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Disziplinarmaßnahme Keine doppelte Strafe für Dienstvergehen

[12.11.2015]Fehlverhalten eines Beamten kann in der Regel eine Disziplinarstrafe oder eine strafgerichtliche Verurteilung nach sich ziehen – nicht aber beides. Denn das verstieße gegen das Verbot der Doppelbestrafung nach Art. 103 Abs. 3 GG. Das Verwaltungsgericht Trier deutet in seiner Entscheidung an, dass Ausnahmen von diesem Grundsatz denkbar sind.

Die 3. Kammer des Verwaltungsgerichts Trier hatte eine Disziplinarverfügung des Landes gegen eine Polizeikommissarin aufgehoben, die personenbezogene Daten Dritter im Polizeidatensystem POLIS ohne dienstlichen Anlass abgefragt und weitergegeben hatte. Wegen dieses Sachverhalts war die Polizistin deshalb zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Das Land als Dienstherr verhängte daraufhin zudem als Disziplinarmaßnahme die Kürzung der Dienstbezüge.

Dienstvergehen wird nicht disziplinarisch geahndet

Zu Unrecht, so das Verwaltungsgericht. Zwar habe die Beamtin mit ihrem Verhalten ein Dienstvergehen begangen. Wegen der strafgerichtlichen Verurteilung bleibe das Dienstvergehen jedoch ohne disziplinarrechtliche Konsequenz.

Das Landesdisziplinargesetz verbiete die Verhängung einer Disziplinarmaßnahme, wenn derselbe Lebenssachverhalt bereits Gegenstand einer strafgerichtlichen Verurteilung gewesen sei.

Entgegen der vom Land vertretenen Auffassung könne man diesen einheitlichen Sachverhalt auch nicht deshalb aufspalten, weil die Klägerin die unbefugte Datenabfrage nur zum Teil selbst durchgeführt und zum anderen Teil Kollegen hierfür eingesetzt habe.

Bewerte man den Einsatz Ihrer Kollegen als gutgläubige Werkzeuge als getrennten Lebenssachverhalt, führe das zu einer »unnatürlichen Aufspaltung eines zusammengehörenden Geschehens«, heißt es in einer Mitteilung des Verwaltungsgerichts.

Ausnahme vom Verbot der Doppelbestrafung denkbar

Eine zusätzliche Disziplinarmaßnahme ist laut Trierer Richter nur zur »Pflichtenmahnung« denkbar. In diesem Fall habe allerdings das lange Strafverfahren, die gegen sie verhängte Geldstrafe, den Lauf des überlangen Disziplinarverfahrens, ihre Suspendierung und nicht zuletzt die Außenwirkung ihres Fehlverhaltens derart erzieherisch auf die Polizistin gewirkt, dass mit weiteren Verfehlungen in Zukunft nicht zu rechnen sei.

Gegen das Urteil besteht noch die Möglichkeit, das Rechtsmittel der Berufung zum Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz einzulegen – wie das VG Trier auf Nachfrage des Bund-Verlags mitteilt (08.11.2015 - Red.), ist das bisher allerdings noch nicht geschehen.

Quelle:

VG Trier, Urteil vom 22.9.2015
Aktenzeichen: 3 K 66/15.TR
VG Trier, Pressemitteilung Nr. 28/2015

© bund-verlag.de (mst)

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