IT-Mitbestimmung

SAP HANA – eine »neue Welt«?

10. August 2020
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Quelle: undrey_Dollarphotoclub

SAP begleitet Betriebs- und Personalräte bereits seit mehreren Jahrzehnten. In vielen Unternehmen und Dienststellen sind dazu zahlreiche Vereinbarungen geschlossen worden. Aktuell ist der Umstieg auf SAP HANA und SAP S/4 HANA in aller Munde. Unsere Autoren René Fabeian und Thomas Richter von der dtb Technologieberatung verraten in der »Computer und Arbeit« 7-8/2020, worum es geht.

SAP hat sich seit den 1970er Jahren zu einer umfassenden Lösung für die Abbildung von Unternehmensprozessen entwickelt. Die erste Version von SAP (R/1 Mainframe) wurde 1973 auf den Markt gebracht.

SAP wird nicht einfach auf einem Server installiert und kann dann genutzt werden, sondern es müssen vielmehr die Unternehmensprozesse in SAP umgesetzt werden und über das Customizing und die integrierte Programmiersprache das System angepasst werden. Aktuell läuft in vielen Konzernen und Dienststellen SAP R/3 oder SAP ERP. SAP R/3 wurde 1992 vorgestellt. Die Möglichkeiten des Systems sind von der Bedienung über die Datenbank bis hin zu den Möglichkeiten, mobile Daten abzurufen, begrenzt.

Was ist SAP HANA?

High Performance Analytic Appliance (übersetzt etwa »leistungsstarkes Analysesystem«). Dahinter verbirgt sich eine Datenbanktechnologie, die Hardware und Software kombiniert und den Arbeitsspeicher des Servers (der schneller arbeitet als die Festplatten) zur Datenspeicherung nutzt. Diese Technik wird In-Memory-Datenbank genannt und ermöglicht eine völlig andere Anwendungsarchitektur und eine Vereinfachung der Datenmodelle. SAP gab zunächst vor, dass bis spätestens zum Jahr 2025 jedes Unternehmen, das SAP nutzt und weiter nutzen will, auf SAP S/4HANA migrieren muss. Diese strengen Zeitvorgaben waren wohl nicht zu realisieren und wurden daher seitens SAP bereits auf 2027 bzw. mit erhöhten Wartungsgebühren sogar bis 2030 korrigiert.

SAP S4/HANA ermöglicht eine Umsetzung der SAP-Anwendungen in der Cloud oder im Rechenzentrum des Unternehmens (sogenannte On Premise-Lösung) oder eine Hybrid-Variante, also mit Anwendungen auf eigenen Servern und Teilen aus der Cloud.

Neue Funktionen von SAP S4/HANA sind beispielsweise die Lieferung von umfangreicheren Reporting-Ergebnissen auf der Basis der aktuellen Daten in Echtzeit. Zudem sind Simulationen komplexer Geschäftsprozesse möglich geworden.

Personal- und Betriebsräte müssen sich bei der On Premises-Variante auf Veränderungen durch jährliche Releases einstellen. Bei den Cloud-Systemen gibt es sogenannte Feature Pack Stacks (FPS) und/oder Service Pack Stacks (SPS), die halbjährlich herausgebracht werden.

SAP hat sich an den Wartungszyklus von Microsoft angepasst und bringt (Stand heute) halbjährlich neue Releases heraus. In der Cloud-Variante werden diese einfach installiert. Bei einer Lösung »on premise« können die nutzenden Unternehmen selbst entscheiden, wann das Release eingespielt werden soll.

Zumindest aber die Grundsätze von Berechtigungen und Rollen, Benutzern und klassischen Anwendungen bleiben – jedenfalls in der aktuellen Version – von SAP S/4 HANA nahezu unverändert.

Umstellungsszenarien

Die Umstellung der Datenbank-Technologie auf SAP S4/HANA bedeutet nicht, dass es in jedem Fall eine Neuinstallation des vorhandenen SAP-Systems geben muss. Es gibt auch die Möglichkeit, eine Systemumstellung im Sinne einer Migration des vorhandenen Datenbestands und der Prozesse auf die neue Datenbank-Technologie vorzunehmen.

Aber: Auch bei einer Migration des bisherigen Systems auf S4/HANA ist durch die Arbeitnehmervertretung zu prüfen, ob sich der Zweck des Systems und die Nutzungsmöglichkeiten verändern.

Bei vielen SAP S4/HANA-Projekten werden auch die bisherigen Geschäftsprozesse auf den Prüfstand gestellt, um diese zu verschlanken oder zu modernisieren. In diesen Fällen können Arbeitnehmervertretungen auch andere Mitbestimmungstatbestände außerhalb der Regelung zum Schutz vor Leistungs- und Verhaltenskontrolle nutzen, um die Veränderungsprozesse mitzugestalten.

Wie kann man SAP regeln?

SAP ist grundsätzlich modular aufgebaut und dieses Prinzip bleibt auch bei SAP S/4HANA erhalten. Solche Module können zum Beispiel Finanzen und Controlling umfassen oder die Materialwirtschaft, je nachdem, welche Prozesse des Unternehmens in SAP abgebildet werden. Ergänzend können auch zusätzliche SAP-Systeme genutzt werden. Einige dieser Systeme werden weiter unten vorgestellt.

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Im ganzen Beitrag lesen Sie:

  • Welche Module und Systeme gibt es?
  • Wie kann der Datenschutz sichergestellt werden?
  • Welche Rolle spielt die Mitbestimmung?

Das und viele weitere Beiträge zu den Themen Datenschutz und IT-Mitbestimmung lesen Sie in »Computer und Arbeit« 7-8/2020.

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