Infodienst "Personalrat und Mitbestimmung"

"Stellt die Beschäftigten in den Mittelpunkt!"

11. Mai 2020
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Der amtierende Goldpreisträger im Interview: Dem Hauptpersonalrat der Landespolizei Schleswig-Holstein ist es gelungen, die Arbeitszeit für Beschäftigte zu verkürzen, die seit mindestens 10 Jahren im Schichtdienst tätig sind. Laut Jury des DPRP ein Projekt »mit Strahlkraft«.

»Wir können nicht mehr« – seit 2012 häuften sich die Beschwerden der Beschäftigten über die Arbeitsbedingungen im Schichtdienst. Ob physische oder psychische Beschwerden – der Krankenstand stieg. Der Hauptpersonalrat gründete eine Arbeitsgruppe »Gesundheitsmanagement «, um Gesundheit und Zufriedenheit in der Belegschaft zu fördern.
 

Hinweis: Jetzt noch schnell für den DPRP 2020 bewerben - die Bewerbungsfrist endet am 31.5.2020!

1. Worum geht es bei Eurem Projekt?

Es geht um die Verkürzung der Wochenarbeitszeit für langjährig Schichtdienstleistende, also um konkreten Gesundheitsschutz. Für Beamte im Land Schleswig-Holstein sind grundsätzlich 41 Wochenstunden vorgesehen. Aus unserer Sicht ist das für alle zu viel. Hohe Krankenstände, Beschwerden bei Vorgesetzten, Personalräten und Gewerkschaften machten ein Handeln erforderlich. Da es nicht realistisch war, die Wochenarbeitszeit für alle zu senken, haben wir uns aufgemacht, um zumindest für diejenigen, die langjährig (mehr als 10 Jahre) in Schichten ihren Dienst verrichten, eine Entlastung zu erreichen.

2. Ihr habt über viele Jahre hinweg an dem Projekt gearbeitet. Wie ist es Euch gelungen, das Projekt über die Legislaturperioden hinweg fortzuführen?

Nach dem Start im November 2014 durch eine Konferenz der Gewerkschaft der Polizei (GdP) mit dem Titel »Damit unsere Polizei auch zukünftig einsatzfähig bleibt«, haben wir das Thema gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen, den Personalräten, der GdP, aber auch den Verantwortlichen in der Polizeiführung und der Politik, selbst bei Wechsel der Regierungsverantwortung, konsequent verfolgt. Personalratsarbeit bedeutet für uns eben auch, einen langen Atem zu beweisen.

3. Wie habt ihr die Dienststelle davon überzeugt, die Arbeitszeit für langjährig Schichtarbeitende zu verkürzen?

Unsere Argumente ergaben sich im Wesentlichen aus den medizinischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen zu den negativen Auswirkungen von Schichtarbeit. Besonders erwähnt seien hier unsere Polizeiärzte, die ja in ihren Behandlungszimmern fast täglich mit den Auswirkungen der Belastungen konfrontiert werden. Die Dienststelle konnte auch
deswegen überzeugt werden, weil eine krankheitsbedingte Abwesenheitsquote von 10 % bei knapp über 8000 Beschäftigten eine deutliche Sprache spricht. Jedes Prozent weniger ist eine echte Personalmehrung und somit wiederum eine Entlastung.

4. Warum habt ihr beim Deutschen Personalräte-Preis mitgemacht?

»Tu Gutes und sprich darüber«! Wir besuchen schon seit vielen Jahren das Schöneberger Forum und empfinden den Austausch mit den vielen engagierten Kolleginnen und Kollegen als Bereicherung. Wir profitieren von der Erfahrung anderer und wollen deswegen auch von unserer Erfahrung etwas weitergeben. Dass wir darüber hinaus in diesem Jahr erfolgreich waren, erfreut uns umso mehr und erfüllt uns mit Stolz.

5. Hast Du zum Abschluss einen Tipp für neugewählte Personalratsmitglieder?

Ja, habe ich. Stellt die Kolleginnen und Kollegen, von denen Ihr den Auftrag bekommt, ihre Vertretung zu übernehmen, in den Mittelpunkt. Seid offen für Anregungen und Kritik. Denkt immer daran, dass auch die Vorgesetzten ihre Sorgen, Nöte und Zwänge haben. Ein Perspektivwechsel hilft oftmals. Und nehmt Euch selbst nicht so wichtig. Bleibt aber bei Euren Wertvorstellungen und einer den Menschen zugewandten Grundhaltung. Dann kommen auch Erfolge und es fängt an, Spaß zu machen.

Die Fragen stellte die Redaktion.

Zum Interview mit HPR-Vorsitzendem Andreas Kropius im Infodienst "Personalrat und Mitbestimung" 5/2020, S.6.

► Projektpräsentation der Preisträger

 

 

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