• Meldungen
Weißbuch Arbeiten 4.0

Arbeitswelt der Zukunft

25. Januar 2017
Dollarphotoclub_88193113
Quelle: fotohansel_Dollarphotoclub

Nach langen Diskussionen hat die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles das Weißbuch Arbeiten 4.0 vorgelegt. Es soll einen fairen Kompromiss herstellen zwischen den Wünschen der Arbeitgeber nach mehr Flexibilität und den Interessen der Arbeitnehmer. Hilft es beim Bewältigen der Herausforderungen in der digitalen Arbeitswelt? Die  »Computer und Arbeit« (CuA) 1/2017 hat beim DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach nachgefragt.

Was ist von dem vorgelegten Weißbuch zu halten? Weißt es in die richtige Richtung?

: Gut 18 Monate nach der Vorstellung des »Grünbuch Arbeiten 4.0« und intensiver Debatte hat das Bundesarbeitsministerium Ende November 2016 das »Weißbuch Arbeiten 4.0« präsentiert. Es ist in der Tat ein Diskussionsentwurf, der viele wichtige Aspekte und richtige Zielvorstellungen beinhaltet. Es fehlt jedoch ein konsistentes Konzept zur Bewältigung der digitalen Transformation der Arbeitswelt.

Was heißt das genau? Und was bedeutet das für die immer wichtiger werdende Qualifizierung der Beschäftigten?

:

Das betrifft vor allem den Zusammenhang von Arbeitszeitflexibilität, Qualifizierung und Mitbestimmung. Der Dialogprozess hat unterstrichen, dass die berufliche Mobilität maßgeblich für die Beschäftigungsperspektiven für Arbeitnehmer und Unternehmen ist. Einigkeit besteht auch darüber, dass Qualifizierung und Weiterbildung einen ganz neuen Stellenwert erhalten müssen. Offen ist jedoch die Frage über die Wege, um die beruflichen Kompetenzen an die digitalen Herausforderungen anzupassen. Es geht dabei um Empowerment, also die Ermöglichung, Kompetenzen auszubauen und neu zu erwerben. Berufliche Mobilität erfordert einen Kulturwandel bei Arbeitgebern und Beschäftigten, Zeit und Geld. Dafür braucht es Unterstützung durch politische Angebote, damit das »lebenslange Lernen« nicht länger eine Schimäre bleibt.

Der Ausbau der Weiterbildungsinfrastruktur und Qualifizierungsberatung für Beschäftigte ist dafür ein erster guter Schritt. Es braucht jedoch schnell Klarheit über den politischen Willen, wie die berufliche Mobilität durch Weiterbildung finanziell gefördert werden soll. Dabei muss beachtet werden, dass vor allem diejenigen, die individuell nicht über finanzielle Möglichkeiten oder zeitliche Ressourcen verfügen, unterstützt werden können. Ein besonderer Fokus sollte auch auf der Unterstützung von tariflichen Strukturen und Instrumenten liegen.

Die Gestaltung der Arbeitszeit rückt im Zuge des digitalen Wandels immer mehr in Mittelpunkt. Was ist von der neuen Arbeitszeitflexibilität zu halten?

: Die Arbeitszeitgestaltung ist eine weitere entscheidende Dimension. Ein Ansatz, der einen Anknüpfungspunkt zu einer Qualifizierungsstrategie bietet, ist das geplante Recht auf befristete Teilzeit mit Aufstockungsanspruch. Ein solcher Rechtsanspruch kann helfen, Freiräume für Qualifizierungszeiten zu ermöglichen und diese Ansprüche durchzusetzen. Gleiches gilt aber auch für die Selbstbestimmung der Beschäftigten. Nur 38 Prozent können zum Beispiel über Anfang oder Ende der Arbeitszeit mitbestimmen. Bei den Aufgaben, die zu bewältigen sind, sind die Mitsprachemöglichkeiten noch schlechter. Hier helfen sowohl Rechtsansprüche zur Gestaltung mobiler Arbeit wie Homeoffice als auch bessere Mitbestimmungsrechte.

Welche Rolle kommt der Mitbestimmung noch zu?

:

Die Mitbestimmung ist die dritte entscheidende Dimension für ein Konzept, um den digitalen Wandel erfolgreich zu gestalten. Dazu gehört die Einführung eines Initiativrechts, um Qualifizierungsmaßnahmen oder solche zur gesundheitlichen Prävention durchzusetzen. Mitbestimmungsrechte sind ebenso notwendig, um bei einer regelmäßigen Überschreitung der Arbeitszeit einen Personalausgleich zu erreichen. Angesichts der zunehmenden Ergebnisorientierung ist das besonders wichtig, um Überlastungen zu vermeiden. Die Schutzfunktion des Arbeitszeitgesetzes, das schon heute eine hohe Flexibilität bietet, darf nicht in Frage gestellt werden. Auch im Hinblick auf den Beschäftigtendatenschutz ist wirksame Mitbestimmung wichtig.

Mehr lesen im Magazin der CuA 1/2017, 6 f. Noch


Mitglied des Geschäftsführenden Bundesvorstandes beim Deutschen Gewerkschaftsbund, zuständig für Sozialpolitik, Arbeitsmarktpolitik, Europapolitik; Alternierende Vorsitzende des Verwaltungsrats der Bundesagentur für Arbeit; Alternierende Vorsitzende des Bundesvorstands der Deutschen Rentenversicherung Bund; Vorsitzende des Aufsichtsrates der DGB Index Gute Arbeit GmbH.


Lothar Schröder Die digitale Treppe Wie die Digitalisierung unsere Arbeit verändert und wie wir damit umgehen 2017, 208 Seiten, gebunden, 1. Aufl. ISBN: 978-3-7663-6594-1 Verlag: Bund-Verlag, Preis 29,90 €

Mehr Informationen. Jetzt bestellen!

 

 

© bund-verlag.de (ol)
AiB-Zeitschriften-Banner_2017_Frau_viertel - Anzeige -

Das könnte Sie auch interessieren

Schwerbehindertenausweis_42155042
Schwerbehindertenrecht - Aus den Fachzeitschriften

Keine Kündigung Schwerbehinderter ohne SBV

Streit Auseinandersetzung Konflikt Schlägerei Argumente
Unfallversicherung - Rechtsprechung

Schläge durch Kollegen sind versichert

Dollarphotoclub_62420717_160503
Sonderkündigungsschutz - Aus den Fachzeitschriften

Wie Betriebsräte gegen Kündigungen geschützt sind