeschlossen wurde. Diese beinhaltet, dass sich der Vorstand der Terex verpflichtet, nicht auf das Management der Demag Cranes AG einzuwirken, um im Rahmen der Übernahme Standorte zu schließen und Beschäftigung abzubauen.
Ein wichtiges Etappenziel aus Sicht der Gremien. Allerdings können die Beschäftigten keine Rechte aus einer Vereinbarung ableiten, die zwischen Vorständen zweier rechtlich selbständiger Firmen abgeschlossen wurde. Eine solche Vereinbarung wäre auch jederzeit wieder veränderbar. Deshalb blieb das Ziel der Betriebsräte und der IG Metall, den Zukunftstarifvertrag abzuschließen.

Ergebnisse
Am 30. September 2011 konnte nach vielen Gesprächen und Verhandlungen ein Zukunftstarifvertrag zwischen den Tarifparteien erreicht werden.
Die Eckpunkte sind:

  • Keine Standortschließung von Demag-Standorten im Rahmen der Übernahme bis 2016.
  • Kein Beschäftigungsabbau bei den Demag-Beschäftigten im Rahmen der Übernahme bis 2014.
  •  Revisionsklausel: Falls sich die Geschäftslage wesentlich verschlechtern sollte, müssen die Tarifvertragsparteien gemeinsam über Lösungen beraten.

Die Tarifkommission hat das Verhandlungsergebnis einstimmig angenommen. Damit wurde das Ziel, die Absicherung der Standorte und der Beschäftigung bei Demag Cranes AG für die nächsten Jahre, erreicht; insofern keine wesentlich verschlechterte wirtschaftliche Lage eintreten würde.
Aktuell zeigt sich, wie wichtig der Schritt zu dem Zukunftstarifvertrag war, denn momentan geht es bei der Demag bzw. Terex Material Handling wieder um Kostenoptimierung und möglichen Stellenabbau.

 

Eine Initiative der Zeitschrift

AIB

Aus der Jury

Reiner Hoffmann » Mit dem Deutschen Betriebsrätepreis haben wir ein Forum, in dem die Erfolge der Betriebsrätearbeit ganzheitlich und öffentlichkeitswirksam dargestellt werden. «

Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, zuständig für Grundsatzangelegenheiten und Gesellschaftspolitik, Mitbestimmung, Internationale und europäische Gewerkschaftspolitik, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Personal, Europäische Akademie der Arbeit