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BAG: Land muss Lehrerin Kosten für Schulfahrt trotz Verzicht erstatten

[17.10.2012]Schulfahrten sind nach den Wanderrichtlinien des Landes Nordrhein-Westfalen Bestandteile der Bildungs- und Erziehungsarbeit der Schulen. Das Land verstößt daher gegen seine Fürsorgepflicht, wenn es Fahrten nur genehmigt, wenn der Lehrer auf die Erstattung seiner Reisekosten verzichtet.

Schulfahrten sind nach den Wanderrichtlinien des Landes Nordrhein-Westfalen Bestandteile der Bildungs- und Erziehungsarbeit der Schulen. Das Land verstößt daher gegen seine Fürsorgepflicht, wenn es Fahrten nur genehmigt, wenn der Lehrer auf die Erstattung seiner Reisekosten verzichtet.

Die Klägerin ist an einer Gesamtschule des beklagten Landes als Lehrerin beschäftigt. Sie beantragte als Klassenlehrerin für ihre Klasse die Genehmigung einer mehrtägigen Studienfahrt nach Berlin. In dem in der Gesamtschule hierfür verwandten Formular heißt es:

»Die … zu zahlende(n) Reisekostenvergütung(en) ist/sind durch die für unsere Schule vorgesehenen Haushaltsmittel nicht mehr gedeckt; da die Veranstaltung trotzdem durchgeführt werden soll, verzichte(n) ich/wir … auf die Zahlung der Reisekostenvergütung.«

Die Klägerin erhielt von den Reisekosten in Höhe von 234,50 Euro nur 28,45 Euro vom Land zurück. Die Erstattung der übrigen Reisekosten lehnte das Land wegen der Verzichtserklärung ab.

Das Arbeitsgericht hat die Klage der Lehrerin abgewiesen. Das Landesarbeitsgericht hat ihr stattgegeben und ihr den Differenzbetrag zugesprochen. Die Revision des beklagten Landes hatte keinen Erfolg.

Die Annahme des Landesarbeitsgerichts, dem beklagten Land sei es unter dem Gesichtspunkt der unzulässigen Rechtsausübung wegen unredlichen Erwerbs der eigenen Rechtsstellung verwehrt, sich auf die von ihm vorformulierte Verzichtserklärung der Klägerin zu berufen, ist revisionsrechtlich nicht zu beanstanden.

Zwar finden nach § 23 Abs. 4 des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst der Länder für die Erstattung von Reisekosten die für die Beamtinnen und Beamten des Arbeitgebers jeweils geltenden Bestimmungen entsprechende Anwendung. Das Gesetz über die Reisekostenvergütung sieht vor, dass Dienstreisende vor Antritt einer Dienstreise schriftlich erklären können, keinen Antrag auf Reisekostenvergütung zu stellen.

Das beklagte Land verstößt jedoch mit der Praxis, Schulfahrten grundsätzlich nur zu genehmigen, wenn die teilnehmenden Lehrkräfte auf die Erstattung ihrer Reisekosten verzichten, grob gegen seine Fürsorgepflicht.

Mit der generellen Bindung der Genehmigung von Schulfahrten an den Verzicht auf die Erstattung von Reisekosten stellt das beklagte Land die bei ihm angestellten Lehrkräfte unzulässig vor die Wahl, ihr Interesse an einer Reisekostenerstattung zurückzustellen oder dafür verantwortlich zu sein, dass Schulfahrten, die Bestandteil der Bildungs- und Erziehungsarbeit sind, nicht stattfinden.

Quelle:

BAG, Urteil vom 16.10.2012
Aktenzeichen: 9 AZR 183/11
PM des BAG Nr. 71/2012 vom 16.10.2012

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