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Arbeitszeit So lassen sich Arbeit und Privatleben vereinbaren

[08.03.2016]Dauer und Lage der Arbeitszeit sind entscheidende Faktoren für ein gutes Zusammenspiel von Arbeit und Privatem. Aber welche Möglichkeiten gibt es, wenn das Kind oder ein naher Angehöriger plötzlich erkrankt? Und wann ist ein Wechsel von Voll- in Teilzeit durchsetzbar? Wir haben für Sie Antworten aus unserem Handbuch Arbeitszeit zusammengestellt.

Auszug aus dem Handbuch Arbeitszeit von Hartmut Meine und Hilde Wagner (Hrsg.)

Fragen aus der Praxis:

Wenn mein Kind plötzlich krank wird, welche Möglichkeiten, Rechte und Ansprüche habe ich dann, um von der Arbeit fern bleiben zu können?

Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen (§ 45 SGB V) kann bei einer ärztlich attestierten Erkrankung von Kindern auch kurzfristig eine Freistellung von der Arbeit beantragt werden. Wenn also morgens vor Arbeitsbeginn die Krankheit eines Kindes festgestellt wird, besteht das Recht, nach Information des Arbeitgebers, der Arbeit fern zu bleiben.

Für diese Zeit besteht allerdings kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung, sondern lediglich auf Krankengeld, das von der jeweiligen Krankenkasse ausgezahlt wird. Der Anspruch auf Krankengeld besteht in jedem Kalenderjahr für jedes Kind längstens für 10 Arbeitstage.

Ich benötige Zeit für die häusliche Pflege meiner Mutter. Welche Anspruchsgrundlagen gibt es dafür?

Wenn der Bedarf für die häusliche Pflege über eine akute Pflegesituation, die im Rahmen von 10 Tagen zu bewältigen ist, hinausgeht, gibt es mit dem Pflegezeitgesetz einen Rechtsanspruch auf vollständige oder teilweise Freistellung von bis zu 6 Monaten. Dieser Anspruch besteht gegenüber Arbeitgebern mit mehr als 15 Beschäftigten. Für die Zeit der Freistellung kann ein zinsloses Darlehen, das allerdings nur einen Teil des Verdienstausfalls abdeckt, beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragt werden.

In der Pflegezeit kann auch in Teilzeit gearbeitet werden, darüber ist mit dem Arbeitgeber dann eine schriftliche Vereinbarung abzuschließen. Im unmittelbaren Anschluss an die 6 Monate Pflegezeit (nach dem PflegeZG) kann die häusliche Pflege auf Basis des Familienpflegezeitgesetzes (FPfZG) fortgesetzt werden. Die Zeiten der Inanspruchnahme der Pflegezeit und der Familienpflegezeit werden jedoch zusammengerechnet, so dass eine Freistellung in der Summe maximal 24 Monate betragen kann.

Die zweite Phase der Freistellung ist allerdings an die Bedingung geknüpft, dass neben der Pflege bzw. Betreuung im Umfang von mindestens 15 Wochenstunden weiter gearbeitet
wird. Für die Zeit der Teilfreistellung kann ebenfalls ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragt werden, das auch in diesem Fall nur einen Teil des Verdienstausfalls abfedert. Für beide Phasen der Freistellung ist die Zustimmung des Arbeitgebers nicht notwendig, allerdings müssen die jeweils geltenden Ankündigungsfristen beachtet werden.

Daneben besteht als neuer Freistellungstatbestand ein Anspruch auf vollständige
oder teilweise Freistellung von bis zu drei Monaten für die Begleitung naher Angehöriger in der letzten Lebensphase (Freistellung zur Sterbebegleitung). Durch ein ärztliches Zeugnis ist dabei nachzuweisen, dass eine entsprechende Krankheit, die weit fortgeschritten und unheilbar ist, vorliegt. Die betrieblichen Voraussetzungen für die Geltendmachung des Anspruchs entsprechen denen der Pflegezeit.

Aus privaten Gründen würde ich gerne von Vollzeit in Teilzeit wechseln. Mein Arbeitgeber weigert sich, meinem Interesse nachzukommen. Ist das statthaft?

Nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz (§ 8 TzBfG) können Beschäftigte in
Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten, die länger als 6 Monate im Betrieb
gearbeitet haben, verlangen, dass ihre vertraglich vereinbarte Arbeitszeit verringert
wird. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, mit dem Beschäftigten die gewünschte Verringerung der Arbeitszeit zu erörtern. Er hat dem Wunsch auf Verringerung der Arbeitszeit grundsätzlich nachzukommen, soweit »betriebliche Gründe dem nicht entgegenstehen«.

Ich möchte meine Teilzeitbeschäftigung wieder beenden und in eine Vollzeitbeschäftigung zurückkehren. Auf welche Rechte kann ich mich dabei berufen?

Besteht der Wunsch, von Teilzeitarbeit in Vollzeit zu wechseln, regelt das Teilzeit- und Befristungsgesetz (§ 9 TzBfG), dass der Arbeitgeber bei der Besetzung eines entsprechenden freien Arbeitsplatzes bei gleicher Eignung den betroffenen Beschäftigten bevorzugt zu berücksichtigen hat, es sei denn, dass dringende betriebliche Gründe oder Arbeitszeitwünsche anderer Teilzeitbeschäftigter dem entgegenstehen.

Mehr zum Dauer-Thema Arbeitszeit lesen Sie hier:

Hartmut Meine, Hilde Wagner (Hrsg.)

Handbuch Arbeitszeit
Manteltarifverträge im Betrieb


2. Aufl. 2016, Bund-Verlag, 408 Seiten
ISBN: 978-3-7663-6499-9

Ladenpreis: € 39,90

 

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