Nominiert für den Deutschen Betriebsräte-Preis 2021

Konzernbetriebsrat der IBM Central Holding GmbH, Hamburg
► Projekt:
"Konzernbetriebsvereinbarung über die Einführung und den Einsatz von Systemen der Künstlichen Intelligenz"

"Mit menschlicher Intelligenz der künstlichen Intelligenz den Weg bereitet. Nun profitieren beide!"

Frank Remers (hinten Mitte),
Sprecher KBR-Fachausschuss Personaldatensysteme

Daten und Stichworte zum Projekt

Projekt: Konzernbetriebsvereinbarung über die Einführung und den Einsatz von Systemen der Künstlichen Intelligenz
Bewerber/in: Konzernbetriebsrat der IBM Central Holding GmbH, Hamburg
Beschäftigtenzahl: > 1000
Branche: IT
Gewerkschaften: ver.di

 

Stichworte zum Projekt

  • Konzernbetriebsrat will mit Vereinbarung für breite Akzeptanz in der Belegschaft sorgen und Sorgen rechtzeitig begegnen
  • Einsatz agiler Arbeitsmethoden erleichtert auch während der Corona-Zeit die gemeinsame Diskussion und Erarbeitung
  • Rahmenvereinbarung setzt Standards für den Einsatz von KI-Systemen und legt den Menschen als letzte Entscheidungsinstanz fest

Motiv

Künstliche Intelligenz wird bei IBM für eine immer größer werdende Anzahl von Personaldatensystemen eingesetzt. Aus Sicht des Konzernbetriebsrats ist dabei aber stets im Blick zu behalten, dass diese KI-Systeme fehlbar sind und Ihre Effizienz von der Qualität der Daten, den Algorithmen und dem Training abhängen. Zudem, so die Überzeugung des Gremiums, muss KI unbedingt auch diskriminierungsfrei sein. Der Konzernbetriebsrat setzte sich daher eine Vereinbarung zum Ziel, welche die Sorgen der Belegschaft ernst nimmt und so die Akzeptanz solcher Systeme erhöht.

Vorgehen

Das Gremium überzeugte den Arbeitgeber, dass eine Rahmenvereinbarung ebenfalls in seinem Interesse ist, da sie schnellere Verhandlungen ermöglicht und ihm einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Anbietern bietet. Der KBR bot dazu an, diese Vereinbarung mit Betriebsräten von interessierten Kunden zu diskutieren und dort vorzustellen. Auf gemeinsamen Sitzungen von Personal und Betriebsrat sowie mit Unterstützung durch interne Fachleute wurde das Thema inhaltlich vorbereitet. Dabei kamen agile Design Thinking Methoden zum Einsatz, um die jeweiligen Erwartungshaltungen und Ziele zu erarbeiten. In offenen, lösungsorientierten Brainstorming-Sitzungen, ohne „Lagerbildung“, wurde der Regelungsinhalt gemeinsam erarbeitet. Dabei spielte die langjährigen Beziehungen der Verhandlungspartner untereinander und eine von Vertrauen und Respekt geprägte Atmosphäre, trotz oft widerstrebender Interessen, eine wichtige Rolle.
Nachdem die Lösungsideen agil auf Flipcharts, in Bildern, Mindmaps und ähnlichem skizziert waren, wurde wegen Corona ab März 2020 in Videokonferenzen unter Nutzung von Collaboration Tools eine gemeinsame Textfassung erarbeitet.

Ergebnisse

Im Juli 2020 wurde ein Rahmenvereinbarung abgeschlossen. Aufbauend auf der Rahmenbetriebsvereinbarung für „herkömmliche“ IT-Systeme wurden Standards für KI-Systeme gesetzt: zu Transparenz, Erklärbarkeit, Nicht-Diskriminierung und der Qualitätssicherung der Daten und des Algorithmus. Darüber hinaus wurde festgelegt, dass die KI menschliche Entscheidungen unterstützt und am Ende der Mensch entscheidet.
Weiterhin wurde eine Bewertung in einem Gefährdungsspektrum entwickelt: von KI-Systemen, deren Empfehlungen nur die betroffenen Beschäftigten informieren bis zu grundlegenden automatischen Entscheidungen über Menschen, die nicht zu vereinbaren sind. Zur Unterstützung und Beratung wurde ein KI-Ethik-Rat für IBM in Deutschland gegründet, der sich aus Personal, Betriebsrat, Schwerbehindertenvertretung und internen Fachleuten der KI zusammensetzt.