Aktuell in "Der Personalrat"

Eine Frage der Einstellung

28. April 2021
JAV 2019-2021_kl

Auf Initiative der Jugend- und Auszubildendenvertretung erhält die Lehranstalt in Eutin als bundesweit erste Polizeischule den Titel »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage«. Die JAV setzt sich mit den Polizei-Anwärter*innen klar gegen jede Form von Diskriminierung ein.Dafür wird das Gremium mit der Sonderauszeichnung der DGB-Jugend im Rahmen des Deutschen Personalräte-Preises 2020 geehrt.

Wie wollen wir leben? In einer Welt, in der die Menschenrechte für alle gelten – oder in einer, in der es immer auch darauf ankommt, wo man herkommt, wie man aus sieht und was man so hat oder nicht hat?« Mit dieser klaren Frage, prominent platziert auf der Internetseite des Netzwerks »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage«, beschäftigte sich auch die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) an der Landespolizeischule in Eutin. An der Lehreinrichtung, gelegen zwischen Kiel und Timmendorfer Strand, werden im Schnitt 400 junge Frauen und Männer von rund 160 Fachlehrer*innen für den mittleren Polizeidienst in Schleswig- Holstein ausgebildet. Bevor die Anwärter* innen ihre Tätigkeit als Polizeiobermeister antreten und mit ihrem Diensteid geschworen haben, »das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, die Landesverfassung und alle in der Bundesrepublik Deutschland geltenden Gesetze zu wahren und (ihre) Amtspflichten gewissenhaft zu erfüllen«, durchlaufen sie in der Regel eine zweieinhalbjährige Ausbildung.

Klare Kante gegen Rassismus

Wie leider an vielen Orten in der gesamten Bundesrepublik zu beobachten, wurde auch die Dienststelle in Eutin mit negativen Schlagzeilen im Zusammenhang mit Rassismus, Sexismus und Alkoholismus konfrontiert. So waren 2017 einzelne Ausbilder und Anwärter*innen mit rassistischen Statements aufgefallen. Zwei Jahre später hatte ein Polizeischüler auf einem Foto mit einem Hakenkreuz posiert, was zur Entlassung des jungen Mannes führte. Obwohl es sich um Einzelfälle handelte, die auch disziplinar- und strafrechtlich verfolgt wurden, entstand ein negatives Bild in der Öffentlichkeit. Die JAV wollte daher nach außen und innen ein deutliches Zeichen dafür setzen, dass sich junge Polizei-Anwärter*innen von diesen Vorwürfen distanzieren und »klare Kante gegen Rassismus zeigen«, so die JAV-Vorsitzende Rieke Pätzold. Diskriminierung, auch im Kleinen, sollte aktiv, couragiert und dauerhaft entgegengetreten werden.

Schule mit Courage

Das bundesweite Projekt »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« bietet Schulen die Möglichkeit, diesen Titel zu erwerben, wenn sich mindestens 70% aller Schüler*innen und Fachlehrer*innen mit ihrer Unterschrift verpflichten, künftig gegen jede Form von Diskriminierung in ihrer Einrichtung vorzugehen, bei Konflikten einzugreifen und regelmäßig Projekttage zu veranstalten. »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« ist ein Projekt des Vereins Aktion Courage e.V. Der Verein wurde 1992 von Bürgerinitiativen, Menschenrechtsgruppen, Vereinen und Einzelpersonen als Antwort auf den gewalttätigen Rassismus von Mölln, Solingen, Hoyerswerda und Rostock gegründet. Das bundesweite Projekt »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« bietet Schulen die Möglichkeit, diesen Titel zu erwerben, wenn sich mindestens 70% aller Schüler*innen und Fachlehrer*innen mit ihrer Unterschrift verpflichten, künftig gegen jede Form von Diskriminierung in ihrer Einrichtung vorzugehen, bei Konflikten einzugreifen und regelmäßig Projekttage zu veranstalten. »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« ist ein Projekt des Vereins Aktion Courage e.V. Der Verein wurde 1992 von Bürgerinitiativen, Menschenrechtsgruppen, Vereinen und Einzelpersonen als Antwort auf den gewalttätigen Rassismus von Mölln, Solingen, Hoyerswerda und Rostock gegründet. Nach Angaben des Trägervereins Courage e.V., der das Schulprojekt 1995 ins Leben gerufen hat, gehören mittlerweile mehr als 3000 Schulen mit über zwei Millionen Schüler*innen zu dem bundesweiten Netzwerk. Hinzu kommen mehr als 100 Koordinierungsstellen und rund 400 außerschulische Kooperationspartner, die sich gegen Ausgrenzung engagieren.

Ein Projekt der JAV

Die JAV strebte an, dass auch die Polizeischule Eutin den Titel »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« erwirbt. Ein Hinweis des ehemaligen Behördenleiters hatte zur Initialzündung beigetragen. Die jungen Anwärter*innen setzten sich daher 2019 intensiv mit dem Thema Rassismus und Courage auseinander und entwickelten ein umfangreiches Maßnahmenpaket, das dafür sorgte, das Thema möglichst breit und für alle sichtbar zu platzieren. »Das Projekt ist ein Projekt der JAV – nicht der Behörde«, beschreibt Pätzold selbstbewusst den Ansatz ihres Gremiums. So plakatierte die JAV großflächig die Kantine mit Projektmotiven, informierte Lehrkräfte und Anwärter*innen und präsentierte das Projekt während einer Sitzung der Lehrgruppensprecher. Darüber hinaus setzte sie sich dafür ein, dass im Unterrichtsfach Politische Bildung Rassismus und Diskriminierung zu behandeln sind und erreichte, dass das Thema in verschiedenen Unterrichtsinhalten, Podiumsdiskussionen, Projekten und mit Fahrten zu Gedenkstätten aufgegriffen wird. Im Rahmen einer besonderen Aktion wurde eine Luftbildaufnahme gemacht, bei der sich die Anwärter*innen auf dem Sportplatz so aufstellten, dass »No Racism « zu lesen war. »Das Projekt ist eine Frage von Einstellung, von innerer Haltung. Als junge Polizist*innen sehen wir aufmerksam hin und treten Rassismus und Diskriminierung klar entgegen« beschreibt Pätzold, die im Sommer 2021 als Kommissarin ihren Dienst antreten wird, die Grundidee des JAV-Projekts. Für eine breite öffentliche  Wahrnehmung sorgte zudem, dass Daniel Günther, Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, und die Landtagsabgeordnete Aminata Touré als Paten für die Aktion gewonnen werden konnten.

 

Auszeichnung der Schule 2020

Anfang 2020 wurde in einem Festakt der Lehreinrichtung in Eutin als bundesweit erster Polizeischule der Titel »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« verliehen. Neben den Paten waren auch Vertreter des Innenministeriums, von Amnesty International und der KZ-Gedenkstätte Ahrensbök geladen. Die Redner hoben hervor, dass sich die Einrichtung zum »Hingucken und Einmischen verpflichtet« und so ein klares Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung setzt. Für Kontinuität und dauerhafte Präsenz des Themas ist gesorgt, denn mindestens einmal jährlich wird es nun im Rahmen von Aktionen, Vorträgen oder Podiumsdiskussionen auf die Agenda im Lehrbetrieb der Polizeischüler* innen gehoben. Das Projekt zeigte große Strahlkraft auch über Schleswig-Holstein hinaus. Kein Wunder, dafür im vergangenen Jahr den Sonderpreis der DGB-Jugend an die JAV in Eutin verlieh. Elke Hannack, Mitglied der Jury, fasste es in ihrer Bewertung so zusammen: »Ein beeindruckendes Projekt, auf lange Sicht angelegt und nachhaltig konzipiert. Damit wird Diskriminierung, in welcher Form auch immer, aktivbekämpft. Das Engagement der JAV sollte bundesweit Schule machen und ist allen zur Nachahmung empfohlen.«

Christof Herrmann,
Kommunikationsberater mit den Themen Arbeit, Recht und Wirtschaft, Aachen.
kommunikation@sc-herrmann.de

► Zum Beitrag "Eine Frage der Einstellung" in: Personalrat 4/2021, S. 36f.

► Mehr Infos zum Projekt

 

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