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Beamtenbeihilfe Künstliche Befruchtung erstattungsfähig

[25.10.2013]Ein Beamter des Landes Baden-Württemberg kann für seine Ehefrau grundsätzlich Beihilfeleistungen zu den Aufwendungen für eine künstliche Befruchtung mit gespendetem Genmaterial erhalten. So das Bundesverwaltungsgericht. Die medizinische Notwendigkeit ist dabei für den Beamten und seine Gattin getrennt zu beurteilen.

Der Fall:

Der Kläger, ein im Dienst des Landes Baden-Württemberg stehender Beamter, und seine Ehefrau sind unfruchtbar. Der Kläger leidet unter einer Azoospermie, d.h. ihm ist es infolge völligen Fehlens von Samenzellen nicht möglich, genetisch eigene Kinder zu zeugen. Bei der Ehefrau des Klägers ist die Funktionsfähigkeit der Eileiter gestört.

Aus diesem Grund ließen der Kläger und seine Ehefrau Anfang 2010 eine künstliche Befruchtung in Form der sogenannten heterologen In-vitro-Fertilisation durchführen. Die Kosten hierfür einschließlich der hormonellen Vorbehandlung der Ehefrau beliefen sich auf rund 3600 Euro. Das Land Baden-Württemberg lehnte die Gewährung von Beihilfe ab.

Rechtlicher Hintergrund

Die Beihilfevorschriften des Landes Baden-Württemberg enthalten keine spezielle Regelung über die Beihilfefähigkeit medizinischer Maßnahmen zur Herbeiführung einer Schwangerschaft. Demgegenüber sehen die Bestimmungen des Bundes und der meisten anderen Länder sowie das Recht der gesetzlichen Krankenversicherung (§ 27a des Fünften Buches Sozialgesetzbuch) eine solche Regelung vor. 

Danach ist die Erstattungsfähigkeit auf die künstliche Befruchtung unter Verwendung der Ei- und Samenzellen von Ehegatten (homologe künstliche Befruchtung) beschränkt. Ob die Aufwendungen für eine Befruchtung der Eizellen der Ehefrau eines Beamten mit den Samenzellen eines Spenders im Reagenzglas beihilfefähig sind, bestimmt sich daher in Baden-Württemberg nach den allgemeinen Vorschriften über die Beihilfefähigkeit.

In Anwendung dieser Regelungen hatte das Verwaltungsgericht (VG) Sigmaringen der Klage im Umfang von rund 890 € stattgegeben. Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) Mannheim hatte dieses Urteil geändert und die Klage insgesamt abgewiesen.

Die Entscheidung:

Die Leipziger Richter hoben das Urteil des VGH auf und verwiesen die Sache an diesen zurück.

Denn die organisch bedingte Unfähigkeit des Klägers und seiner Ehefrau, auf natürlichem Weg genetisch eigene Nachkommen zu zeugen bzw. zu empfangen, ist beihilferechtlich eine Krankheit.

Ob die Aufwendungen für die künstliche Befruchtung mit den Samenzellen eines Spenders beihilferechtlich notwendig sind, ist für den Kläger und seine Ehefrau getrennt und selbstständig zu beurteilen.

Diese Aufwendungen sind beihilferechtlich notwendig, wenn der ärztliche Eingriff die jeweilige gestörte Körperfunktion ersetzt und dadurch die Möglichkeit der Zeugung bzw. Empfängnis genetisch eigener Nachkommen (wieder)eröffnet wird.

Das ist hinsichtlich des Klägers zu verneinen. Ihm kann auch durch die heterologe In-vitro-Fertilisation nicht zu einem von ihm genetisch abstammenden Kind verholfen werden. Anders stellt es sich für die Ehefrau des Klägers dar. Für sie kann Beihilfe beansprucht werden, wenn auch die übrigen Anspruchsvoraussetzungen vorliegen.

Quelle:

BVerwG, Urteil vom 10.10.2013
Aktenzeichen: 5 C 32.12
PM des BVerwG Nr. 71/2013 vom 10.10.2013

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