DGB-Personalreport

Personaldecke weiter dünn

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Quelle: Wolfilser_Dollarphotoclub

Der DGB hat im Oktober den Personalreport 2018 vorgestellt. Niels Spilker, Politischer Referent in der Abteilung Öffentlicher Dienst und Beamtenpolitik beim DGB, gibt im Interview mit der Fachzeitschrift »Der Personalrat« 1/2019 einen kurzen Einblick in die Statistik und legt dar, warum die Zahlen nur auf den ersten Blick freundlich winken.

Kollege Spilker, laut DGB-Personalreport gibt es im öffentlichen Dienst im Vergleich zum Vorjahr knapp 50.000 Beschäftigte mehr. Ist das nicht ein positives Zeichen?

Auf den ersten Blick wirken diese Zahlen erfreulich. In einzelnen Bereichen des öffentlichen Dienstes wurde auch 2017 mehr Personal eingestellt. Damit setzt sich die Entwicklung der letzten Jahre fort. Mehr Personal gab es im Bereich Sicherheit und Ordnung, bei den Hochschulen und bei der kommunalen Kinderbetreuung.

Was zeigt ein zweiter Blick auf die Zahlen?

Dass in vielen Bereichen weiterhin Personal fehlt. Der Personalzuwachs ist ja kein Garant für eine ausreichende Personalausstattung. Auch wenn zum Beispiel die kommunalen KITAs zugelegt haben, fehlt dort weiterhin Personal und es wird zu wenig ausgebildet. Andere Bereiche verlieren Personal. Im kommunalen Aufgabenbereich Bauen etwa gab es in den letzten fünf Jahren einen Rückgang um 9.500 Stellen. Und nicht zuletzt: Die Zahl der Befristungen im öffentlichen Dienst ist erneut gestiegen.

Wie wirkt sich das auf die Beschäftigten aus?

Die Belastung für die Beschäftigten ist sehr hoch. Wir haben für den Personalreport zwei Interviews geführt, eines davon in der Bauverwaltung in Hannover: Die Personalrätin hat uns berichtet, dass dort nach der Phase mit dem massiven Personalabbau ab 1994 in den letzten Jahren zwar wieder zusätzliches Personal eingestellt wurde, dass aber die Personaldecke weiterhin löchrig ist, weiterhin fehlt Personal. Dazu kommt das Problem, in den technischen Berufen Beschäftigte zu gewinnen. An der Berufsschule, die wir besucht haben, sieht es nicht anders aus. Hier haben sich in der letzten Einstellungsrunde nur Quereinsteiger beworben, also Menschen ohne pädagogische Ausbildung. Das ist nicht per se schlimm. Aber es ist eine Belastung für das restliche Kollegium, das die Einarbeitung unterstützen muss.

Wo sieht der DGB Handlungsbedarf?

Die Situation hat schon eine gewisse Dramatik. In den nächsten zehn Jahren werden knapp 27 Prozent der Beschäftigten altersbedingt aus dem öffentlichen Dienst ausscheiden. Insofern muss man dieses Thema wirklich ernst nehmen. Wir brauchen eine verpflichtende Personalbedarfsplanung, wir brauchen mehr Ausbildung im öffentlichen Dienst und nicht zuletzt attraktive und konkurrenzfähige Arbeitsbedingungen.

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