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Berufsbildungsgesetz So sieht Mitbestimmung bei der Berufsbildung aus

[20.04.2016]Mit Beginn der Ausbildung stehen Personalräte und Jugend- und Auszubildendenvertreter an der Seite der Azubis. Im Interview erläutert Thomas Lakies, Autor des neu erschienenen Kommentars für die Praxis zum Berufsbildungsgesetz (BBiG), wie Interessenvertretungen auf die Ausbildung und ihre Qualität Einfluss nehmen können.

Herr Lakies, was sind die wichtigsten Themen, die das Berufsbildungsgesetz (BBiG) regelt?

Das BBiG regelt alle Bereiche der Berufsbildung, die Berufsausbildungsvorbereitung, die Berufsausbildung und die berufliche Fortbildung und Umschulung. Im Mittelpunkt steht die duale Berufsausbildung, also die Rechte und Pflichten der Auszubildenden und der Ausbildungsbetriebe. Duale Ausbildung bedeutet, dass die Ausbildung einerseits in den Betrieben/Behörden und andererseits in den Berufsschulen stattfindet. Das BBiG regelt den betrieblichen Teil der Ausbildung. Da die Berufsschulen Teil des Schulsystems sind, sind dafür die Bundesländer zuständig.

Worauf müssen Auszubildende bei Abschluss eines Ausbildungsvertrags besonders achten?

Der wichtigste Punkt ist, dass sich die jungen Menschen für den richtigen Ausbildungsberuf entscheiden. Das ist keine Frage des Rechts. Insoweit spielt aber die Probezeit im Ausbildungsverhältnis eine besonders große Rolle. Jedes Berufsausbildungsverhältnis beginnt mit der Probezeit. Sie muss mindestens einen Monat und darf höchstens vier Monate betragen. Die konkrete Dauer der Probezeit ist im Ausbildungsvertrag zu regeln. In der Zeit können sich die Auszubildenden und die Ausbildenden jederzeit durch Kündigung trennen. Wichtig: die Kündigung muss schriftlich erfolgen.

Wie können Personalräte und JAVler Auszubildende unterstützen?

Die allermeisten Auszubildenden müssen sich mit Beginn der Ausbildung an die betrieblichen/behördlichen Abläufe erst gewöhnen und sich in diese einfinden. Dabei haben die Arbeitskollegen und vor allem die Personalräte und die Jugend- und Ausbildungsvertreter eine besondere Verantwortung. Sie sollten die Auszubildenden vor allem in den ersten Monaten der Ausbildung besonders unterstützen und ihnen Hilfe anbieten. Die Auszubildenden haben dieselben Rechte wie alle anderen Beschäftigten.

Welche Beteiligungsrechte haben Personalräte?

Soweit es um die Berufsausbildung im engeren Sinne geht, ist der Arbeitgeber an die Vorschriften des BBiG und der jeweiligen Ausbildungsordnung gebunden. Da hier im Allgemeinen kein Gestaltungsspielraum besteht, ergibt sich für Personalräte die allgemeine Aufgabe, darüber zu wachen, dass die für die Berufsausbildung maßgeblichen Vorschriften durchgeführt werden.

Was ist mit den Beteiligungsrechten bei personellen Einzelmaßnahmen?

Personalräte haben dieselben Beteiligungsrechte wie auch bei Beschäftigungsverhältnissen. So sind sie bei der Einstellung oder Versetzung von Auszubildenden zu beteiligen. Bei einer Kündigung von Auszubildenden sind sie anzuhören, das gilt auch bei Kündigungen in der Probezeit. Ansonsten gelten alle anderen Mitbestimmungsrechte auch in Bezug auf Auszubildende, so etwa bezüglich Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit, also die Dienstplangestaltung, oder bei der Einführung und Anwendung von technischen Einrichtungen. In Dienstvereinbarungen sollte ausdrücklich geregelt werden, ob diese auch für Auszubildende gelten. Da die Auszubildenden wegen der Berufsschule nicht jeden Tag im Betrieb bzw. in der Behörde anwesend sind, kann es sinnvoll sein, teilweise Sonderregelungen vorzusehen.

Was die Ausbildung angeht, sind die Ausbilder für die Auszubildenden von besonderer Bedeutung. Welche Rechte hat der Personalrat diesbezüglich?

Die Ausbildenden (Arbeitgeber) haben nach dem BBiG selbst auszubilden oder Ausbilder ausdrücklich damit zu beauftragen. Auszubildende darf nur einstellen, wer persönlich geeignet ist (§ 28 Abs. 1 Satz 1 BBiG). Auszubildende darf nur ausbilden, wer persönlich und fachlich geeignet ist (§ 28 Abs. 1 Satz 2 BBiG). Hinsichtlich der fachlichen Eignung sind die Einzelheiten in der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) geregelt.

Personalräte haben verschiedene Möglichkeiten bei der betrieblichen/behördlichen Ausbildung, aber auch bei Fortbildungsmaßnahmen, Einfluss zu nehmen. Gesetzliche Grundlage ist das Bundespersonalvertretungsgesetz (BPersVG) oder das Personalvertretungsgesetz des jeweiligen Bundeslandes.

Beispiel: Personalräte achten darauf, dass Ausbilder die persönliche oder fachliche, insbesondere die berufs- und arbeitspädagogische Eignung im Sinne des BBiG besitzen und ihre Aufgaben nicht vernachlässigen.

Der Interviewpartner:

Thomas Lakies

ist Richter am Arbeitsgericht in Berlin und Autor zahlreicher Fachbücher zum Arbeitsrecht. Im Bund-Verlag hat er neben dem Praxiskommentar zum »Berufsbildungsgesetz (BBiG)« die Basiskommentare zum »Mindestlohngesetz« und zum »Jugendarbeitsschutzgesetz« veröffentlicht.

 

Lesetipp der Online-Redaktion:

Thomas Lakies, Annette Malottke

BBiG- Berufsbildungsgesetz
Kommentar für die Praxis

5. Aufl. 2016, Bund-Verlag, 876 Seiten, gebunden, ISBN: 978-3-7663-6509-5

Subskriptionspreis (bis 30.06.2016): € 79,90

Ladenpreis: € 89,90

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