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Integrationsamt Zustimmung zur Kündigung einer »Schleckerfrau« ist unzulässig

[17.04.2013]Das Integrationsamt muss sich vor Zustimmung zur Kündigung eines schwer behinderten Arbeitnehmers darüber vergewissern, dass der »Interessensausgleich« der besonderen Situation von schwerbehinderten Beschäftigten Rechnung trägt. Es genügt nicht, dass der Betroffenen als »ausscheidender« Beschäftigter auf der Namensliste genannt wird.

Der Fall:
Die mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50 schwerbehinderte, Klägerin war bei der Firma Anton Schlecker e.K. als Bezirksleiterin beschäftigt.

Auf Antrag des Insolvenzverwalters der Fa. Schlecker erteilte das Integrationsamt die Zustimmung zur beabsichtigten ordentlichen Kündigung der Klägerin. Daraufhin wurde ihr die Kündigung ausgesprochen; ihre hiergegen erhobene Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht ruht. Zudem erhob die Klägerin gegen die Zustimmungsentscheidung des Integrationsamtes Klage zum Verwaltungsgericht.

Die Entscheidung:
Die Klage hatte vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart Erfolg.

Die Zustimmung des Integrationsamtes war ermessensfehlerhaft und ist damit rechtswidrig.

Das Integrationsamt hatte sich bei der Erteilung der Zustimmung zur Kündigung der Klägerin nur auf den sog. »Interessenausgleich« zwischen dem Konkursverwalter und dem Gesamtbetriebsrat der Fa. Schlecker bezogen und sich damit begnügt, dass die Klägerin als »ausscheidende« Beschäftigte auf der Namensliste genannt werde. Es hätte sich aber sich vergewissern müssen, dass der „Interessensausgleich“ der besonderen Situation von schwerbehinderten Beschäftigten, insbesondere die der Klägerin, überhaupt Rechnung getragen hat.

Der »Interessenausgleich« lässt nicht erkennen, nach welchen Kriterien die eigentliche Sozialauswahl erfolgt ist. Insbesondere bleibt völlig unklar, ob die Gruppe der schwerbehinderten Beschäftigten bei der Auswahl besonders gewichtet worden ist und ggfs. nach welchen Gesichtspunkten. Ein Punkte-Schema oder Vergleichbares enthielten weder der Interessenausgleich noch seine Anlagen. Der Insolvenzverwalter der Fa. Schlecker hat in dem Zustimmungsverfahren die Auswahlkriterien auch nicht dargelegt und ist vom Integrationsamt hierzu auch nicht aufgefordert worden.

Quelle:
VG Stuttgart, Urteil vom 04.03.2013,
Aktenzeichen: 11 K 3968/12,
SG Stuttgart-online vom 15.04.2013

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