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Haftung Kein Schmerzensgeld für Unfall im Chemieunterricht

[02.06.2015]Ein Schüler hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn er wegen eines Missgeschicks seiner Chemielehrerin im Unterricht eine Verbrennung erleidet. Während die Unfallversicherung die Behandlungskosten trägt, sei ein Schmerzensgeld nur bei nachweislichem Vorsatz der Lehrerin möglich, betont das OLG Oldenburg.

Der Schüler besuchte zum Unfallzeitpunkt die 6. Klasse einer Oberschule im Landkreis Osnabrück. Im September 2012 nahm er im Chemieunterricht an einem Standardexperiment zur Unterrichtseinheit »Verbrennung« teil.

Dazu erhielten die Schüler einen Bunsenbrenner und ein Schälchen, das mit Brennspiritus gefüll wurde. Ihre Aufgabe bestand darin, ein in der Flamme des Bunsenbrenners zum Glühen gebrachtes Holzstäbchen in die Nähe des Schälchens zu führen und dabei zu beobachten, wann die Flüssigkeit in Brand geriet.

Unfall mit Brennspiritus

Der Schüler saß auf der linken Seite des Klassenraumes als die Chemielehrerin auf der gegenüberliegenden Seite der Klasse in eines der Schälchen Brennspiritus nachfüllte. Dabei entzündete sich auch die Flüssigkeit in der Flasche, die die Lehrerin in der Hand hielt.

Der brennende Spiritus entwich und traf den Schüler, der dadurch Verbrennungen an Gesicht, Hals und Oberkörper erlitt. Er musste stationär behandelt werden. Die Erstversorgung mit Abtragen der Brandblasen erfolgte unter Vollnarkose.

Die Behandlungskosten für den Unfall während des Schulunterrichts trug die gesetzliche Unfallversicherung. Der Schüler klagte, vertreten durch seine Eltern, vor dem Landgericht Oldenburg auf Schmerzensgeld in Höhe von 10.000,- EUR.

Gerichte verneinen Schmerzensgeldanspruch

Ebenso wie das Landgericht sahen auch die Richter des Senats die Voraussetzungen für einen Schmerzensgeldanspruch nicht als gegeben an. Andere Schäden, beispielsweise Behandlungskosten, würden von der gesetzlichen Unfallversicherung erstattet.

Der Gesetzgeber habe bei einem Schulunfall die Zahlung von Schmerzensgeld bewusst ausgeschlossen, um den Schulfrieden nicht zu stören. Eine Ausnahme gelte nur dann, wenn der Unfall und seine Folgen vorsätzlivh verursacht und herbeigeführt wurden.

Der Senat konnte einen solchen Vorsatz bei der Lehrerin nicht feststellen. Selbst wenn sie die Entzündung des Spiritus bewusst fahrlässig herbeigeführt hätte, so bestünden keine Anhaltspunkte dafür, dass sie mit dem Verletzungserfolg „einverstanden“ war, so die Richter.

Auf den Hinweis des 6. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Oldenburg hat ein Schüler die Berufung gegen ein Urteil des Landgerichts Osnabrück zurückgenommen. Das Landgericht hatte die Klage des Schülers, vertreten durch seine Eltern auf Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 10.000 € abgewiesen.

Mit der Rücknahme der Berufung ist die Klage gegen das Land Niedersachen rechtskräftig abgewiesen worden.

Quelle:

OLG Oldenburg, Hinweisbeschluss vom 2.4.2015,
Aktenzeichen 6 U 34/15
OLG Oldenburg, Pressemitteilung vom 21.05.2015

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