Gesundheitsschutz

Bewegungsmangel am Arbeitsplatz entgegenwirken

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Quelle: pixabay

Bewegungsmangel lässt sich oft auch nach Feierabend nicht mehr ausgleichen. Rückenleiden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen können die Folge sein. Professor Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln will Bewegung in den Arbeitsalltag bringen. Wie das geht, sagt er im Interview mit »Arbeitsrecht im Betrieb« 7-8/2019.

Welchen Ansatz verfolgen Sie, um Berufstätige im Job zu mobilisieren?

Im Jahr 2017 hatten Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems laut DAK einen Anteil von 21,8 Prozent am Krankenstand. Bewegungsmangel gilt dabei als eine zentrale Ursache. Wenn man bedenkt, dass ein Fehltag ein Unternehmen zwischen 200 bis 500 Euro kostet, kann durch betriebliche Gesundheitsförderung eine Menge Geld gespart werden. Gleichzeitig ist es gut für das Unternehmensimage, wenn man als Arbeitgeber die Mitarbeitergesundheit deutlicher in den Fokus rückt.

Beschäftigte sollten folgende Tipps beherzigen: Viele kleine aktive Pausen im Arbeitsalltag unterstützen den Biorhythmus. Ideal ist ein Rhythmus von 90 Minuten. Auf diese Weise wird das Herz-Kreislauf-System regelmäßig aktiviert, der Stoffwechsel auf Trab gehalten und die Muskulatur stimuliert. Hierfür eignen sich kleine Dehneinheiten, Kraftübungen wie Kniebeugen ebenso wie mobilisierende Übungen für den am Schreibtisch oftmals überlasteten Schultergürtel. Die regelmäßigen Bewegungspausen am Arbeitsplatz fördern die Durchblutung und versorgen Muskulatur und Gehirn mit frischem Sauerstoff. Die Folge? Wir fühlen uns erfrischt und können mit neuem Elan an die Arbeit zurückkehren.

Wie halten Sie sich auf Trab?

Neben natürlich zahlreichen Möglichkeiten, im Büro aktiv zu werden, bin ich ein großer Fan von einem Spaziergang an der frischen Luft in der Mittagspause. Ich gehe gerne eine halbe Stunde nach draußen, vertrete mir die Beine und merke förmlich, wie der Stress von meinen Schultern fällt. Und diese persönliche Erfahrung belegen auch Studien: regelmäßige aktive Pausen fördern das körperliche und mentale Wohlbefinden sowie die Produktivität.

Wie lässt sich Bewegungsmangel auf betrieblicher Ebene bekämpfen?

An erster Stelle müssen Arbeitende verstehen, wieso es so wichtig ist, sich im Alltag zu bewegen. Dabei spielt der eigene Betrieb natürlich eine entscheidende Rolle und kann einen erheblichen Einfluss auf das eigene Verhalten ausüben. Seminare, Aktionen oder Gesundheitstage können hervorragende Möglichkeiten darstellen, um die Belegschaft zu sensibilisieren.

Zudem müssen Betriebe den Beschäftigten attraktive Möglichkeiten bieten, bewegt durch den Arbeitstag zu gehen. Das heißt, es darf nicht nur eine Verhaltensänderung der Mitarbeiter erwartet werden, sondern Verhältnisse vor Ort müssen sich an die steigenden Belastungen anpassen – und hier ganz deutlich entgegenwirken. Stehtische, Balancekissen und andere kleine Geräte werden immer beliebter – zu Recht! Die Atmosphäre für solches Verhalten muss vom Unternehmen erschaffen werden – Informationsflyer reichen dafür leider meistens nicht aus.

Ist es realistisch und praktisch umsetzbar, die sportliche Betätigung an den Arbeitsplatz zu holen?

Sicherlich sind größere Sporteinheiten während der Arbeitszeit schwierig umsetzbar und nicht orientiert am reellen Arbeitsalltag der Menschen. Das muss aber auch nicht der Anspruch sein. Schaffe ich als Unternehmen Raum für Bewegung, implementiere ich Steh-statt Sitz-Sitzungen, kultiviere ich das Treppenlaufen als selbstverständlich sind damit zugegeben kleine, aber nicht weniger wichtige Schritte getan.

Auch wissen wir heute, dass insbesondere Führungskräfte eine bedeutende Vorbildfunktion haben. Das heißt, nicht zuletzt die Chefs müssen mit gutem Beispiel vorangehen. Zum Start kann ein Unternehmen zum Beispiel Partnerschaften mit Fitnessstudios oder Sportvereinen bilden, wodurch Beschäftigte vergünstigt an den Angeboten teilnehmen können. Größere Unternehmen investieren mittlerweile sogar in eigene Fitnessstudios. Sie sehen also, dass sehr viel möglich ist, um die Belegschaft zu bewegen. Ob tatsächlich etwas passiert, liegt in der Hand der Arbeitgeber.

Der Interviewpartner:

https://www.bund-verlag.de/bundonline/image/fit?width=800&height=800&type=png&file=159!15925

Dr. Ingo Froböse

Professor von der Deutschen Sporthochschule Köln

 

 

 

Quelle:

»Arbeitsrecht im Betrieb« 7-8/2019, Magazin.

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