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Befristung

Eine Serienrolle ist nicht unbefristet

01. September 2017

Seit 1977 produziert und sendet das ZDF die Krimiserie »Der Alte«. Doch auch ein jahrzehntelanges Engagement als Kommissar-Darsteller in diesem Klassiker ist kein Selbstläufer und rechtfertigt keinen unbefristeten Vertrag für den Schauspieler – so das BAG.

Schauspieler klagt auf Entfristung

Der Kläger ist Schauspieler und stellte in der vom ZDF ausgestrahlten und von der Beklagten im Auftrag des Fernsehsenders produzierten Krimiserie »Der Alte« 18 Jahre lang den Kommissar »Axel Richter“ dar. Die Parteien schlossen jeweils sog. »Mitarbeiterverträge« bzw. »Schauspielerverträge« ab, die sich auf einzelne Folgen oder auf die in einem Kalenderjahr produzierten Folgen bezogen.

Kettenbefristung über 18 Jahre?

Zuletzt wurde der Kläger durch Vertrag vom 13./16. Oktober 2014 in der Zeit bis zum 18. November 2014 für insgesamt 16 Drehtage zur Produktion der Folgen Nr. 391 und 392 verpflichtet. Der Kläger hat die Auffassung vertreten, die Befristung in dem zuletzt geschlossenen Arbeitsvertrag sei mangels Sachgrunds unwirksam; außerdem liege eine unzulässige »Kettenbefristung« vor.

BAG: Fernsehkommissare müssen gehen

Die Vorinstanzen  haben die Befristungskontrollklage abgewiesen. Die Revision des Klägers hatte vor dem Siebten Senat des Bundesarbeitsgerichts (BAG) keinen Erfolg. Die Befristung des mit dem Kläger zuletzt geschlossenen Vertrags vom 13./16. Oktober 2014 ist nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 TzBfG durch die Eigenart der Arbeitsleistung sachlich gerechtfertigt. Ebenso wies das BAG die Klage des Schauspielers ab, gerichtete Klage eines weiteren Schauspielers abgewiesen, der 28 Jahre lang die Rolle des Kommissars »Werner Riedmann« in der Krimiserie »Der Alte« besetzte (BAG, 30.08.2017 - 7 AZR 440/16).

Eigenart rechtfertigt Befristung

Das BAG entschied, die »Eigenart der Arbeitsleistung« im Sinne von § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) rechtfertige auch die Befristung des Arbeitsvertrags einer Filmproduktionsgesellschaft mit einem Schauspieler, der aufgrund einer Vielzahl von befristeten Arbeitsverträgen langjährig in derselben Rolle einer Krimiserie beschäftigt wurde. Durch den in § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 TzBfG geregelten Sachgrund soll die Befristung von Arbeitsverhältnissen ua. in dem durch die Kunstfreiheit (Art. 5 Abs. 3 GG) geprägten Gestaltungsinteresse des Arbeitgebers ermöglicht werden. Bei der gebotenen verfassungskonformen Auslegung und Anwendung des Sachgrunds in § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 TzBfG darf aber nicht allein die Kunstfreiheit Beachtung finden.

Abwägung zum Nachteil des Schauspielers

Vielmehr ist auch dem nach Art. 12 Abs. 1 GG (Grundgesetz) zu gewährleistenden Mindestbestandsschutz des künstlerisch tätigen Arbeitnehmers Rechnung zu tragen. Dies gebietet eine Abwägung der beiderseitigen Belange, bei der auch das Bestandsschutzinteresse des Arbeitnehmers angemessen Berücksichtigung finden muss. Die Interessenabwägung ist Bestandteil der Sachgrundprüfung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 TzBfG.

Künstlerische Freiheit des Produzenten hat Vorrang

Die Befristungskontrollklage hatte danach keinen Erfolg. Die Entscheidung der Beklagten, die Rolle des Klägers nur befristet zu besetzen, beruht auf künstlerischen Erwägungen, die von der Beklagten umgesetzt wurden. Die langjährige Beschäftigung des Klägers in der Rolle des Kommissars »Axel Richter« in der Krimiserie »Der Alte« überwiegt nicht das Interesse an einer kurzfristig möglichen Fortentwicklung des Formats durch die Streichung der vom Kläger bekleideten, im Kernbereich des künstlerischen Konzepts liegenden und die Serie mitprägenden Rolle.

© bund-verlag.de (ck)

 
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