Aktuell in "Der Personalrat"

Wissen, wo der Schuh drückt

22. April 2020
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Christine Behle ist Stellvertretende Vorsitzende im ver.di-Bundesvorstand und unter anderem für Beamte und den öffentlichen Dienst zuständig. Im Interview erklärt sie, warum eine Anerkennung wie der »Deutsche Personalräte-Preis« so wichtig ist.


Frau Behle, warum sind Sie der Jury beigetreten?

Der Deutsche Personalräte-Preis ist eine hervorragende Gelegenheit, gute Personalrats-oder auch JAV-Arbeit zu würdigen. Viel zu selten hat sie nicht den Stellenwert in der Dienststelle, den sie eigentlich verdient, und auch viel zu selten geben Personalräte mit ihrer guten Arbeit an. Aber genau das braucht es. Getreu dem Motto: Tue Gutes und rede darüber! Sich für andere einzusetzen, für sie einzustehen, für Beschäftigte gute Arbeitsbedingungen mitzugestalten, das ist nicht mehr selbstverständlich. Dabei ist es genau das, wofür wir als Gewerkschaften jahrelang gestritten haben. Mitbestimmung! Natürlich auch im öffentlichen Dienst. Auch Tarifverträge geben den Beschäftigten Souveränität, aber Tarifverträge müssen in der Dienststelle ankommen. Hier sind die Personalräte sowie die Jugend- und Auszubildendenvertreterinnen und -vertreter Hüter der tarifvertraglichen Regelungen. Und Gestalterinnen und Gestalter.

 

Warum ist das Engagement von PersonalrätInnen so wichtig?

In der öffentlichen Wahrnehmung denken viele: »Ach, dem öffentlichen Dienst, denen geht es doch allen gut. Die haben alle keinen Grund zu meckern«, aber das stimmt zum einen nicht pauschal, zum anderen kommen gute Arbeitsbedingungen nicht von ungefähr. Wir haben viele Bereiche im öffentlichen Dienst, da knirscht und kracht es zum Teil.
Es gibt zu wenig Personal, die seit Jahren andauernde Sparpolitik hat ihre Spuren hinterlassen. Personalräte und JAVen, die im Interesse der Beschäftigten einen Blick für die Arbeitsbedingungen haben, sind wichtiger Bestandteil von Guter Arbeit. Früher war die Arbeit der Personalräte oft geprägt von einem Kampf gegen die Sparpolitik mit allen ihren Auswirkungen, zum Beispiel Privatisierungen. Heute sind die Anforderungen an Personalratsarbeit sowie an die einzelnen Mitglieder in Personalräten vielfältiger: neue Technik, die in einem rasanten Tempo eingeführt wird oder werden soll, die ohne Expertenwissen kaum zu durchdringen ist, kleine Personalräte und teilweise auch weniger engagierte Kollegen und Kolleginnen, die für die Personalratsarbeit zu gewinnen sind, zählen dazu.

Welchen Herausforderungen muss sich der öffentliche Dienst stellen?

Zu den großen Herausforderungen wird sicherlich die voranschreitende Digitalisierung im öffentlichen Dienst zählen, aber auch die Qualifizierung von Quereinsteigern und die Ansprüche von Beschäftigten zu individuellen Arbeitsbedingungen. Aber auch das Nachfolgemanagement im Personalrat selbst wird in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle spielen. Die Rechte von Personalräten müssen wir daher ausbauen. Das Betriebsverfassungsgesetz kann hier ein Vorbild sein und es ist nur zeitgemäß, die Mitbestimmung auch im öffentlichen Dienst entsprechend auszubauen.

Können aus den eingereichten Projekten Trends abgeleitet werden?

Durchaus. Problemlagen, die bekannt sind, finden sich selbstverständlich auch in den eingereichten Projekten wieder. Im vergangenen Jahr haben wir einen starken Fokus auf Arbeitszeitfragen gesehen. Beschäftigte wollen selbstständiger über ihre Zeit entscheiden, Beruf und Leben gut vereinbaren können und bis zur Rente sowie darüber hinaus gesund bleiben.

Was würden Sie PersonalrätInnen und anderen Interessenvertretern wie SBVen oder JAVen raten, um erfolgreich Projekte im Sinne der KollegInnen umzusetzen?

Beteiligung! Mehr Beteiligung! Beschäftigte wollen mitentscheiden. Und Personalräten bietet das die Chance, ihre Kollegen und Kolleginnen mitzunehmen und genau zu wissen, wo der Schuh drückt. Am Fragen und Zuhören führt kein Weg vorbei!

► Zum Beitrag "Wissen, wo der Schuh drückt" in der Zeitschrift "Der Personalrat" 4/2020, S.6.

Bewerben Sie jetzt! - Bewerbungschluss ist der 31.5.2020 (Posteingang).

 

 

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