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Schwerbehindertenrecht Keine Sozialhilfe zur Finanzierung eines Pkw

[05.07.2013]Schwerbehinderte erhalten keine Sozialhilfe zur Finanzierung eines Pkw, wenn sie über ausreichend eigene Mittel verfügen. Das Sächsische LSG entschied, dass auch die Regelungen der UN-Behindertenrechtskonvention zu keinem anderen Ergebnis führen.

Der Fall:

Die 1934 geborene, schwer gehbehinderte Klägerin bezog 2008 eine Alters- und Witwenrente in Höhe von zusammen knapp 1.200,- € monatlich. Sie verfügte zudem über ein Vermögen im mittleren fünfstelligen Bereich.

Dennoch beantragte sie beim überörtlichen Sozialhilfeträger die Übernahme der monatlichen Raten in Höhe von 66,- € für einen Kredit, den sie zur Anschaffung ihres Pkw aufgenommen hatte. Antrag, Widerspruch und Klage blieben erfolglos.

Die Entscheidung:

Auch die Berufung blieb erfolglos.

Der 8. Senat des Sächsischen Landessozialgerichts (LSG) stellte klar, dass auch im Falle der Klägerin das sogenannte "Nachrangprinzip" gilt.

Hiernach werden Leistungen der Sozialhilfe nur gewährt, soweit der Hilfebedürftige seinen Bedarf nicht durch Einsatz seiner Arbeitskraft, seines Einkommens und seines Vermögens decken kann (§ 2 Abs. 1 Sozialgesetzbuch XII).

Dies gelte sowohl für die Kfz-Hilfe, mit der behinderten Menschen die Anschaffung eines (behindertengerechten) Kfz erleichtert werden soll, als auch für alle anderen in Betracht kommenden Anspruchsgrundlagen des Sozialgesetzbuch XII.

Neben dem gesetzlich vorgesehenen Schonvermögen (§ 90 Sozialgesetzbuch XII) verbleibe der Klägerin ausreichend Vermögen, um die noch offene Kreditsumme von weniger als 3.500,- € zu tilgen.

UN-Behindertenrechtskonvention führt zu keiner anderen Bewertung

Eine andere Bewertung sei auch nicht im Lichte der von Deutschland 2009 ratifizierten UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) geboten. Denn diese verpflichte die Vertragsstaaten nur dazu, behinderten Menschen Mobilität zu erschwinglichen Kosten zu erleichtern (Art. 20 UN-BRK). Der Nachranggrundsatz werde davon nicht verdrängt.

Quelle:

Sächsisches LSG, Urteil vom 17.04.2013
Aktenzeichen: L 8 SO 84/11
PM des Sächsischen LSG vom 02.07.2013

© bund-verlag.de - (jes)

Buchtipp der Online-Redaktion:

»Rechte behinderter Menschen – Der Ratgeber für Betroffene, Angehörige und Interessenvertretungen« von Norbert Minninger, Werner Hinterholz und Bernd Westermann, 3. Auflage, Bund-Verlag 2013, kartoniert, 350 Seiten, ISBN: 978-3-7663-6163-9

Aus dem Inhalt:

• Berechtigter Personenkreis
• Der behinderte Mensch auf dem Arbeitsmarkt
• Der behinderte Mensch im Steuerrecht
• Nachteilsausgleiche für behinderte Menschen
• Soziale Sicherung
• Rechtsschutz

Nützliche Musterschreiben erleichtern den Umgang mit den Behörden