Betriebsratsarbeit

Verloren in der Matrix?

02. Dezember 2022
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Quelle: © Nick Freund / Foto Dollar Club

In internationalen Konzernen und in Großunternehmen kommt sie häufig vor: die Matrixorganisation. Unsere Experten Christof Balkenhol und Hendrik Steinhaus beleuchten in der »Arbeitsrecht im Betrieb« 11/2022 die betriebs- und personalwirtschaftlichen Folgen mit ihren Risiken, aber auch Chancen.

Die Matrix ist für viele Großunternehmen das »Mittel der Wahl« bei der Gestaltung der Aufbauorganisation und findet vor allem in internationalen Konzernen vielfach praktische Anwendung. Diese Sowohl-als-auch-Strukturen erzeugen erhebliche Komplexität und hohen Abstimmungsaufwand. Beschäftigte erleben dabei als »Diener zweier Herren« einen oft anstrengenden Spagat, der zahlreiche arbeitsrechtliche Fragestellungen aufwirft und auch Mitbestimmungssachverhalte intensiv berührt. Neben den rechtlichen Fragestellungen gibt es aber auch betriebs- und personalwirtschaftliche Herausforderungen dieser Organisationsform.

Organisation schafft Strukturen

Organisationsstrukturen sorgen in Unternehmen dafür, dass Aufgaben gebündelt und zu Stellen zusammengefasst werden. Stellen wiederum werden zu Organisationseinheiten wie Teams, Abteilungen und Bereichen zusammengefasst. In der einfachsten Form orientiert sich die Aufbauorganisation an einem funktionalen (Einkauf, Marketing, …) oder an einem divisionalen (Produktgruppen, Regionen, …) Gestaltungsprinzip. Im Organigramm sind Weisungsbeziehungen eindeutig geregelt. Man spricht von einer eindimensionalen Organisation, wenn fachliche und disziplinarische Führung von ein und derselben vorgesetzten Stelle wahrgenommen wird. Matrix-Organisationen versuchen nun, die Vorteile aus unterschiedlichen Organisationsformen zu kombinieren. Nach Definition der Betriebswirtschaftslehre ist die Matrixorganisation ein »Mehrliniensystem mit gleichzeitiger Verrichtungs- und Objektgliederung«. Die Verrichtungsgliederung, d. h. die Gliederung nach Funktionen wie Beschaffung, Produktion, Vertrieb, bildet typischerweise die vertikale Dimension (Linieninstanz), während die Objektgliederung, beispielsweise die Gliederung nach Märkten, Produkten oder Regionen, die horizontale Dimension (Matrixinstanz) bildet. Durch diese Anordnung entsteht die namensgebende Matrix, die hier beispielhaft dargestellt ist.

Matrix in der Theorie – das Beste aus zwei Welten

Das Ziel der Matrixorganisation ist es, die jeweiligen Vorteile eindimensionaler Organisationsformen in einer mehrdimensionalen Struktur zu kombinieren. Der wesentliche Vorteil einer funktionalen Organisation liegt in der Spezialisierung und der Wissensbündelung in den Fachfunktionen. Divisionale Organisationsstrukturen zielen vor allem darauf, durch Ausrichtung an Produkten, Geschäftsbereichen oder Regionen eine bestmögliche Markt- und Kundennähe zu gewährleisten. In der Matrixorganisation soll an den jeweiligen Schnittstellen die Kombination des fachspezifischen Wissens der Funktionsbereiche und die Marktkenntnis der Produktbereiche die Qualität und Effizienz der Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse eines Unternehmens verbessern.

Matrix in der Praxis – Risiken und Nebenwirkungen

Die Matrixorganisation ist als Strukturansatz zu verstehen, um die Komplexität und die Vielfalt international ausgerichteter Großunternehmen organisatorisch beherrschbar zu machen und eine Balance zwischen unterschiedlichen Markterfordernissen einerseits und dem Bedarf an funktionaler Professionalität und Standardisierung in Einklang zu bringen. Die seit mehr als fünf Jahrzehnten praktizierte Anwendung dieses Konzepts in Unternehmen unterschiedlicher Branchen macht deutlich, dass dieser Organisationsansatz hohe strukturelle, kulturelle und persönliche Anforderungen sowohl an das Management als auch an die Beschäftigten stellt. Zahlreiche Praxisbeispiele zeigen, dass das Matrixkonzept unter bestimmten Voraussetzungen durchaus erfolgreich umgesetzt werden kann, in jedem Fall aber eine komplizierte Organisationsform darstellt, die mit erheblichen Umsetzungsrisiken verbunden ist.

Wie die praktischen Problemfelder für Betriebsräte aussehen und wie die Erfolgschancen einer Matrixorganisation verbessert werden können, erfahrt Ihr von Christof Balkenhol und Hendrik Steinhaus in der AiB 11/2022. Abonnenten und Abonnentinnen können den kompletten Beitrag hier lesen.

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