Arbeits- und Gesundheitsschutz

Konsequenzen der Corona-Pandemie im Arbeitsschutz

Mundschutz_Corona
Quelle: pixabay

SARS-CoV-2 bewirkt seit März 2020 extreme Einschnitte und einen grundlegenden Wandel in der Arbeitswelt. Beschäftigte unterliegen permanenten Change-Prozessen. Ein Ende der Pandemie ist aktuell nicht in Sicht. Kerstin Guhlemann zeigt in »Gute Arbeit« 11/2021 das Belastungsspektrum auf und klärt, wie Akteure für Entlastung sorgen können.

Von den Veränderungen sind fast alle Branchen und Arbeitsplätze betroffen, aber auch die betrieblichen Arbeitsschutzakteure und Interessenvertretungen. Die sinnvolle Priorisierung von Infektionsschutzmaßnahmen darf nicht den Blick auf die Probleme der Beschäftigten in der pandemischen Arbeitswelt verstellen, fordert Kerstin Guhlemann.

Belastungen in der pandemischen Arbeitswelt

Besonders belastend waren und sind die Kurzarbeit, die von existenziellen Sorgen begleitet wird. Teils wurden Schichtmodelle verändert, Arbeit mit Atemschutzmaske wurde angeordnet, es gab mehr Alleinarbeit und das Homeoffice in den Privaträumen als ein Dauer-Provisorium. Vielfach führte das zu Arbeitsbedingungen, z.B. ergonomisch und sozial, die nicht für eine langfristige Praxis geeignet sind. Hier typische Belastungen, die Befragte einer Corona-Studie anführten:

  • Einschränkungen (z.B. Atemwiderstand, Luftzufuhr) durch Masken
  • Belastungen der Stimme, Sprachunverständlichkeit mit Atemmasken
  • Hautprobleme durch Desinfektionsmittel
  • Zusatzaufgaben und zeitlicher Aufwand
  • Kälte und Zug durch das ständige Lüften
  • Stress durch neue Software/Kommunikationsmittel (Arbeit auf Distanz).

Belastungen im Homeoffice

Bei der Arbeit im Homeoffice als Infektionsschutzmaßnahme treten ergonomische Probleme durch suboptimale Arbeitsbedingungen und Bewegungsmangel auf. In größeren Haushalten wird die Wohnung schnell zum schlecht ausgestatteten Großraumbüro ohne Rückzugsräume, Störungen bei der Arbeit und die soziale Überforderung können überhandnehmen. In Single-Haushalten leiden Beschäftigte eher unter Isolation. Zwar ist konzentrierteres Arbeiten möglich, doch es fehlt an kollegialem Miteinander und an kreativitätsförderndem Input durch informellen Austausch.

Belastungen durch Digitalisierung

Nicht nur in typischen Büro-Berufen haben die Anteile digitaler Bildschirmarbeit zugenommen, sondern auch bei Tätigkeiten, die zuvor stärker durch persönliche Interaktion geprägt waren: wie im Bildungssektor (auch Erwachsenenbildung) oder in unterschiedlichen Dienstleistungsbereichen. Oft kommt es zu erweiterten Erreichbarkeitsanforderungen oder Technikstress. Online-Meetings prägen den Arbeitsalltag, wodurch auch »Zoom Fatigue« verstärkt auftritt: ein Zustand mentaler Erschöpfung durch übermäßige Nutzung digitaler Videokommunikation.

Belastungen durch Gesundheitsverhalten

Eine neue Quelle psychischer Belastung ist die Abhängigkeit der eigenen Gesundheit vom Risikoverhalten der Kontaktpersonen - und umgekehrt. Das heißt: Meine Gesundheit hängt vom Verhalten der Kundschaft, den Schulkindern, den Kolleg:innen ab; diese wiederum sind von meiner persönlichen Sorgfalt abhängig. Nicht nur Beschäftigte im Gesundheitsbereich setzt das erheblich unter Druck.

Belastung durch Führungsverhalten

Führungskräfte verantworten in der Regel die Umsetzung der Schutzmaßnahmen. Auch sie betraten Neuland: Anforderungen an eine gesundheitsgerechte Führung in Change-Prozessen und/oder auf Distanz wurden nicht überall gut bewältigt und erfüllt. Das Belastungserleben der Beschäftigten hängt aber stark vom Verhalten der Vorgesetzten ab.

Folgerungen und Schutzmaßnahmen

Aus den genannten Problemen lassen sich eine Reihe von Maßnahmen ableiten, die mitbestimmt umgesetzt werden sollten. Da es in der Regel um Arbeitsplatz- und Organisationsveränderungen geht, muss eine Gefährdungsbeurteilung – besonders inklusive der psychischen Belastungen - durchgeführt oder aktualisiert werden. Für das Homeoffice sind Lösungen gefordert, die die Verantwortung für die Gestaltung nicht allein den Beschäftigten aufbürdet. Die Ergonomie des Arbeitsplatzes kann z.B. anhand von Checklisten überprüft werden. Eine betriebliche Beratung und eine gute Ausstattung sind sicherzustellen.

Weitere Informationen

Der umfassende Beitrag von Kerstin Guhlemann »Beschäftigte in der Corona-Pandemie« in »Gute Arbeit« 11/2021 (S. 8 ff.). Außerdem im Titelthema der Ausgabe »Corona-Arbeitsschutz – Lehren aus der Pandemie« lesen:

  • Prof. Dr. Wolfhard Kohte, Dr. Cathleen Rabe-Rosendahl, Thomas Ketzmerick: »Corona-Arbeitsschutz und Risikogruppen« (S. 13 ff.).
  • Arno Georg: »Deutscher Arbeitsschutz – pandemiefest?« (S. 17 ff.).

Für die Online-Ausgabe registrierte Abonnent:innen von »Gute Arbeit« greifen auf Bund-Online auf das ePaper der Zeitschrift sowie im Archiv kostenfrei auf alle Beiträge der Zeitschrift zu (ab 2012).

Jetzt 2 Ausgaben »Gute Arbeit« gratis testen und sofort online auf alle Inhalte zugreifen!

© bund-verlag.de (BE)

Newsletter Allgemein viertel - Anzeige -
Sérgio Fernandes Fortunato, u.a.
Das Lexikon für die Interessenvertretung
lieferbar 59,90 €
Mehr Infos
Ralf Pieper
Basiskommentar zum ArbSchG
vorbestellbar ca. 39,00 €
Mehr Infos

Das könnte Sie auch interessieren