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Kommissaranwärterin Vortätigkeit als Flugbegleiterin ist besoldungsrechtliche Erfahrungszeit

[13.01.2014]Eine angehende Polizeikommissarin kann ihren vorherigen Job als Flugbegleiterin als besoldungsrechtlich relevante Erfahrungszeit angerechnet bekommen. Denn auch diese Tätigkeit vermittelt – für die Laufbahnbefähigung wichtige - Strategien zur Konfliktbewältigung.

Der Fall:
Die Klägerin arbeitete ab 2003 für ein Jahr als Angestellte an einem Flughafen. Von 2004 an absolvierte sie ein einmonatiges Ausbildungsseminar zur Flugbegleiterin und arbeitete sodann als solche insgesamt für etwa drei Jahre bei verschiedenen Fluggesellschaften.

Zum April 2009 ernannte der Polizeipräsident  die Klägerin zur Beamtin auf Widerruf, wobei sie in die Besoldungsgruppe A 9 unter Zugrundelegung der sog. Erfahrungsstufe 1 eingruppiert wurde. Den Antrag auf Anrechnung der vor der Ernennung liegenden Zeiten beruflicher Tätigkeit als förderliche Erfahrungszeit lehnte der Polizeipräsident ab, da es am nötigen Zusammenhang zwischen der Tätigkeit als Flugbegleiterin und derjenigen als Polizeikommissarin fehle. Die Klägerin wandte dagegen u.a. ein, sie sei als Flugbegleiterin im Luftverkehr mit Gefahrensituation konfrontiert gewesen, die auch im Rahmen der Polizeivollzugstätigkeit auftreten könnten.

Die Entscheidung:
Das VG Berlin stellte sich auf die Seite der Frau.

Die Richter verpflichteten die Behörde, den Antrag der Klägerin erneut zu prüfen. Nach dem Berliner Besoldungsgesetz können hauptberufliche Zeiten, die nicht Voraussetzung für den Erwerb der Laufbahnbefähigung sind, ganz oder teilweise anerkannt werden, soweit diese für die dienstliche Verwendung des Beamten förderlich seien. Förderlich sind insbesondere solche Berufszeiten, die für die Wahrnehmung der künftigen Dienstaufgaben von konkretem Interesse sind.
Die Behörde bei der Auslegung des Gesetzes fehlerhafter nur zugrunde gelegt, ob die Klägerin Kenntnisse und Fertigkeiten in ihrer Vordienstzeit erworben hat, die zu den prägenden Laufbahnanforderungen gehören. Der rechtliche Rahmen ist hier aber weiter zu fassen, weil der Gesetzgeber bei der Neufassung des Besoldungsrechts ausdrücklich beabsichtigte, den Wechsel von einer Berufstätigkeit außerhalb des öffentlichen Dienstes in eine Verwendung als Beamter attraktiver zu gestalten.

Vor diesem Hintergrund hätte sich die Behörde bei der Ermessensausübung konkret nicht nur mit den erworbenen Fremdsprachenkenntnissen, sondern auch mit den durch die Vortätigkeit erworbenen Strategien zur Konfliktbewältigung an Bord auseinandersetzen müssen. Denn im Umgang mit sich regelwidrig verhaltenden und aggressiv auftretenden Passagieren hatte die Klägerin Situationen zu bewältigen gehabt, die durchaus mit polizeilichem Handeln vergleichbar sind.

Gegen das Urteil kann die vom Verwaltungsgericht zugelassene Berufung beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg beantragt werden.

Quelle
VG Berlin, Urteil vom 10.12.2013,
Aktenzeichen: VG 36 K 201.13,
PM des VG Berlin Nr. 4/14 vom 09.01.2014

Lesetipp der Online-Redaktion:
»Leistungsbezahlung im Beamtenbereich« von Klaus Weber in »Der Personalrat« 3/2013, S. 101-105.

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