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Homeoffice

Mobiles Arbeiten stresst die Familie

22. Oktober 2018 Homeoffice, Mobile Arbeit, Studie
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Quelle: © Kzenon / Foto Dollar Club

Mobiles Arbeiten führt nicht automatisch zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Viele Arbeitnehmer vermissen gar die klare Trennung von Beruf und Privatleben. »Richtige« Freizeit gibt es nicht mehr. Konflikte innerhalb der Familie nehmen zu. So die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft.

Mobiles Arbeiten und Homeoffice haben viele Vorteile – gerade für Familien. Ein Elternteil ist immer zu Hause. Die Arbeit kann so über den Tag verteilt werden, dass die beruflichen Aufgaben erledigt werden, wenn die Kinder z.B. gerade ihren Mittagsschlaf machen. Das spart Kosten für die Kinderbetreuung. Fahrtzeiten zum Büro und zurück nach Hause fallen weg.

Allerdings birgt das Arbeiten zu Hause auch Risiken. Gerade für die Familie, wie die Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (WI) jetzt feststellte. So kommt es häufig zu Streit, da Beschäftigte auch in der Freizeit arbeiten und die Familie – für die man eigentlich mehr Zeit haben wollte – doch zu kurz kommt. Für viele Arbeitnehmer im Homeoffice ist gerade die Vermengung von Privat- und Berufsleben besonders belastend.

Keine Trennung von Beruf- und Privatleben mehr

»Mobil arbeitende Menschen müssen häufiger als andere Beschäftigtengruppen in Kauf nehmen, dass sich private und berufliche Sphäre gegenseitig stören können. Nicht für jeden ist dies erstrebenswert«, heißt es in der Untersuchung. »Wer internetgestützt räumlich und zeitlich flexibel arbeitet, hat zwar mehr Zeitsouveränität im beruflichen Alltag, erfülle im Gegenzug während der Freizeit (beziehungsweise in den Tageszeiten, die ansonsten üblicherweise für private Aktivitäten reserviert sind, etwa am Abend) signifikant häufiger berufliche Aufgaben«, so Arbeitsmarktforscher Oliver Stettes, Autor der Studie.

Mehr Beruf-Familie-Konflikte durch flexibles Arbeiten

»Flexibles Arbeiten erhöht die Wahrscheinlichkeit von Beruf-Familie-Konflikten«. Zwei Drittel der mobilen Computerarbeiter in Deutschland und sogar drei Viertel dieser Beschäftigten in der Europäischen Union (EU) haben »meistens oder immer das Gefühl, dass ihre Arbeit sie davon abhält, ihrer Familie so viel Zeit zu widmen, wie sie es wollten«. Dieses Gefühl trete zwar auch bei anderen Beschäftigtengruppen auf, aber zum Teil deutlich seltener.

Rund die Hälfte der mobilen Computerarbeiter in Deutschland und der EU empfindet es als schwierig, sich angesichts vorhandener familiärer Verpflichtungen auf die Arbeit zu konzen­trieren, oder sieht sich gezwungen, das zeitliche Engagement im Beruf zu verringern.

Natürlich seien die Probleme mit der Familie nicht für jeden Arbeitnehmer relevant. Man müsse sich nur bewusst sein, dass der Wunsch nach mehr räumlicher und zeitlicher Flexibilität die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben durchlässiger mache und diese Konflikte eher auftreten können, so der Forscher.

Mehr zum Thema »Homeoffice« lesen Sie in unserer Meldung: »Weniger Kontrolle durch den Chef zahlt sich aus«.

Quellen:

Berliner Morgenpost, Meldung vom 28.9.2018; WAZ, Meldung vom 28.9.2018

© bund-verlag.de (ls)

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