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„7 Minuten Betriebsrat“

Betriebsrat auf der Bühne

07. März 2018 Arbeitszeit, Pause
7 Minuten Betriebsrat
Quelle: Staatstheater Mainz / Pressefotos

Das Staatstheater Mainz hat eine Betriebsratssitzung auf die Bühne gebracht. Das Thema ist ein Klassiker für Interessenvertreter: Beschäftigte sollen Zugeständnisse machen, um ihre Jobs zu behalten. Die Zeitschrift Arbeitsrecht im Betrieb – AiB hat Karten verlost und echte Betriebsräte gebeten, ihren Bühnen-Kollegen über die Schulter zu schauen.

Elf Frauen, ein Betriebsrat und eine Stunde Zeit für eine schwierige Entscheidung. Die Arbeiterinnen einer Textilfabrik hatten das Schlimmste befürchtet – ihre Entlassung. Doch jetzt läuft es auf das scheinbar kleinere Übel hinaus: Sie sollen „nur“ eine Kürzung der Mittagspause um sieben Minuten in Kauf nehmen. Dafür bleiben die Jobs erhalten. Das ist die Botschaft, die Sprecherin Blanche den Kolleginnen überbringt.  

Alles hat seinen Preis

Da scheint die Abstimmung über die Annahme der Bedingung doch fast überflüssig. Oder nicht? Blanche jedenfalls hat Zweifel – sie fürchtet, über den Tisch gezogen zu werden. Sieben Minuten weniger Pause bedeuten auch sieben Minuten mehr Arbeit – bei gleichem Lohn. Und an diesem hängen ihre Existenzen. Was ist man also bereit hinzunehmen, nur um seine Arbeit zu behalten?

Der Arbeitgeber taktiert  

Das ist die Kernfrage im Theaterstück „7 Minuten Betriebsrat“ des Italieners  Stefano Massini, das in dieser Saison im Staatstheater Mainz aufgeführt wird. „Ich fühlte mich wie jeden Mittwoch um 13:00 Uhr, denn das ist der wöchentliche Termin unserer Betriebsratssitzung“, sagt Kerstin Sburlea, Betriebsratsvorsitzende der Firma optoVision in Langen. „Sowohl die Taktik des Arbeitgebers, erst ganz spät auf den Punkt zu kommen als auch die weitreichenden Auswirkungen vieler wichtiger Entscheidungen im Gremium wurden sehr realistisch dargestellt.“

Packende Darstellung

Tatjana Jerz ist Betriebsratsmitglied der Firma Novo Nordisk in Mainz. Ihr Eindruck: „Die Darstellung war realistisch und packend. Häufig schwingt bei solchen Entscheidungen die Angst mit, wenn ich den kleinen Finger gebe, reißt man mir gleich den ganzen Arm aus.“ Und noch was kam gut rüber, sagt sie: „Dass es oft gar nicht so einfach ist, mit einer Befürchtung allein da zu stehen und die Angriffe der anderen Betriebsräte auszuhalten.“ Zum Glück sei das in ihrem Gremium anders.

Keine schnellen Lösungen akzeptieren

Denn ganz wie im richtigen Betriebsratsleben treffen auf der Bühne auch unterschiedliche Charaktere, Meinungen und Schicksale aufeinander. In einer hitzigen Diskussion ringt jede Kollegin um ihre Position. Schließlich tragen alle Verantwortung für die Arbeiterinnen. Keine einfache Situation – das fand auch  Peter Rohenkohl, Betriebsratsvorsitzender bei Novo Nordisk. Er warnt davor, sich in schwierigen Verhandlungen unter Druck setzen zu lassen: „Ein Angebot für eine schnelle einfache Lösung kann eine Verführung sein, nicht weiter zu hinterfragen.“

Verhandeln als Gratwanderung

Peter Rohenkohls Rat an Kollegen: „Die Kunst bei jeder Verhandlung und Entscheidung ist, die Grenzen auszuloten und sich dabei weder von Angst verleiten zu lassen, noch zu früh zufrieden zu sein.“ Und ganz wichtig: „Auch wenn es auf der Bühne kaum eine Denkpause und nichts zu lachen gab - im wahren Leben und auch in schwierigen Verhandlungen sollte das immer noch Platz haben!“

Und wie geht´s aus?

Spannend war es bis zum Schluss, sagen alle Besucher einstimmig. Die Abstimmung hat es den einzelnen Mitgliedern nicht leichter gemacht, ihren Weg zu finden – eine Kollegin hatte am Ende den sprichwörtlichen Schwarzen Peter. Wer das war und wie das Ganze ausgeht – das soll hier nicht weiter verraten werden. Sehen Sie selbst! Weitere Vorstellungen gibt es am 3., 8. und 11. April im Staatstheater Mainz. Einen Eindruck vom Stück bietet ein Filmausschnitt unter: http://www.staatstheater-mainz.com/web/veranstaltungen/schauspiel-17-18/7minuten

Karten und Informationen unter: www.staatstheater-Mainz.com

(Claudia Stiel)

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