Soziale Medien

»Teilen« im Strudel der Digitalisierung

27. Februar 2019 Social Media, Digitalisierung
Social Media
Quelle: pixabay

Die Bedeutung des Wortes »Teilen« hat sich durch die sozialen Medien verdreht. Der eigentlich positiv besetzte Begriff hat seine Unschuld verloren. Viele schließen ihre Social Media-Kanäle wieder. Die Fachzeitschrift »Computer und Arbeit« (CuA) 2/2019 erklärt, wie es so weit kommen konnte.

Die Erscheinungsformen des Teilens sind vielfältig. Sie sind mittlerweile aber fast immer mit den sozialen Medien wie Facebook, Twitter, Instagram oder YouTube verknüpft. Geteilt wird jedes und alles, wobei speziell dafür vorgesehene Buttons das Teilen und »Liken« erleichtern. Dabei sind das Teilen und Liken zu einem sich selbst verstärkenden Prozess geworden, zu einem Trend, der die Schwelle zur Unumkehrbarkeit vermutlich schon längst überschritten hat. Das beständige Teilen verleiht scheinbar Relevanz (oder beabsichtigt dies implizit), obwohl tatsächlich doch eher das Gegenteil stattfindet, nämlich eine Multiplikation des Trivialen und Banalen.

Diaabende in Dauerschleife

Die auffälligste Erscheinungsform des Teilens ist die des ungebetenen Vorzeigens von Fotos, gern auch Selfies, an allen Orten zu allen Zeiten, ohne Vorwarnung, völlig unabhängig von geäußertem oder unterstelltem Interesse desjenigen, mit dem man die Fotos teilen möchte. Diesem unentwegt gewischten Bilderstrom kann man kaum entgehen, und wenn doch einmal, dann bekommt man diesen ebenso ungebeten per WhatsApp oder anderweitig zugeschickt. Darin ein Pendant zu den früher gefürchteten Diaabenden zu sehen, heißt die Dimensionen dramatisch zu verkennen. Diesen konnte man sich wenigstens noch mit etwas Geschick entziehen.

Aber: Was rechtfertigt eigentlich das überfallartige, ungefragte und exzessive Teilen von Fotos, Kommentaren, Posts aller Art, deren Bedeutung für das jeweilige Gegenüber völlig ungeklärt ist? Handelt es sich dabei nicht um ein Pseudo-Teilen, um ein Vortäuschen des Teilens? Wann tritt die Sättigung ein oder ist diese nicht schon längst als »die drohende Informationsnarkose des frühen 21. Jahrhunderts« eingetreten? Warum machen die Menschen das? Langeweile? Mitteilungs- und Geltungsdrang?

Teilen hat ursprünglich etwas mit Verzicht zu tun. Nicht aber in Social Media-Zeiten. Jetzt meint Teilen Verbreiten. So gesehen ist der »Teilen«-Button sowie der überwiegende Gebrauch des Begriffs Teilen bewusst irreführend.

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Holger Bargmann, »Teilen in Zeiten der Digitalisierung«, in »Computer und Arbeit« 2/2019, S. 22 ff.

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