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Interview

Generation Z: So ticken die Digital Natives

30. August 2017
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Quelle: pixabay

Wer nach 1995 geboren ist, gehört der »Generation Z« an, sagt Generationenforscher Professor Christian Scholz. Die Z-ler haben die Wirtschaftskrise miterlebt und beobachtet, wie gehypte Firmen ihre Mitarbeiter plötzlich rauswerfen. Das hat sie geprägt und für das Arbeitsleben sensibel gemacht. Sie wollen mitreden, mitbestimmen und lassen sich nicht alles gefallen. Als Betriebsräte allerdings werden die Mitglieder der Generation Z dennoch seltener auftrumpfen. Der Z-Experte Scholz erklärt, warum.

Ganz kurz zur Erläuterung: Was ist unter den Generationen Y und Z zu verstehen?

Zunächst einmal versteht man unter einer Generation ein Wertemuster, das man sich unbewusst in der Jugend aneignet und dem man im wesentlichen sein ganzes Leben treu bleibt.

Die Vertreter der »Generation Y« sind ungefähr ab 1980 geboren, tauchen also ab dem Jahr 2000 verstärkt auf dem Arbeitsmarkt auf. Deshalb nennt man sie auch »Millennials«. Der Arbeitsmarkt war damals gekennzeichnet durch die sogenannte »New Economy« mit extremem wirtschaftlichen Aufschwung. Bei dieser Generation verschmelzen Privatleben und Beruf zu einem maximalen Work-Life-Blending (Anm. d. Red:: fließendes ineinander Übergehen von Leben und Arbeit). Die Logik dieser Generation: Wer hart arbeitet und Ellenbogen mitbringt, für den ist Karriere nicht mehr zu vermeiden. Diese im Regelfall sehr optimistische Generation ist zudem geprägt durch moderne Kommunikationsmedien: Daher nennt man sie auch »Digital Natives«.

Im Bereich von 1990 bis 1995 sieht man den Start der nächsten Generation, die man fantasielos als »Generation Z« bezeichnet. Diese »Generation Z« ist völlig anders, weil sie zum einen die Euphorie der »New Economy« nicht erlebt habt, zum anderen aber die Schattenseiten von Work-Life-Blending und übersteigertem Karrierestreben bei Freunden und Verwandten sieht. Deshalb will die »Generation Z« nicht länger in ein betriebliches Hamsterrad einsteigen. Sie will ganz klar zwischen Arbeitswelt und Privatleben trennen, verlangt also eine »Work-Life-Separation«. Beide Bereiche sind aber für die »Generation Z« Lebenszeit, die es optimal auszugestalten gilt. Sie will also Wohlfühlen und Sinn in der Arbeit ebenso wie im Privatleben.

Worin unterscheiden sich die Vertreter beider Generationen in Punkto Betriebsrats-Arbeit? Wie geht die jeweilige Gruppe auf den Betriebsrat zu? Wie muss andererseits der Betriebsrat auf die Gruppe zugehen?

Für die »Generation Y« sind Betriebsräte und Betriebsrat absolut »un-cool«. Zum Betriebsrat zu gehen ist ein klares »No-Go« , weil der Besuch beim Betriebsrat faktisch gar nicht nötig ist: Denn wenn sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Wesentlichen darin einig sind, Arbeitnehmerschutzrechte zu ignorieren, dann stört der Betriebsrat allenfalls. Wenn also beispielsweise beide, Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Arbeitszeiten ausweiten wollen, weil beide darin einen Sinn sehen, dann ist das eine stillschweigende Vereinbarung, die zwar nicht rechtens, aber praktisch ist: Der Arbeitgeber bekommt Flexibilität, der Arbeitnehmer Geld und andere Vergünstigungen. Der Betriebsrat kommt allenfalls dann ins Boot, falls es Streitigkeiten und Unstimmigkeiten gibt. Ganz anders sieht es bei der »Generation Z« aus. Das deutsche Arbeitsrecht ist scheint passgenau für sie geschaffen zu sein, mit allen ihren Wünschen nach Struktur, Regeln und Schutzverordnungen. Daher versteht es sich von selbst, dass sich zwischen der »Generation Z« und dem Betriebsrat eine liebevolle Symbiose entwickelt. Die »Generation Z« wird regelmäßig beim Betriebsrat erscheinen und mit diesem gemeinsam die Aktivitäten der Führungskraft auf Korrigierbarkeit hin untersuchen. Dass die Generation beim Betriebsrat auf ein offenes Ohr und viel Zuspruch stößt, liegt auf der Hand. Das alles bedeutet aber nicht, dass die »Generation Z« sich unbedingt an der Arbeit des Betriebsrats aktiv beteiligen möchte. Sie sieht in ihm eher eine Service-Einrichtung, die ihr Hilfe zur Selbstoptimierung liefern muss.

Wenn Sie feststellen, dass die »Generation Z« den Betriebsrat nicht als Gremium sieht, bei dem sich der aktive Einsatz lohnt, sondern eher als Mittel und Mittler für bessere eigene Arbeitsbedingungen – inwiefern kann ein Betriebsrat dennoch von der Z-Generation profitieren und was muss er tun, um diese zur aktiven Beteiligung zu bewegen?

Die »Generation Z« wird sich nicht aktiv in eine Mitbestimmungsdiskussion einbringen. Sie hat eine große Abneigung gegen die Politik. Ein Besuch beim Betriebsrat oder ein Eintritt in die Gewerkschaft ist für sie kein Ausdruck politischer Überzeugung, sondern ein simples und gegebenenfalls auch kurzfristiges Nutzenkalkül. Deshalb nutzt es dem Betriebsrat allenfalls vordergründig, wenn er sich hier wie Jeanne d'Arc mit flammendem Schwert vor die schützenswerte Generation Z stellen lässt. Der Betriebsrat braucht eine klare Strategie im Umgang mit der »Generation Z« : Er muss erstens ganz genau lernen, die »Generation Z« zu verstehen, also zu begreifen, warum sie wie »tickt«. Zweitens muss er noch mehr als bei allen anderen Generationen offensiv den gesellschaftspolitischen Diskurs pflegen. Dazu nützen ältere und gesättigte Funktionäre wenig, die stolz auf ihre jahrzehntelange Betriebsrats-Karriere verweisen. Vielmehr müssen Mitglieder aus der Jugend- und Auszubildendenvertretung die alleinigen Kontaktpersonen werden. Drittens darf sich der Betriebsrat nicht als Kampforganisation gegen die Führungskräfte verstehen. Er muss vielmehr auf die Führungskräfte zugehen und mit ihnen gemeinsam Umgangsformen zur »Generation Z« suchen.

Worin sehen Sie die Aufgabe der Gewerkschaften in diesem Prozess?

Auf die Gewerkschaften kommt eine ganz große Verantwortung zu, die sie aber soweit für mich ersichtlich überhaupt auch nicht ansatzweise annehmen wollen: Die meisten Regelungen, die von Unternehmensvertretern beispielsweise im Zusammenhang mit der Digitalisierung und mit der Industrie 4.0 als Gesetzesänderung oder als betriebliche Regelung eingeführt werden sollen, verletzen fundamental das Weltbild der »Generation Z«. Da spielt es auch keine Rolle, wenn einige Gewerkschafter glauben, dass die ältere »Generation Y« neue Arbeitszeitordnungen statt klaren Regelungen und offene Büros mit Desk-Sharing statt Team-Büro mit eigenem Schreibtisch präferieren. Denn zum einen nimmt dazu die Bereitschaft bei dieser Generation drastisch ab und zum andern ist die »Generation Z« kategorisch dagegen. Aber wie gesagt: Hier werden die Gewerkschaften kaum aktiv und lassen sich wie lokale Betriebsräte gnadenlos instrumentalisieren. © bund-verlag.de (mst)
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