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Krankenversicherung Krankenkasse macht haarfeine Unterschiede

[24.04.2015]Der Verlust des Kopfhaares ist bei einem Mann keine Krankheit oder Behinderung. Betroffene haben deshalb keinen Anspruch auf eine Perücke. Etwas anderes gilt bei jungen Männern, bei denen ein zusätzlicher Haarverlust an Wimpern, Brauen und Bart hinzukommt – so das BSG.

Perücken können ein Hilfsmittel im Sinne des § 33 Absatz 1 SGB V sein. Insbesondere sind Vollperücken keine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens und als solche von der Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung ausgenommen.

Unterschiede bei Frauen und Männern

Der alleinige Verlust des Kopfhaares bei einem Mann ist jedoch nicht als Krankheit zu werten, weil er weder die Körperfunktionen beeinträchtigt noch entstellend wirkt. Die überwiegende Zahl der Männer verliert im Laufe des Lebens ganz oder teilweise ihr Kopfhaar. Dadurch erregen Männer aber weder besondere Aufmerksamkeit im Sinne von Angestarrt-Werden noch werden sie stigmatisiert.

Demgegenüber tritt bei Frauen aus biologischen Gründen in der Regel im Laufe des Lebens kein entsprechender Haarverlust ein. Eine Frau ohne Kopfhaar fällt daher besonders auf und zieht die Blicke anderer auf sich. Dieser bei Frauen von der Norm deutlich abweichende Zustand ist wenn er entstellend wirkt krankheitswertig, sodass die Versorgung mit einer Perücke bei Frauen Aufgabe der gesetzlichen Krankenversicherung sein kann.

Auch Männer können Anspruch auf Perücke haben

Männer sind allerdings nicht vollständig von der Versorgung mit Vollperücken zu Lasten der Krankenversicherung ausgeschlossen. Ein solcher Anspruch kann bestehen, wenn der Haarverlust nicht allein die Kopfbehaarung, sondern auch die übrige Behaarung des Kopfes wie Brauen, Wimpern und Bart erfasst (Alopecia areata universalis). Ein solcher Haarverlust geht über den typischen männlichen Haarverlust hinaus und kann insbesondere bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen Aufsehen erregen.

Je nach Alter des Mannes und Aussehen des unbehaarten Kopfes kann in einem solchen Fall daher eine auffallende, entstellende Wirkung vorliegen, die Krankheitswert besitzt. Eine entsprechende Wirkung hat der haarlose Kopf des zum Zeitpunkt der Beschaffung der Perücke deutlich über siebzigjährigen Klägers hingegen nicht. Nicht maßgeblich ist dabei, ob der Betroffene seine Haarlosigkeit subjektiv entstellend empfindet. Die beklagte Krankenkasse hat es daher zu Recht abgelehnt, den Kläger mit einer Perücke zu versorgen.

Quelle:

BSG, Urteil vom 22.04.2015
Aktenzeichen: B 3 KR 3/14 R
PM des BSG Nr. 8/15 vom 22.04.2015

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