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Disziplinarmaßnahmen Entlassung per Verwaltungsakt rechtens

[27.04.2016]Nach dem Landesrecht in Baden-Württemberg können Beamte durch einen Verwaltungsakt aus dem Beamtenverhältnis entfernt werden. Dieses von den entsprechenden Gesetzen in Bund und Ländern abweichende disziplinare Prozedere ist verfassungskonform. So das Bundesverwaltungsgericht.

Auf der Grundlage des Landesdisziplinargesetzes Baden-Württemberg (LDG BW) von 2008 werden sämtliche Disziplinarmaßnahmen gegenüber Landesbeamten durch behördliche Disziplinarverfügung ausgesprochen. Damit weicht das LDG BW von den entsprechenden Gesetzen in Bund und Ländern ab. Dort werden die disziplinaren Höchstmaßnahmen – Entfernung aus dem Beamtenverhältnis und Aberkennung des Ruhegehalts – nur aufgrund einer Disziplinarklage durch Disziplinargerichte verhängt.

Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, dass diese Lösung verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden ist. Insbesondere verstößt die baden-württembergische Regelung nicht gegen die hergebrachten Grundsätze des Berufsbeamtentums (Art. 33 Abs. 5 GG).

Ausufernde Nebentätigkeit eines Beamten

Der klagende Polizeibeamte betrieb nebenberuflich zwei Bauunternehmen, die zunehmend in finanzielle Schieflage gerieten. Im strafgerichtlichen Verfahren verurteilte ihn das Landgericht wegen vorsätzlicher Insolvenzverschleppung und des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt in acht Fällen zu einer zur Bewährung ausgesetzten Gesamtfreiheitsstrafe von elf Monaten.

Im sachgleichen Disziplinarverfahren entfernte ihn sein Dienstvorgesetzter durch Disziplinarverfügung aus dem Beamtenverhältnis. Das Berufungsgericht hat seine gerichtliche Überprüfung auf einen Teil der Dienstpflichtverletzungen aus dem in der Disziplinarverfügung zugrunde gelegten einheitlichen Dienstvergehen beschränkt, weil bereits diese die Höchstmaßnahme rechtfertigten.

Hergebrachte Grundsätze des Berufsbeamtentums nicht tangiert

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Revision des Polizeibeamten zurückgewiesen. Denn der durch das LDG BW angeordneten Erweiterung der behördlichen Disziplinarkompetenz bis hin zur Entfernung aus dem Beamtenverhältnis und der Aberkennung des Ruhegehalts durch Disziplinarverfügung stehen die hergebrachten Grundsätze des Berufsbeamtentums nach Art. 33 Abs. 5 GG nicht entgegen.

Hergebrachte Grundsätze des Berufsbeamtentums enthalten nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts den Kernbestand von Strukturprinzipien, die allgemein oder doch ganz überwiegend während eines längeren, traditionsbildenden Zeitraums, mindestens unter der Reichsverfassung von Weimar, als verbindlich anerkannt und gewahrt worden sind.

Blick in die Rechtsgeschichte

Die Entlassung eines auf Lebenszeit ernannten Beamten wegen eines Dienstvergehens war damals einfachgesetzlich auf Reichsebene wie in den Gliedstaaten teils Gerichten, teils aber auch Verwaltungs- oder besonderen Disziplinarbehörden übertragen. Die Weimarer Verfassung akzeptierte diese Vielfalt der Verfahrensgestaltung und beschränkte sich darauf, gegen „jedes dienstliche Straferkenntnis“ den Rechtsweg zu eröffnen.

Im Land Preußen wurden erst im April 1932 unabhängige Disziplinargerichte eingerichtet. Außerdem war für Beamte im Gesamtstaat wie in den Ländern stets ein Schutz vor willkürlicher Entlassung durch den Dienstherrn anerkannt.

Der einem Landesbeamten nach dem LDG BW eröffnete umfassende nachträgliche Rechtsschutz gegen eine Disziplinarverfügung, der eine eigene Disziplinarbefugnis der Disziplinargerichte enthält, genügt den Anforderungen an den verfassungsrechtlich gebotenen disziplinaren Entlassungsschutz.

Quelle:

BVerwG, Urteil vom 21.4.2016
Aktenzeichen: 2 C 4.15
PM des BVerwG Nr. 29/2016 vom 21.4.2016

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Lesetipp der Online-Redaktion:

»OVG Rheinland-Pfalz vom 4.6.2013, 11 B 10431/13 (Leitsatz) – Entfernung aus dem Beamtenverhältnis wegen Manipulieren eines Zeiterfassungsgerätes« in »Der Personalrat« 4/2014, Ausgabe 4, S. 142