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Freistellungsanspruch Freistellung zur Pflege erkrankter Kinder nach dem TVöD

[06.08.2014]Ein Beschäftigter im Geltungsbereich des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) der nicht gesetzlich krankenversichert ist, hat Anspruch auf bis zu vier Tage bezahlter Freistellung im Jahr, um ein erkranktes Kind zu pflegen. Erkrankt ein weiteres Kind, erhöht sich der Freistellungsanspruch auf fünf Tage pro Kalenderjahr.

Die Arbeitnehmerin ist bei der Beklagten beschäftigt. Auf das Arbeitsverhältnis findet der TVöD Anwendung. Die Arbeitnehmerin hat mehrere Kinder, die zum maßgeblichen Zeitpunkt noch nicht älter als zwölf Jahre waren. Im April 2010 erkrankte der Sohn der Arbeitnehmerin. Die Arbeitgeberin stellte sie an vier Arbeitstagen unter Fortzahlung des Entgelts von der Arbeit frei.

Im Mai 2010 beantragte die Arbeitnehmerin einen weiteren Tag bezahlte Freistellung. Sie machte eine Erkrankung ihrer Tochter geltend, die ebenfalls noch nicht das zwölfte Lebensjahr vollendet hatte. Die Beklagte stellte sie von der Verpflichtung zur Arbeit frei, lehnte die Fortzahlung des Entgelts jedoch ab und verminderte die Vergütung entsprechend.

Landesarbeitsgericht sah Grenze bei vier Tagen im Jahr
Die Arbeitnehmerin erhob Klage und beanspruchte die Vergütung des Freistellungstags im Mai 2010. Die Vorinstanzen (Sächsisches LAG, Urteil vom 22.03.2012 - 9 Sa 487/11) haben die Klage mit der Begründung abgewiesen, die beklagte Arbeitgeberin habe den tariflichen Freistellungsanspruch der Klägerin wegen schwerer Erkrankung eines Kindes bereits im April 2010 erfüllt. § 29 Abs. 1 Satz 1 Buchst. e Doppelbuchst. bb iVm. Satz 2 TVöD setze eine Obergrenze von vier Werktagen im Kalenderjahr fest.

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) gab der Klage statt und entschied, dass der Klägerin noch die Vergütung für einen Freistellungstag im Mai 2010 iHv. 165,21 Euro brutto zusteht. Der Anspruch auf die bezahlte Freistellung bestimmt sich nach § 29 Abs. 1 Satz 1 Buchst. e Doppelbuchst. bb iVm. Satz 2 TVöD, allerdings mit einer Obergrenze von fünf Werktagen im Jahr.

BAG wendet Freistellungsobergrenze an
Ein Beschäftigter hat danach Anspruch, bis zu vier Arbeitstage unter Fortzahlung des Entgelts von der Arbeit freigestellt zu werden, wenn ein Kind unter zwölf Jahren schwer erkrankt, eine andere Person zur Pflege oder Betreuung nicht sofort zur Verfügung steht und die Notwendigkeit der Anwesenheit des Beschäftigten zur vorläufigen Pflege ärztlich bescheinigt wird.

Bei schwerer Erkrankung eines anderen Kindes unter zwölf Jahren gilt ausschließlich die in § 29 Abs. 1 Satz 3 TVöD festgesetzte Freistellungsobergrenze von insgesamt fünf Arbeitstagen im Kalenderjahr, wenn die übrigen tariflichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Quelle:
BAG, Urteil vom 5.08.2014
Aktenzeichen: 9 AZR 878/12
Pressemitteilung Nr. 40/14 vom 05.08.2014

Lesetipp der Online-Redaktion
»Endlich mehr Zeit! - Möglichkeiten für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf« von Dr. Martin Wolmerath in »Der Personalrat« Ausgabe 6/2010, S. 237–240.

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