Betriebsratsarbeit

Betriebsversammlung: Vorhang auf für den Betriebsrat!

14. Juni 2021
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Corona macht nicht nur Betriebsratssitzungen, sondern auch Betriebsversammlungen schwierig. Mit ein bisschen Kreativität, dem Mut zu neuen Formaten und guter Vorbereitung kann aber auch eine digitale Versammlung ein voller Erfolg werden.

Gemeinsam mit dem Scharlatan Theater Hamburg hat der Betriebsrat der Hamburger Stromnetz GmbH eine hybride Betriebsversammlung für 1000 Arbeitnehmende auf die Beine gestellt. In einem etwa 2-stündigen Livestream gab es abwechselnd Businesstheater und Diskussionsrunden. Wie es dazu kam, verrät uns der Betriebsratsvorsitzende Alexander Heieis.

Wie kamen Sie auf die Idee, ihre Betriebsversammlung gemeinsam mit dem Scharlatan Theater zu organisieren?

Pandemiebedient mussten wir sehr kurzfristig unsere Betriebsvollversammlung im Frühjahr 2020 absagen. Wir wollten dann eine gleichwertige Alternative dazu finden, die sowohl technisch realisierbar ist und auch im Einklang mit den Vorschriften des Betriebsverfassungsgesetzes steht. Wir hatten bereits in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit einem anderen Improvisationstheater bei einer Betriebsvollversammlung gemacht. Die Scharlataner konnten uns zudem technisch professionell unterstützen.

Wie ist das gemeinsame Planen und Vorbereiten abgelaufen?

Zuerst haben wir grob den rechtlichen, organisatorischen und zeitlichen Rahmen mit dem Theater abgesteckt. Dann ging es ans Eingemachte: Inhalte waren gefragt. Wo drückt der Schuh, wo verlaufen die »Konflikt-Linien«? Nachdem deutlich wurde, was wichtig ist, haben die Theatermacher mit einigen von den betroffenen Beschäftigten Interviews zu diesen Themen geführt. Daraus wurde ein wirklich ausgefeilter Programmvorschlag vom Theater entwickelt und mit uns abgestimmt.

Welche Themen sind bei Ihnen im Gremium aktuell wichtig und welche Themen haben Sie auf der Versammlung behandelt?

Modernes Arbeiten und da natürlich speziell die Zukunft des mobilen Arbeitens, z.B. von zuhause aus, ist ein Topthema. Der politische Boden und die Bereitschaft der Geschäftsleitung dazu mussten ihr in einer moderierten Diskussion abgerungen werden. Ziel unsererseits ist es, nicht in die Vorpandemiezeit zurückzufallen. Das Theater übernahm dann die Aufgabe, weitere wichtige und aktuelle Stressthemen künstlerisch und musikalisch im Rahmenprogram zur Betriebsversammlung zu präsentieren. Das geschah über ein vorproduziertes Intro mit einer fiktiven betrieblichen Story zu Beginn der Betriebsversammlung, noch vor dem ersten Block der Diskussionsrunde mit der Geschäftsführung. In der Mitte der Veranstaltung übernahm es dann wieder das Scharlatan Theater, die begonnene Story weiter zu entwickeln, um dann wie bei einer TV Serie kurz vor einem wichtigen Ereignis aufzuhören und wieder in die Diskussionsrunde überzuleiten. So war die Veranstaltung sehr kurzweilig und alle fieberten schon der Fortsetzung unserer Story entgegen. Dabei wurden – und das war sehr wichtig für uns – alle in dem Interview gewonnenen betrieblichen Spannungsfelder gekonnt integriert – und zwar ohne dass jemand zu sehr bloßgestellt wurde. Auch eine kleine Liebesgeschichte durfte nicht fehlen. Nach der zweiten Diskussionsrunde fand die Betriebsversammlung ihren gelungenen Abschluss in einer musikalischen Live-Darbietung des Theaters unter anderem über die mögliche Zukunft des modernen Arbeitens im Unternehmen.

War es in diesem Rahmen möglich, die Beschäftigten zu Wort kommen zu lassen?

Das ist eine echte Schwachstelle. Zwar haben zwei Betriebsratsmitglieder online die Chat-Funktion zur Kommunikation freigegeben und bearbeitet, aber eine echte Kommunikation konnte zu unseren Kolleginnen und Kollegen nur bedingt aufgebaut werden. Zuvor eingereichte Fragen und aktuell durch den Chat einlaufende Fragen sind in die Moderation der Diskussionsrunde eingeflossen. Es war mehr Information und dafür weniger Kommunikation möglich. Hier fehlen einfach die direkten Emotionen, Stimmungen und Reaktionen einer echten Betriebsversammlung. (...)

Mehr lesen?

Das vollständige Interview lesen Sie in »Computer und Arbeit« Ausgabe 6/2021. Weitere Highlights:

  • Gesetzesnovelle: Datenschutz und IT im neuen BPersVG
  • Corona: Von Gästelisten, Luca und der Corona-Warn-App
  • Konzerndatenschutz: Wie kann der Betriebsrat Beschäftigtendaten schützen?

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(ct)

 

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