Kommunale Unternehmen

In der Chefetage hat Frau das Nachsehen

17. Juli 2020
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Quelle: © Peggy Blume / Foto Dollar Club

Kommunale Unternehmen sind in den Führungsetagen immer noch männerdominiert. Im Vergleich aller 16 Bundesländer ist im Durchschnitt gerade einmal jede fünfte Führungsposition mit einer Frau besetzt. Das zeigt eine Studie der der Zeppelin Universität Friedrichshafen.

Die ZU-Forscher konnten im bundesweiten Schnitt im Vorjahresvergleich zwar einen Anstieg von 0,4 Prozentpunkten bei Frauen in Top-Managementpositionen öffentlicher Unternehmen feststellen, dennoch haben Frauen fast immer das Nachsehen, zum Beispiel bei Neubesetzungen. Vakante Führungspositionen wurden zu 78 Prozent durch einen Mann neu besetzt, nur bei 22 Prozent durch eine Frau. Das Fazit lautet daher ganz klar: Frauen sind in öffentlichen Unternehmen in der Chefetage unterrepräsentiert.  

Studienleiter Professor Dr. Ulf Papenfuß, Inhaber des Lehrstuhls für Public Management & Public Policy an der ZU, fordert von der öffentlichen Hand, durch konkrete Maßnahmen ihre gesellschaftspolitische Vorbildfunktion und ihre Einflussmöglichkeiten als Eigentümerin wahrzunehmen.

Papenfuß und sein Forscherteam haben in allen 16 Bundesländern die Daten von 69 Städten und 1.469 Unternehmen mit 2.200 Führungskräften auf Frauen in leitenden Organen wie Geschäftsführung, Geschäftsleitung und Vorstand durchleuchtet. Einbezogen waren neben den Landeshauptstädten und den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen auch die jeweils vier größten Städte der Länder. Das Forscherteam richtete dabei den Blick auf insgesamt 20 Branchen, an denen die öffentliche Hand beteiligt ist, wie etwa Abfallwirtschaft, Krankenhäuser, Messen, öffentlicher Personennahverkehr, Sozialeinrichtungen oder Stadtwerke.

Der Osten hat die Nase vorn

Den höchsten Anteil an Frauen im Top-Management erreichten erneut die Städte ostdeutscher Bundesländer: in Brandenburg (22,5 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (23,4 Prozent), Thüringen und Sachsen (je 24,7 Prozent). Während auch die Stadtstaaten Berlin (35,7 Prozent) und Bremen (24,7 Prozent) ihre Spitzenpositionen beibehalten, bilden die Städte in Niedersachsen (13,0 Prozent) vor Schleswig-Holstein (10,4 Prozent) und Rheinland-Pfalz (10,3 Prozent) die Schlusslichter. Offenbach am Main ist mit mehr als 50 Prozent die Stadt mit dem höchsten Anteil von Frauen in Führungspositionen. Ganz anders in Heidelberg: Hier hat in kommunalen Unternehmen laut Studie keine einzige Frau das Sagen.

Gleichstellungs-Kodex könnte Abhilfe schaffen

Neben vielen weiteren Maßnahmen sollte in allen Gebietskörperschaften auch das Thema Public Corporate Governance Kodex auf die Tagesordnung von allen Stadt- und Gemeinderäten beziehungsweise entsprechenden politischen Organen gesetzt werden, fordert Papenfuß, um in Zukunft auch in diesem Bereich Frauen in Führungspositionen zu bekommen.

Hier geht es zur Studie!

© bund-verlag.de (mst)

Quelle: 

Pressemitteilung der Zeppelin Universität Friedrichshafen vom 14.07.2020

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