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Beamtenrecht Heilfürsorgerecht der Bundespolizei ist verfassungswidrig

[17.09.2013]Die bisherige Praxis des Bundes, Heilfürsorgeleistungen für Beamte der Bundespolzei im Wesentlichen auf Grund von Verwaltungsvorschriften zu gewähren, ist verfassungswidrig. Für die Rechtsansprüche der Polizeivollzugsbeamten des Bundes im Krankheits- und Pflegefall (Heilfürsorgeansprüche) besteht keine ausreichende gesetzliche Grundlage, entschied das BVerwG.

Der Fall

Der Kläger, ein im Dienst der Bundespolizei stehender Polizeihauptmeister, hatte die Übernahme der Kosten einer ärztlichen Behandlung einschließlich des dafür eingesetzten Medizinprodukts beantragt. Der Dienstherr lehnte dies mit der Begründung ab, die Heilfürsorgevorschriften ließen dies nicht zu. Die dagegen gerichtete Klage des Beamten hatte vor dem Verwaltungsgerichtshof im Kern Erfolg (VGH Mannheim 2 S 2076/11 - Urteil vom 22.08.2012).

Die Entscheidung

Das BVerwG wies den Anspruch des Klägers zurück. Zwar hält das Gericht die bisher geltenden Heilfürsorgevorschriften für die Bundespolizei für verfassungswidrig. Allerdings sieht das BVerwG die Regelungen einschließlich der Leistungsbeschränkungen und -ausschlüsse übergangsweise als rechtmäßig an.

Nach Ansicht des BVerwG erfordert es der verfassungsrechtliche Grundsatz des Gesetzesvorbehalts, dass der Gesetzgeber im Bereich der Heilfürsorge der Bundespolizei zumindest die tragenden Strukturprinzipien und die wesentlichen Einschränkungen des Heilfürsorgerechts selbst regelt.

Denn es geht im Heilfürsorgerecht um hochrangige Schutzgüter. Daher kann die Ausgestaltung des Heilfürsorgerechts nicht im Wesentlichen durch rein interne Verwaltungsvorschriften erfolgen. Sie obliegt vielmehr dem Gesetzgeber.

Übergangsfrist
Trotz dieses Mangels ist für eine Übergangszeit von der Weitergeltung der Heilfürsorgevorschriften auszugehen. Damit ist gewährleistet, dass die Leistungen der Heilfürsorge nach einem einheitlichen Handlungsprogramm erbracht werden. Dies gilt auch für Leistungseinschränkungen und -ausschlüsse, wenn sie im Übrigen rechtmäßig sind.

Danach kann der Kläger keine Kostenübernahme für die Therapie mit dem Medizinprodukt verlangen. Die Heilfürsorgevorschriften sehen insoweit einen Leistungsausschluss vor. Dies ist entgegen der Auffassung des VGH nicht zu beanstanden und verstößt auch nicht gegen das Gleichheitsgebot des Grundgesetzes.

Mit der vorliegenden Entscheidung hat das Bundesverwaltungsgericht seine bereits zum Beihilferecht entwickelte Rechtsprechung fortgeführt (Urteile vom 17. Juni 2004 - BVerwG 2 C 50.02 - BVerwGE 121, 103 und vom 20. März 2008 - BVerwG 2 C 49.07 ‑ BVerwGE 131, 20).

Quelle:
BVerwG, Urteil vom 12. September 2013
Aktenzeichen 5 C 33.12
BVerwG, PM Nr. 67/2013 vom 12.9.2013

Lesetipp der Online-Redaktion:
»Rechtsprechung zum Beamtenrecht im Jahr 2012« von Frank Wieland in »Der Personalrat« 5/2013, S. 202-209.

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