Frankfurter Rundschau berichtet

Interview mit dem Goldpreisträger

25. November 2020
Gold_Bahlsen_Haase

Manuela Haase, Betriebsratsvorsitzende vom Bahlsen-Werk Varel ist derzeit in den Medien sehr gefragt. Mit dem Ziel „gleicher Lohn für gleiche Leistung“ engagierten sich die Interessenvertreter hartnäckig und erfolgreich dafür, dass Frauen für ihre Tätigkeiten dieselben Eingruppierungen erhalten wie ihre männlichen Kollegen.

Die niedrigere Entlohnung von Mitarbeiterinnen trotz gleicher Qualifizierung ist damit Geschichte. Dieses langjährige und mit viel Ausdauer vorangetriebene Projekt gilt als „Leuchtturm“ in der Süßwarenindustrie.
 

FR-Redakteurin Nina Luttmer hat mit Manuela Haase gesprochen.

Auszug aus dem Interview:

Sie sind seit dem Jahr 2010 Betriebsratsvorsitzende im Werk Varel. Welche Umstände waren es, die Sie dann in den „Kampf“ für gleiche Bezahlung von Frauen und Männern geführt haben?

Damals haben noch etwa doppelt so viele Frauen wie Männer im Werk Varel gearbeitet, das ist heute anders. Die Frauen wünschten sich endlich mal eine Frau an der Spitze ihrer Arbeitnehmervertretung. Der Betriebsratsvorsitz – das ist leider bis heute eine Männerdomäne in Deutschland.

Ich bin dann relativ schnell an das Thema gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit rangegangen. Denn 2010 wurden wir vor die Wahl gestellt: Automatisierung der Produktion oder der Standort wird geschlossen. Bis dahin standen die Frauen am Band und verpackten die Kekse. Sie wurden immer in die unterste Tarifgruppe A des Tarifvertrags der Süßwarenindustrie eingruppiert. Begründung war platt gesagt: Das sind einfache Arbeiten, da braucht man kein Hirn, nur Geschicklichkeit. Die Männer dagegen hievten die Kartons auf die Paletten und wurden dafür in Tarifgruppe C einsortiert. Das waren brutto etwa 200 Euro mehr im Monat.

Braucht man denn fürs Heben der Paletten – ebenfalls platt gesagt – mehr Hirn als fürs Einpacken der Kekse?

Nein, natürlich nicht. Im Jahr 2012 kamen dann die ersten Maschinen. Die Frauen bedienten sie, blieben aber in Tarifgruppe A. Die Werksleitung sprach ihnen als Begründung schlichtweg den technischen Sachverstand ab. Da haben wir als Betriebsrat den Frauen gesagt: Macht euch Notizen, welche Arbeiten genau ihr erledigt. Denn Maschinen zu bedienen, das war keine einfache Arbeit mehr. Das konnten wir ja auch anhand des – leider total veralteten – Tarifvertrags belegen, wo die Tätigkeiten der Tarifgruppen beschrieben sind. Das hat dann auch die Geschäftsführung irgendwann eingesehen. Nach und nach haben wir dann fast 100 Frauen von Tarifgruppe A in Tarifgruppe C befördern können.

Das kam also nicht als großer Knall, sondern schrittweise?

Ja, es war ein langer Weg. Man braucht Beharrlichkeit. Man muss auch mal Rückschläge wegstecken und trotzdem weitermachen. Man muss dranbleiben, das Ziel vor Augen behalten, sonst hat man verloren. Wir haben seit 2010 beispielsweise jedes Jahr den Tag der Entgeltgleichheit in der Kantine gefeiert, etwa indem wir Informationsblätter verteilt, Filme gezeigt und als Betriebsrat und mit externen Gästen einen Rundgang durchs Werk gemacht haben. Wir haben das Thema in jeder unser vier jährlichen Betriebsversammlungen angesprochen.

Zum ausführlichen Interview in der Frankfurter Rundschau vom 21./22.11.2020

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