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HIV-Infektion Berufskrankheit kann auch nach 30 Jahren anerkannt werden

[29.01.2014]Die Berufsgenossenschaft hat eine - schon 30 Jahre zurückliegende - HIV-Infektion einer ehemaligen Krankenschwester anzuerkennen, wenn die Frau sich diese im Rahmen eines Krankenhauspraktikums zugezogen hat.

Der Fall:
Die Klägerin ist mit dem HIV-Virus infiziert.

Im Sommer 1982 absolvierte sie als damals 16-Jährige ein mehrwöchiges Praktikum in einer Klinik. Dabei erlitt sie mehrfach Verletzungen an Kanülen und Skalpellen. Kurze Zeit später traten bei ihr grippeähnliche Symptome auf, sie war wegen Durchfall, Fieber und Übelkeit zwei Wochen bettlägerig. Im Jahr 1987 ergab eine Laboruntersuchung bei der Frau, die inzwischen Kinderkrankenschwester war, dass sie mit dem HIV-Virus infiziert war.

Die Berufsgenossenschaft hat die Anerkennung als Berufskrankheit abgelehnt. Die Klägerin musste ihren Beruf aufgeben; heute besteht eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von 70 v.H.

Die Entscheidung:
Das LSG München stellte sich auf die Seite der Frau.

Die Münchner Richter haben den Unfallversicherungsträger zur Anerkennung einer Berufskrankheit verurteilt. Denn der Einwand, die Klägerin hätte sich die Infektion auch im Privatleben zuziehen können, ist nach Auffassung des LSG München nicht stichhaltig.

Die Klägerin war einem besonderen Infektionsrisiko ausgesetzt gewesen. Im Jahr 1982 haben noch keine adäquaten Verhaltensregeln für Nadelstichverletzungen und dem damit verbundenen HIV-Risiko bestanden. Die geschilderte grippe-ähnliche Erkrankung nach der Verletzung im Krankenhaus entspricht einem HIV-Infektionsverlauf.

Hingegen ist die Klägerin nicht zu den typischen HIV-Risikogruppen zu zählen; insgesamt ergibt die Beweiswürdigung das Vorliegen einer Berufskrankheit.

Quelle:
Bay. LSG, Urteil vom 18.03.2013,
Aktenzeichen: L 3 U 262/12

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