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Dienstunfall: Schneeballschlacht mit Schülern ist keine Privatsache

[08.01.2013]Erleidet ein Lehrer bei einer Schneeballschlacht mit seinen Schülern eine Augenverletzung, so ist dies ein Dienstunfall. Ihm ist auch dann Unfallfürsorge zu gewähren, wenn die Schulordnung das Werfen von Schneebällen auf dem Schulgelände untersagt.

Der Fall:
Der Lehrer war beim Verlassen des Unterrichtsraums von seinen Schülern in eine Schneeballschlacht auf dem Schulgelände verwickelt worden. Er wurde von einem Schneeball direkt aufs Auge getroffen und war nach der Operation seines Auges einen Monat lang dienstunfähig krankgeschrieben.

Das Regierungspräsidium Freiburg als Schulbehörde lehnte seinen Antrag auf Anerkennung des Vorfalls als Dienstunfall ab, weil der natürliche Zusammenhang mit seinen eigentlichen Dienstaufgaben fehle. Er habe den Interessen des Dienstherrn zuwidergehandelt, da nach der Schulordnung das Schneeballwerfen sogar ausdrücklich verboten gewesen sei. Er sei nicht als Lehrer im Über-Unterordnungsverhältnis gegenüber den Schülern eingeschritten, sondern habe privat als gleichgeordneter Teilnehmer an der Schneeballschlacht mit den Schülern teilgenommen und durch Missachtung des Verbots seine erzieherische Vorbildfunktion verletzt.

Die Entscheidung:
Das Verwaltungsgericht Freiburg gab der Klage des Lehrers gegen das Regierungspräsidium statt und verpflichtete es zur Anerkennung eines Dienstunfalls.

Der Unfall hat sich noch "in Ausübung des Dienstes", nämlich am Dienstort auf dem Schulgelände und auch noch während der Dienstzeit ereignet. Der Lehrer wurde nämlich beim Verlassen des Unterrichtsraums auf dem Weg zum Hauptgebäude von seiner Klasse mit Schneeballwürfen empfangen und versuchte sich zunächst zu schützen. Vor diesem Hintergrund ist es lebensfremd diesen einheitlichen Vorgang in eine noch dienstliche, rein defensive Verteidigungsphase und eine anschließende außerdienstliche, rein private aktive Teilnahme an der Schneeballschlacht aufzuspalten.

Es kann auch dahinstehen, ob, in welchem Umfang und für welchen Personenkreis die Hausordnung der Schule überhaupt gilt. Selbst wenn der Lehrer gegen ein wirksames Verbot des Dienstherrn verstoßen haben sollte, verliert er damit nicht dessen dienstunfallrechtliche Fürsorge. Denn wie im gesetzlichen Unfallversicherungsrecht schließt selbst verbotswidriges Verhalten einen Versicherungsfall nicht aus.

Im Beamtenrecht ist dies allenfalls dann der Fall, wenn Beamte den dienstlichen Rahmen objektiv und subjektiv derart verlassen, dass sein Verhalten sich als ein "dienstfremder Exzess" darstellt, wie dies in der Rechtsprechung etwa zu einer Alkoholfahrt nach einer Betriebsfeier oder einer Schlägerei bei einer dienstlichen Weihnachtsfeier entschieden wurde. Davon kann im vorliegenden Fall jedoch keine Rede sein.

Quelle:

VG Freiburg, Urteil vom 04.12.2012
Aktenzeichen: 5 K 1220/11
VG Freiburg-online

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