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Arbeit 4.0

Arbeitsrecht in digitalen Zeiten

27. August 2015

Alle Welt redet über »Arbeit 4.0«. Doch was kommt da wirklich auf uns zu? Wollen wir warten, bis das Arbeitsrecht in den Brunnen gefallen ist? Unser Autor Prof. Dr. Wolfgang Däubler klärt auf und nennt die Gefahren beim Namen.

1. Das Schlagwort ist derzeit „Arbeit 4.0“. Was heißt das eigentlich?

Immer mehr Arbeit wird ins Internet verlagert. Die Dinge regulieren sich scheinbar von selbst: Der Zubringer auf dem Flughafen fährt ohne Führer, mit Hilfe von RFID lässt sich genau bestimmen, wie weit ein Produkt gediehen ist und wo es sich gerade befindet. Das Auto parkt sich selbst ein. Die menschliche Arbeitskraft wird nur noch zur Kontrolle benötigt – so die Vorstellung im Modell. Natürlich wird es weiter Menschen geben, die diese intelligenten Geräte konstruieren, und man wird auch in Zukunft »Humandienstleistungen« in der Schule, im Pflegeheim und bei der Polizei benötigen.

2. Gibt es Gefahren für die Arbeitenden?

Ja, in der digitalen Welt wird vieles automatisch gemacht, wofür man heute Menschen braucht. Das vernichtet Arbeitsplätze. Außerdem schafft das Internet die Möglichkeit, unmittelbar auf Arbeitskräfte aus der ganzen Welt zurück zu greifen. Eine Software kann auch in Indien getestet, ein neues Firmenlogo in Argentinien entwickelt, eine maschinelle Übersetzung ins Englische in Ghana überprüft werden. Die Arbeit wird von der »Crowd«, der unübersehbaren Zahl der Internet-Nutzer erledigt. In vielen Ländern ist man da mit zwei Dollar die Stunde zufrieden.

3. Brauchen wir neue Gesetze?

Wir müssen erst mal Problembewusstsein schaffen, bevor das Kind in den Brunnen fällt. Dazu gehört auch, dass mit der dauernden Erreichbarkeit Schluss ist, dass sich die Arbeit nicht mehr über das ganze Privatleben legt. Am besten wäre hier ein Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats über die Arbeitsmenge, die dem Einzelnen zugeteilt wird. Und eine zweite Forderung: Wer als »crowdworker« einen Auftrag im Internet übernimmt, sollte wie ein Arbeitnehmer behandelt werden – Mindestlohn, Arbeitszeitbegrenzung, Möglichkeit zur Wahl eines Betriebsrats.

Dr. Wolfgang Däubler ist Professor für Deutsches und Europäisches Arbeitsrecht, Bürgerliches Recht und Wirtschaftsrecht an der Universität Bremen und Referent zu zahlreichen aktuellen Datenschutzfragen.

Lesetipp der Redaktion:

Wolfgang Däubler

Internet und Arbeitsrecht
Web 2.0, Social Media und Crowdwork

Bund-Verlag, Frankfurt am Main, 2015

538 Seiten

ISBN 978-3-7663-6427-2

Ladenpreis: 29,00 €

© bund-verlag.de (ls)

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